Leica-Super-Vario-Elmar-TL 11-23mm

Potsdam, Peter-und-Paul-Kirche

Das Jahr 2018 nähert sich schon wieder seinem Ende und mittlerweile habe ich viel Zeit mit der Leica CL und den passenden Objektiven verbringen können. Nachdem sich mein erster Bericht um das Summilux-TL 35mm drehte, eine Referenz-Festbrennweite, geht es nun in diesem Text um ein „schnödes“ Zoom, noch dazu „Made in Japan“, nämlich das Leica-Super-Vario-Elmar-TL 11-23mm F3.5-4.5.

Mein ursprünglicher Plan war, hauptsächlich die Festbrennweiten zu nutzen (23mm und 35mm) und das Zoom sozusagen nur als ersatzweises Ultraweitwinkel für meine Ruinen. Es sollte dementsprechend nur eine Nebenrolle spielen. Ohnehin erwartete ich nicht zu viel, da ich von Festbrennweiten wie dem Zeiss Distagon 18mm, dem Super-Elmar-M 18mm oder auch dem Fuji 16mm F1.4 komme. Ein kleines, leichtes APS-C-Zoom aus Japan… wird schon irgendwie gehen, dachte ich mir. Zumindest die optische Rechnung und die Konzeption sind ja von Leica.

Potsdam, Peter-und-Paul-Kirche

Haptik und technische Umsetzung

Ich erwarb das Objektiv recht günstig gebraucht und bereits der erste Eindruck schien meine Vorurteile zu bestätigen. Zwar ist die haptische Anmutung dank Metallgehäuse absolut perfekt und hochwertig, aber das Gewicht von nur 361g und die für ein Weitwinkelzoom relativ kompakten Abmessungen von 77mm (Länge) x 73mm (Durchmesser) ließen meine Erwartungen nicht gerade steigen. Das Summilux-TL ist als Festbrennweite ähnlich groß und spürbar schwerer.

Der erste Aha-Effekt kam, als ich es an die CL ansetzte. Perfekte Größe, nicht zu schwer – insgesamt ein gut ausbalanciertes Paket. Die Sonnenblende wirkt eher kompakt und optisch zurückhaltend. Das gefiel mir – rein vom Handling her – schon mal besser als das schwere Summilux mit dem riesigen Sonnenblenden-Rohr. Praktisch ist es auch, da die Brennweite von umgerechnet 17mm – 35mm (Kleinbildäquivalent) einen sehr nützlichen Bereich abdeckt. Vielleicht, so dachte ich mir, wird es für mich doch mehr als nur ein Nischenobjektiv.

Der Zoomring ist für bessere Griffigkeit geriffelt und sitzt „hinten“, also in Richtung Kamera. Er ist gut gedämpft und lässt sich angenehm bewegen. Das Objektiv fährt beim Zoomen ca. 1,5cm aus. Der dabei erscheinende Tubus ist aus Kunststoff. Grundsätzlich sind mir Zoomobjektive lieber, die nicht ausfahren. Die (meist billigeren) Exemplare, die das tun, werden oft nicht zu unrecht als Luftpumpen und Dreckfänger bezeichnet. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass der japanische Fertiger hier konstruktiv sorgfältig genug arbeitet und die Nutzung des Zooms keinen Staub in das Gehäuse zieht. Bisher habe ich nach ca. einem Jahr intensiver Nutzung zumindest nichts negatives festgestellt.

Potsdam, Park Sanssouci

Spritzwassergeschützt sind sowohl die CL als auch die passenden Objektive übrigens alle nicht. Ich hatte zumindest die CL aber schon unabsichtlich in schlimmstem Schneetreiben dabei und es ist nichts passiert. Die Konstruktion scheint mir also solide genug, um kleinere Unpässlichkeiten diesbezüglich abwehren zu können, wenn auch nicht amtlich bestätigt. Ich nehme selbiges auch für die Objektive an.

Interessant ist, dass das Zoom des TL 11-23 sozusagen invers funktioniert. Voll ausgefahren liegen die 11mm Brennweite bei F3.5 an, voll eingefahren die 23mm mit F4.5. Man geht irgendwie immer davon aus, dass es andersherum sein müsste.

Potsdam, Park Sanssouci

Die CL denkt übrigens beim Zoomen mit und passt die Blende auch rückwärts dynamisch an. Wenn ich also auf 11mm Blende F3.5 eingestellt habe und das Zoom dann zurücknehme, verringert sich die Blende zunächst automatisch auf F4.5. Drehe ich das Zoom nun wieder auf 11mm, bleibt sie nicht auf F4.5 stehen, sondern passt sich automatisch auf F3.5 an. Die Elektronik geht hier richtigerweise davon aus, dass ich Offenblende beibehalten möchte. Das finde ich gut gelöst und praktisch.

Potsdam, Park Sanssouci

Der vordere Einstellring dient dem Fokussieren. Leica verbaut auch hier eine focus by wire Lösung, d.h. ich verstelle nicht mechanisch sondern steuere den Fokusmotor über den Drehgriff, verstelle den Fokus also indirekt. Wie auch schon beim Summilux-TL ist das auch hier super gelöst und fühlt sich nahezu perfekt analog an. Einen Anschlag gibt es allerdings nicht. Das kann unter Umständen stören, wenn man manuell auf unendlich stellen möchte, weil es dafür keinen definierten Punkt gibt. Man kann sozusagen zu weit drehen und dann wird es wieder unschärfer. Hier ist ein mechanischer, fester Anschlag besser (wenn er wie bei den M-Optiken präzise ist). Das ist übrigens auch ein kleiner Kritikpunkt, den ich schon beim Testbericht der CL aufgegriffen hatte; richtet man das Fokusmessfeld auf den Horizont um auf unendlich zu kommen und ist es dazu vielleicht noch etwas diesig, bekommt der Kontrastautofokus Probleme. Das liegt in der Natur der Sache. Es wäre nun eben schön, man könnte hier mit einem beherzten Dreh auf Anschlag korrigierend eingreifen.

Zugegeben, im fotografischen Alltag sind solche Situationen nur selten relevant. Bei der Landschaftsfotografie muss man darauf achten und wenn man es weiß, sollte es kein Problem sein.

Potsdam, Park Sanssouci

Zum Autofokus selbst kann man eigentlich gar nicht viel sagen. Er ist lautlos, schnell und treffsicher. Man könnte auch sagen, er erledigt seine Arbeit perfekt und absolut unauffällig. So soll es sein!

Das Frontgewinde des TL 11-23 misst 67 Millimeter und rotiert beim Zoomen oder Fokussieren natürlich nicht mit, ist also für jede Art von Filter geeignet. Die Sonnenblende wird außen aufgesteckt und stört daher ebenfalls nicht beim filtern.

Potsdam, Park Sanssouci

Bildqualität

Damit kommen wir zum wichtigsten Part. Wie schlägt sich das Zoom, auch im Vergleich zum Super-Elmar-M 18mm oder dem Zeiss Distagon 18mm?

Leica+Super-Vario-Elmar-TL_3.5-4.5_11-23+mm_ASPHMan traut es dem leichten Objektiv gar nicht zu: es besteht aus immerhin 14 Linsen in 11 Gruppen, davon 4 Asphären.

Die Verzeichnung ist minimal und kaum der Rede wert, sowohl bei 11mm als auch bei 23mm. Der letzte Rest wird dann im Lightroom sowieso anhand des im RAW enthaltenen Profiles ausgebügelt. Für mich ist das sehr wichtig, da ich einen Fetisch mit geraden Linien habe. Gerade im Ultraweitwinkel fotografiere ich meist schräg nach oben um dem Fußboden nicht zuviel Raum geben zu müssen und ziehe die Linien dann gerade. Das geht natürlich nur, wenn das Objektiv gut auskorrigiert ist (also keine Tonnen, Kissen oder gar Schnurrbärte) und das ist beim TL 11-23 zu einhundert Prozent der Fall.

Potsdam, Park Sanssouci

Ähnlich positiv sieht es hinsichtlich der Vignettierung aus. Es ist nicht so, dass mich dieser Effekt stört – im Gegenteil, meist füge ich ihn zu Bildern sogar noch hinzu. Andererseits – gerade in der Architektur – strebt man doch schon eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung an. Vor allem wenn ND-Filter zum Einsatz kommen ist es schön, wenn das Objektiv wenig Grundvignettierung mitbringt, da der Filter für sich genommen schon viel Randabdunklung induziert.
Bei diesem Objektiv ist mir nur bei F3.5 und 11mm eine sichtbare Abdunklung im Himmel aufgefallen (allerdings nichts dramatisches), bei anderen Brennweiten und Blenden empfand ich es als ziemlich unauffällig bis unsichtbar.

Potsdam, Park Sanssouci

Ich muss dazu sagen, dass ich hier nicht immer zweifelsfrei unterscheiden kann, wo die optische Qualität aufhört und die automatische Korrektur im Lightroom-Profil beginnt – das Schönrechnen sozusagen. Ich habe damit aber auch kein großes Problem, wenn das Gesamtergebnis stimmt, das Objektiv dafür etwas leichter und bezahlbarer bleibt und mir nicht zu viele Reserven in der Nachbearbeitung verloren gehen.

In der Fachpresse habe ich hin und wieder etwas über auffällige Farbsäume gelesen. Gerade dazu ist mir nun gar nichts aufgefallen und das wundert mich schon etwas, vor allem, weil das immer das Erste ist, was ich mir bei einem Weitwinkel kritisch anschaue. Ich vermeine, im Internet einmal etwas zu dem Thema gesehen zu haben, finde aber die Quelle nicht mehr. Da ging es – zumindest in meiner Erinnerung – darum, dass bestimmte optische Unzulänglichkeiten bei den JPGs direkt aus der Kamera (CL oder TL) mehr zum Vorschein kommen als beim RAW mit seinem inkludierten Korrekturprofil. Da viele Zeitschriften ja nur die JPGs als Testgrundlage nehmen, könnten sie dadurch zu diesem Urteil gekommen sein. Ich selbst habe ja schon oft darüber gesprochen, dass ich ein eingefleischter RAW-Jünger bin. Meine Tests beziehen sich auch ausschließlich auf RAW-Bilder, denn nur die können wirklich Aufschluss über die Leistungsfähigkeit einer hochwertigen Kamera geben. Sollte das Korrekturprofil im RAW also den Farbsäumen wirksamer zu Leibe rücken als die interne JPG-Engine, so wäre das ein weiteres Argument für die Nutzung von RAW. Vorstellbar wäre es durchaus, denn irgendwo müssen bei einem so leichten Ultra-Weitwinkel-Zoom dann ja wirklich die Grenzen erreicht sein und die völlige Abwesenheit von Farbsäumen hat mich schon etwas erstaunt. Wenn ich also hier ein Opfer des Schönrechnens geworden bin, so bin ich das gern.

Potsdam, Park Sanssouci

Kommen wir zur Auflösung. Dazu ein Verweis auf die Fachpresse: im Zentrum wird dem TL 11-23 eine ausgezeichnete Schärfe bescheinigt die bei 11mm Brennweite jedoch zum Rand stark abfällt. Bei 23mm Brennweite ist der Abfall ebenfalls vorhanden, aber weitaus geringer. Auch hier wird eigentlich immer JPG als Grundlage genommen und je nach Einstellung sind JPGs bei Leica grundsätzlich immer sehr weich abgestimmt.

Ausschlaggebend für mich sind die Betrachtung und der Vergleich im Lightroom in der 100%-Ansicht und da kann ich nichts negatives zum TL 11-23 feststellen. Es reiht sich problemlos in meine persönliche Liga der Helden ein und liefert nahezu genauso scharf ab wie beispielsweise das Super-Elmar-M 18mm, auch in den Ecken. Ein ganz kleiner Ticken mag hier und da fehlen, vor allem bei feinem Geäst und winzigen Details in den Randbereichen; dieses Zugeständnis muss man aber einem Zoom einfach machen dürfen. Zudem reden wir hier über die 100%-Ansicht, wir bewegen uns also mehr im theoretischen denn im praktischen Bereich.

Kongresshotel Potsdam am Templiner See

Leica-typisch liegt auch schon bei Offenblende jeweils eine sehr gute Auflösung an und das gleicht die durchschnittliche Lichtstärke des Objektives wiederum etwas aus. Von einem Weitwinkelzoom erwarte ich hier keine Wunder á la F1.4, deswegen habe ich die Lichtstärke von F3.5 bis F4.5 auch nie thematisiert (ist das jemandem aufgefallen?)… Ultraweitwinkel sind nun mal so (z.B. auch das Super-Elmar-M 18mm mit F3.8!) und in diesem Bereich ist Bildqualität wichtiger als ultimative Lichtstärke. Dazu kommt, dass man bei modernen Sensoren problemlos ISO6400+ nutzen und im Weitwinkelbereich durchaus bis zu 1/30 noch ruhig genug halten kann.

Auch das Thema Bokeh ist in der Welt der Ultraweitwinkel eigentlich ein seltener Gast, aber wenn es doch mal dazu kommt, ist es beim TL 11-23 sehr angenehm und weich – Leica halt. Da die minimale Fokusdistanz bei nur 20cm liegt, kann man vielleicht hin und wieder mal eine Schärfe-Unschärfe-Separation erzwingen – wenn es denn zum Motiv passt.

Dresden, Flutrinne

Bleibt noch das Thema Gegenlichtfestigkeit. Hier ist das TL 11-23 nicht ganz so unkompliziert, wie man es von anderen Leica-Optiken kennt. Man kann je nach Winkel zur Sonne schöne Lensflares erzeugen. Das mag durchaus nützlich und ein Stilmittel sein, ist aber sicherlich nicht in jeder Situation angemessen. Andererseits möchte ich das nicht überbewerten, denn wenn es mir um maximale Qualität geht, halte ich eh kein Objektiv in die Sonne. Wenn ich das tue, möchte ich mit den Effekten spielen und dann habe ich auch nichts gegen Lensflares. Es liegt also in erster Linie am Fotografen selbst und nach wie vor gilt die Regel, lieber die Sonne im Rücken zu haben, es sei denn, man weiß genau was man tut und kennt sein Objektiv.

Burg KriebsteinBurg Kriebstein

Noch ein paar Worte zum subjektiven Gesamteindruck der Bilder und zur Nachbearbeitung. Früher gab es die Dunkelkammer, heute gibt es den RAW-Konverter. Beides ist ein Teil des Workflows von der Aufnahme bis hin zum fertigen Bild und aus meiner Sicht unerlässlich, wenn ich es gewissermaßen ernst meine (wenn ich es nicht so ernst meine, nehme ich mein iPhone).

Leica-Bilder sehen beim ersten Öffnen im Lightroom oftmals eher zurückhaltend abgestimmt und weich aus. Das ist aber irrelevant, denn es ist ja nur die erste Interpretation. Bei der Arbeit mit dem Weitwinkel habe ich oft mit hohen Hell-Dunkel-Kontrasten zu kämpfen weil oftmals viel Inhalt auf dem Bild sichtbar ist, vom Himmel bis zur schattigen Hausecke. Mein erstes Ziel ist es stets, die Lichter zu schützen und die Schatten aufzuhellen. Um einen allzu plakativen HDR-Look zu vermeiden, übertreibe ich das nicht oder ich hebe die Kontraste wieder etwas an, gern auch lokal unterschiedlich. Der Klarheits-Regler spielt bei mir oft eine Rolle (außer bei Bildern mit viel Bokeh) und – deutlich sichtbar – auch die Farben und die Dynamik. Für die Grundstimmung (sonnig, Dämmerung etc.) nutze ich die Farbtemperatur, meist stelle ich die Bilder etwas wärmer als Lightroom das im Standard tut. Ich achte darauf, dass das Histogramm möglichst gleichmäßig aussieht (Schwarz- und Weißpunkt einstellen!) und spätestens dann beginnen die Farben zu leuchten. Das Himmelsblau muss bei mir blau sein, nicht türkis oder irgendwie anders und ich korrigiere das immer durch individuellen Eingriff.

Freital, Rabenauer Grund

All das geht mit dem TL 11-23 leicht und schnell von der Hand. Ganz speziell fällt mir auf, dass es keinen kalten, digitalen und klinischen Charakter wie viele fernöstliche Optiken hat. Die Bilder wirken nach der Bearbeitung plastisch und detailiert. Das habe ich beispielsweise bei Sony und auch Fuji immer etwas vermisst. Bei beiden hatte ich oft das Gefühl einer gewissen farblichen Flachheit, egal wie obszön weit der Dynamik/Farbregler aufgerissen war.

Travemünde

Am Ende werden alle Linien ordentlich ausgerichtet – auch hier liefert das 11-23mm dank seiner guten Korrektur eine super Grundlage. Ein schiefer Horizont ist ein no-go und auch sonst muss die Bildgeometrie passen. Optimalerweise laufen schräge Linien in die Bildecken und generell bewegen sich diagonale Linien im Bild aufwärts (von links nach rechts) und nicht abwärts. Beim Thema Beschnitt bin ich dann auch ganz ungeniert, ich opfere das Seitenverhältnis gern zugunsten einer besseren Ausrichtung oder Geometrie.

Ein Bild ist am Ende eine Interpretation der Wirklichkeit, kein direktes Abbild davon. Ich strebe eine idealisierte Form der Realität an; kurz gesagt, bunter, stimmungsvoller, plastischer. Eine Hauswand voller Strukturen muss auf mich wirken, als könnte ich ins Bild hineinfassen und sie berühren. Das ist übrigens eine seltsame Sache: bunte, plastische Bilder wirken auf mich realer als nüchteren, flaue, exakte Reproduktionen der Wirklichkeit.

Travemünde

Kontraste, Farben, Details, Geometrie, Schärfe – das erwarte ich von einem Objektiv. Das TL11-23 hat mich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht. Es beschert mir sogar noch den Bonus hoher Flexibilität, weil es relativ leicht ist und mich als Zoom nicht nur auf eine einzige Brennweite beschränkt.

Travemünde

Gemäß DSGVO habe ich von diesem Jungen eine 14-seitige Einverständniserklärung vorliegen, die mich autorisiert, das Bild hier zu zeigen.

Bevor ich nun zum Fazit komme, noch ein kleiner Exkurs in Sachen Leica vs Fuji. In meinen letzten beiden Urlauben habe ich in Potsdam die Peter-und-Paul-Kirche besucht, einmal mit Fuji und einmal mit Leica. Mir ging es jeweils darum, die Fähigkeiten hinsichtlich Dynamik (im RAW) zu testen. Hier die beiden Bilder im Vergleich:

Fuji X-Pro2 mit Fujinon 16mm F1.4, 16mm, ISO200, F1.4, 1/900s

Potsdam, Peter-und-Paul-KircheLeica CL mit Super-Vario-Elmar-TL 11-23mm, 11mm, ISO100, F5.6, 1/30s

Beiden Bildern liegt ein absichtlich vollkommen unterbelichtetes RAW zugrunde (in dem nur die Fenster erkennbar sind). Wer sich davon überzeugen möchte, findet in meinem Bericht über die Leica CL das entsprechende Original-Bild und die Beschreibung meiner Bearbeitung (im Bereich Bildqualität).

Beide Kameras liefern ausgezeichnete Resultate und viel Spielraum in der Nachbearbeitung. Das Leica-Bild ist aber trotzdem mein Favorit. Das liegt zum einen an den Farben, die auch ohne viel herumbiegen einfach natürlicher wirken, zum anderen aber auch daran, dass Kamera und Objektiv in grenzwertigen Bildbereichen (Fenster) einfach besser mit dem sehr hohen Kontrast klarkommen (zugegeben, das Leica-Bild ist mit Blende 5.6 entstanden). Zudem ist das Leica-Bild minimal plastischer und wirkt durch sein minimal stärkeres „Korn“ etwas analoger.

Fazit

Ich habe vom Leica-Super-Vario-Elmar-TL 11-23mm F3.5-4.5 nicht besonders viel erwartet und bin dann äußerst positiv überrascht worden. Das hat dahin geführt, dass es derzeit mein Lieblingsobjektiv an der CL ist (noch vor dem Summilux-TL 35!) und praktisch nahezu immer zum Einsatz kommt.

Anfänglich nur als Ultraweitwinkel-Nischenlösung angedacht, hat sich der Brennweitenbereich von 17-35mm (bezogen auf Kleinbildformat) als unheimlich praktisch erwiesen – immerhin decken wir hier die klassische Reportagebrennweite bis hinunter zur populärsten Ultraweitwinkel-Brennweite ab (alles unterhalb 17mm wird dann sowieso zu extrem). Für Städtetrips, Natur, Architektur oder auch für erweiterte Portraits – das 11-23 hat sich für mich zum echten Immerdrauf gemausert.

Lübeck, St. Petri-Kirche

Die Lichtstärke ist nicht überragend, aber für ein Weitwinkel okay und dank der guten Leistung der CL, die man bis ISO6400 problemlos nutzen kann, gelingen auch bei F3.5 oder F4.5 in dunkler Umgebung noch gute Aufnahmen. Von allen TL-Objektiven, die Leica derzeit im Angebot hat, fällt der fehlende Bildstabilisator hier sozusagen am wenigsten auf.

Was ich an dem Objektiv unheimlich mag, ist die Tatsache, dass es für ein Ultraweitwinkel-Zoom so verhältnismäßig klein und leicht ist. Es passt einfach gut zur CL. Trotzdem entpricht die Qualität im Großen und Ganzen dem, was man sich auch von hochwertigen Festbrennweiten wünscht.

Lübeck, Salzspeicher

Die Farben sind natürlich und kräftig, die Bilder wirken kontrastreich und scharf bis in die Ecken. Zwar ist beispielsweise das Super-Elmar-M 18mm noch einen Ticken schärfer, dafür ist das TL11-23 aber hinsichtlich Gewicht und Brennweite flexibler. Mit etwas Nachbearbeitung wirken die Aufnahmen plastisch und dreidimensional. Selbst das Bokeh ist angenehm – so man es denn zu Gesicht bekommt.

Lübeck, Travemünde, Hermannshöhe

Durch die geringe Verzeichnung und Vignettierung gestaltet sich die Nachbearbeitung weitgehend komplikationslos. Schnell hat man ausgerichtet oder geradegezogen – für mich bei einem Ultraweitwinkel essentiell.

Lübeck

Meine CL-Lieblingsbilder sind alle mit diesem Objektiv entstanden und ich merke immer wieder, wie ich mich zwingen muss, auch mal andere Optiken, wie z.B. das hervorragende Summilux-TL 35 zu nutzen. Dann gehe ich durch die Gegend und denke ständig: „Mist, jetzt hättest Du das 11-23 gebraucht“. Keine halbe Stunde später geht der Griff in die Jackentasche und es wird wieder gewechselt. Ich denke, das ist das beste Kompliment, das man diesem Objektiv machen kann.

Lübeck

Es ist selten, dass ich so offen und uneingeschränkt eine Kaufempfehlung ausspreche, aber meiner Meinung nach gehört das TL 11-23 in die Fototasche eines jeden CL- oder TL-Fotografen. Natürlich sollte man sich vorher etwas mit dem Thema Superweitwinkel befassen und auf die Bildgestaltung achten, sonst hat man immer nur klitzekleine Motive und viiiiiel Fußboden – gerade bei 11mm.

Dresden

Wichtig ist aus meiner Sicht auch eine vernünftige Nachbearbeitung, bei jedem Objektiv. Die erste RAW-Interpretation im Lightroom ist meist (je nach Einstellung) eher etwas flau und weich. Für mich kommt ein schönes Bild nie direkt aus der Kamera. Die Kamera liefert mir die Ausgangsdaten, den Rest muss ich in der digitalen Dunkelkammer zustandebringen. Nur so kann ich das gesamte Potential vollständig ausnutzen.

DresdenDresden, FlutrinneTravemünde

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