Leica Summilux-TL 35mm/F1.4 Asph

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Würde man mich nach meiner Lieblingskombi aus Kamera und Objektiv fragen, wäre die schlagartige Antwort: „Leica M mit Summilux-M 50mm F1.4 Asph„. Das Summilux war ein später Kauf (ich musste ein Weile sparen um es mir leisten zu können), und ich habe es geliebt. Keiner anderen Optik habe ich nach dem Ende meiner persönlichen M-Ära so nachgetrauert.

Dazu kam die Gewissheit, dass die speziellen Offenblenden-Eigenschaften des 50er Summilux-M durch den Wechsel auf APS-C für mich unwiederbringlich verloren sind.

Während meiner Fuji-Zeit experimentierte ich daher mit diversen 35mm-Objektiven, die größere Blendenöffnungen als F1.4 aufwiesen, um der Bildwirkung des 50er Summilux-M am Vollformat (Bildausschnitt und Freistellvermögen) wenigstens einigermaßen nahe zu kommen. Keines dieser Experimente führte zum Erfolg und die Testobjekte (fast ausschließlich aus Fernost) wurden schnell wieder verkauft. Nebenbei: die Bildergebnisse waren so ernüchternd, dass ich nichteinmal Lust verspürte, darüber Berichte zu veröffentlichen.

Kurz gesagt: bei einer Blende von ca. F1.0 und einer Brennweite von 35mm wird es einfach grenzwertig. Die daraus resultierenden Effekte sind extreme Vignettierung, wenig Schärfe – erst recht in den Ecken, wenig Kontrast, lila Ränder , Glow-Effekt – das ganze Gruselkabinett an optischen Unzulänglichkeiten. Zu allem Überfluss sind die Objektive dann noch riesengroß und wirklich schwer. An der Physik kommt man halt nicht vorbei. Außer, man heißt Leica und zähmt das Monster mit Asphären, extremer Präzision, floating elements, speziellen Glassorten, Beschichtungen, Erfahrung und Zaubersprüchen (auch wenn Leica behauptet, das hätte nichts mit Magie zu tun)… aber dann wird es halt richtig(!) teuer, wie man an der Noctilux-Familie gut sehen kann.

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Ich gelangte also zu der Erkenntnis: um finanziell in einem vertretbaren Rahmen zu bleiben, muss ich mich an APS-C mit F1.4 begnügen, was im Vollformat eben „nur“ einem F2.1 entspricht (für mehr Hintergründe zum Thema APS-C vs. Vollformat verweise ich auf diesen Artikel).

Die Verfügbarkeit eines solchen 35mm F1.4 war somit eine meiner Bedingungen zum Einstieg in das Leica APS-C-System und Voraussetzung für den Kauf der CL.

Glücklicherweise gibt es ein solches Objektiv bereits sei einigen Jahren, denn Leica stellte bereits am 29. Oktober 2015 das Summilux-TL 35mm F1.4 Asph für den L-mount vor – damals noch für die Leica T und TL.

„L-mount“ bedeutet, dass man das Summilux auch an der Leica SL verwenden kann. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Optik nur für den kleineren APS-C-Bildkreis konstruiert ist. Die SL schaltet dann entsprechend in einen Crop-Modus um (das Bild wird dem kleineren Bildkreis des Objektives angepasst). Das geht natürlich zulasten der Megapixel, bzw. der Auflösung. Sinn kann das Ganze aber übrigens trotzdem machen, nämlich bei Nutzung der Videofunktion in 4K. Dabei nutzt die SL nur einen kleineren, APS-C-ähnlichen Bereich für den Sensor-Readout, weswegen die genutzte Sensorfläche sozusagen zu dem kleineren Bildkreis des Objektives passt und man damit insgesamt eine handlichere Kombi erhält als mit dem orignalen Summilux der SL.

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In diesem Bericht soll es jedoch ausschließlich um die Verwendung an der CL gehen. Für Besitzer einer Leica T2 ist er jedoch ebenfalls interessant, da sowohl CL als auch TL2 den gleichen Sensor verbaut haben und somit auch hinsichtlich des Bildergebnisses mit dieser Optik identisch abliefern. Lediglich die Bedienung der Kameras selbst verfolgt unterschiedliche Philosophien.

In meiner persönlichen Welt trat das Summilux-TL 35 ein schweres Erbe an, da es wie oben beschrieben – zumindest im Rahmen seiner Möglichkeiten – mein geliebtes Summilux-M 50 ersetzen sollte. Ein ungleicher Kampf. Oder nicht? Das soll dieser Bericht klären.

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Haptisches

Das Summilux-TL hat keinen Blendenring. Damit habe ich persönlich schon grundsätzlich ein kleines Problem, ich werde mich aber damit abfinden müssen.

Das war es aber dann auch schon mit dem Thema „ernsthafte Kritik“. Das Objektiv fühlt sich wertig an; kein Wunder, denn es besteht außen nahezu komplett aus Metall. Es gibt einen breiten Fokusring der sich – obwohl elektronisch – trotzdem so anfühlt, als wäre er mechanisch. Das Front(innen)gewinde ist ein ungewöhnliches E60. Da die standardmäßig mitgelieferte Sonnenblende außen angesteckt wird, bleibt es für Filter frei.

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Das Summilux-TL 35mm F1.4 Asph gibt es in schwarz oder silber. Es besteht aus 12 Linsen in 8 Gruppen, davon 4 Asphären. Die Blende besteht aus 9 Lamellen. Die Naheinstellgrenze liegt bei 40cm.

Darüberhinaus gibt es keine Schalter irgendwelcher Art. Funktionen wie Autofokus werden direkt in der Kamera geschaltet. Somit vermittelt das Objektiv, passend zur CL oder TL(2) einen sehr cleanen, modernen Charakter (ähnlich wie viele Zeiss-Objektive).

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Autofokus

Der Autofokus ist ausreichend schnell und sehr leise. Meist arbeitet er perfekt. Wenn Probleme auftauchen, so liegt das stets in der Art der Scharfstellung – nämlich über Kontrast – begründet. Bei gleichmäßigen Motiven (Wände, glatte Oberflächen, Himmel) fährt er nicht selten durch den gesamten Bereich und findet nichts. Ich hätte es begrüßt, wenn er in diesem Falle im Zweifel auf Unendlich gehen würde, meist stellt er aber irgendwo zwischendrin die Arbeit ein. Ich muss nochmal betonen: das liegt an der Art des Autofokus der Kamera und nicht am Objektiv. Auch meine Art der Fotografie (Landschaft) begünstigt das, weil ich häufig auf unendlich unterwegs bin und mir daher von früher angewöhnt hatte, einfach kurz in den Himmel zu halten um den AF schnell dorthin zu bekommen. Oder ich versuche, auf Wände und Flächen zu fokussieren (Architektur), was wegen wenig Kontrast ähnlich ungünstig ist. Im normalen fotografischen Alltag fällt das wahrscheinlich nur wenig ins Gewicht. Ich selbst bin allerdings nach DSLR und M immer noch in einer Art Gewöhnungsphase.

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Dazu kommt, dass er natürlich bei Offenblende mehr zu tun hat (und dadurch länger braucht um den Schärfepunkt zu erreichen) als bei kleineren Blenden.

Dennoch: es soll hier nicht so klingen, als wäre der Autofokus problematisch. Wenn die Bedingungen (Kontrast) erfüllt sind, stellt er schnell und sicher absolut scharf.

Formfaktor

Was soll ich sagen, das Summilux-TL ist schon eine kleine Wuchtbrumme, zumindest für APS-C-Verhältnisse und im Kontext zur CL oder TL(2). Das Objektiv hat eine Länge von 77mm ohne – und 123mm(!) mit Sonnenblende. Der Durchmesser beträgt 80mm (mit Sonnenblende). Zusammen mit dem Gewicht von 428g ist das schon eine Hausnummer und definitiv eine andere Liga als das handliche Summilux-M.

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Im Vergleich zu den Summiluxen 35 und 50 für die Leica M reden wir über ca. 100g mehr, 2-3cm mehr an Länge und ca. 2,5cm mehr an Durchmesser. Das ist der Preis für den Autofokus, denn irgendwo müssen Antrieb und Elektronik ja auch hin…

Fuji zeigt mit dem 35mm-Fujinon F1.4 zwar, wie klein ein hochlichtstarkes APS-C-Objektiv auch sein (nämlich nicht größer als ein M-Objektiv) – trotz Autofokus. Aber die optische Performance bleibt aus meiner Sicht ein ganzes Stück hinter dem Summilux-TL zurück. Konkret meine ich damit vor allem Schärfe bei Offenblende – auch und vor allem in den Ecken sowie ganz klar Qualität des Bokehs. Leica ist beim Summilux-TL definitiv keinen Kompromiss zugunsten der Größe eingegangen. Wie man dazu steht, muss man mit sich selbst ausmachen.

Ob allerdings die Sonnenblende wirklich so ein Monster sein musste? 46mm lang, 80mm Durchmesser? Das macht aus einem gerade noch erträglich großen Objektiv ein fettes Rohr. Das ist weder unauffällig, noch handlich oder gar ansehnlich! Gerade von Leica hätte ich da – zumindest im Zubehör – mehr erwartet; wie andere Sonnenblenden-Designs durchaus auch beweisen.

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Mir war die Sonnenblende definitiv zu groß und zu hässlich und nachdem ich im Zubehörhandel lange nichts gefunden hatte (das Summilux-TL hat mit E60 eine seltene Innengewinde-Größe) konnte ich mir mit einem Step-Up-Ring von E60 auf E62 und einer dann passenden, billigen Metall-Sonnenblende in etwas gefälligerem Design aushelfen.

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Im Zubehörhandel gibt es ein einziges passendes Teil (E60) von Thorsten Overgaard, das ich aber für preislich etwas übertrieben halte.

Optisches

Die TL-Objektive stammen grundsätzlich von einem Auftragsfertiger in Japan – übrigens handelt es sich dabei angeblich nicht um Panasonic. Das hier besprochene Summilux-TL 35 bildet zusammen mit dem 60er Makro eine Ausnahme und wird in Wetzlar hergestellt, ist also „Made in Germany“. Laut Leica handelt es sich um ein APS-C-Referenzdesign. Wie dem hier verlinkten Bericht über ein Gespräch mit Peter Karbe zu entnehmen ist, gehört das Summilux zu einer neuen (Fertigungs)generation von Objektiven (die mittlerweile in die außergewöhnlichen SL-Summicrone mündet). Das Besondere an diesen Objektiven ist, dass sie auf eine Auflösung von bis zu 60 lp/mm hin entwickelt wurden und damit auch für künftige Generationen von Sensoren geeignet sind.

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Das Internet steht dem Summilux-TL etwas ambivalent gegenüber. Es gibt einerseits sehr positive Reviews, andererseits aber auch unterschiedliche Kritik an der Auflösung, die mal gut und mal weniger gut beurteilt wird. Ich kann das nicht so recht nachvollziehen, denn wenn die Tests wirklich objektiv wären, müsste ja immer ein gleiches Ergebnis herauskommen. Man kann also wiedereinmal erkennen, dass das Leben viel mehr mit „Glauben“ als mit „Wissen“ zu tun hat. Ich muss mich für eine Fachzeitschrift / Webseite entscheiden und von da an immer glauben, was ich dort lese.

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Ich versuche immer, eine Sache selbst auszuprobieren – zumindest in dem mir möglichen Rahmen und hinsichtlich der mir wichtigen Kriterien. Konkret bedeutet das in diesem Falle, die mit dem Objektiv gemachten Bilder in der 100%-Ansicht von Lightroom zu betrachten und mit anderen Bildern zu vergleichen, die ich als scharf empfinde. Mein Maßstab dabei: das Summilux-M 50mm 1.4 Asph FLE.
Wenn ich nun Bilder vom Summilux-TL und vom Summilux-M bei verschiedenen Blenden gegenüberstelle, fällt mir auf, dass die Schärfe des Summilux-TL insgesamt ausgezeichnet ist. Auf jeden Fall nicht schlechter als bei einer M-Optik. Allerdings ist es schwieriger, diese perfekte Schärfe zu erreichen… oder sagen wir mal, man muss sich etwas umgewöhnen.

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Dazu möchte ich ein wenig ausholen:

Die ersten Testaufnahmen entstanden bei miesem, grauem deutschen Winterwetter. Natürlich waren die Aufnahmen den Lichtbedingungen entsprechend kontrastarm und sahen alles andere als ansprechend aus. Der große Schreck erwartete mich aber, als ich in Lightroom auf die 100%-Ansicht ging und für eine Beurteilung der Schärfe kleine Strukturen (hier Bäume und Äste) am Horizont anschaute. Die waren nämlich unscharf.

Nach einigen panischen Posts im Leica-Forum schaute ich mir den ganzen Spaß noch einmal in Ruhe an.

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Erstens: Ich hatte die Eigenheiten des APS-C-Sensors nicht beachtet. Es war Winter, daher düster und die Verschlusszeiten lagen bei 1/125 oder langsamer – das kann bei der hohen Pixeldichte des 24-Megapixel-Sensors schnell zu Verwacklungsunschärfe führen (danke an Bernd aus dem Forum für diesen Hinweis).

Zweitens: Ein starker Wind wehte die ganze Zeit, d.h. Äste und Büsche waren in heftiger Bewegung – auch das ungünstig bei Verschlusszeiten langsamer als 1/125.

Drittens: Ich stellte fest, dass der Kontrastautofokus beim größeren zentralen Messfeld manchmal nicht hunderprozentig auf unendlich ging, wenn man ihn auf den Horizont richtete, eine Eigenheit, die ich schon bei der X-Vario bemerkt hatte. Besser ist es, mit dem punktförmigen Messfeld zu arbeiten oder gleich manuell auf unendlich zu drehen (das Summilux-TL hat zwar keinen Anschlag, bleibt aber auf unendlich stehen, auch wenn man darüber hinausdreht).

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Die Beugungsunschärfe, die bei diesem Objektiv schon recht früh einsetzt (optimale Schärfe liegt bei ca. F2.8) kann aus meiner Sicht vernachlässigt werden. Für die Testfotos nutzte ich Blende F5.6.

Ich wartete also einen windstilleren Tag ab, stellte die Kamera auf ein Stativ, wählte Verschlusszeiten von mindestens 1/320 oder kürzer und stellte manuell auf unendlich: große Erleichterung, die Aufnahmen waren genauso scharf wie mit meinen M-Objektiven. Ich nahm mir zwei Erkenntnisse davon mit: für die ultimative Schärfe bei Landschaftsaufnahmen auf die Verschlusszeit achten und den Fokus genau kontrollieren.

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Als dann einige Wochen später die Sonne mal wieder dauerhaft herauskam, konnte ich für mich nachweisen, dass das Summilux-TL auch in Sachen Kontrast und Farbwiedergabe den M-Optiken in nichts nachsteht.

Ich nahm mir aber auch nochmal meine Aufnahmen mit der M kritisch zur Brust und siehe: das verschaffte mir einige Erkenntnisse über menschliche Psychologie.

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Es war nämlich keineswegs so, dass alle Aufnahmen mit dem alten Summilux-M immer automatisch perfekt waren. Ich hatte jedoch nie Anlass gehabt, jedes Detail in der 100%-Ansicht zu kontrollieren wie beim neuen Summilux-TL, wo ich nun am direkten Vergleich interessiert war.

Ich hatte den Fehler gemacht, das arme TL einem Vergleich mit einer verklärten Erinnerung zu unterziehen. Obwohl ich es eigentlich hätte besser wissen müssen, war ich einem unerreichbaren Idealbild hinterhergerannt. Seit diesem Tag stelle ich keine Vergleiche mehr an sondern gehe einfach fotografieren und erfreute mich an den Bildern.

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Ein weiteres interessantes Thema ist der (nicht benötigte) ND-Filter. Da Leica CL und TL2 einen elektronischen Verschluss haben (1/25.000!), kann ich auch bei hellstem Sonnenschein mit Offenblende fotografieren. Das ist nicht nur ein reiner Handling-Vorteil, sondern spart auch Nachbearbeitungszeit!

Weil nämlich meine Leica M240 keine so hohen Verschlusszeiten anbot, brauchte ich dort immer einen ND-Filter. Doch auch bei qualitativ guten Filtern lässt sich natürlich ein etwas flauer Bildeindruck und ein leichter Farbstich ins grünlich/bräunliche nicht vermeiden, weshalb ich hinterher im Lightroom länger damit beschäftigt war, den Bildern die korrekten Farben und den „Biss“ zurückzugeben.

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Einen leichten Vorteil hat der ND-Filter dennoch: er nimmt Licht weg und daher habe ich beim Summilux-M bei Offenblende nie diesen „Glow“-Effekt beobachtet (Überstrahlen von hellen Stellen bei viel Licht). Beim Summilux-TL tritt das gelegentlich dann in Erscheinung, wenn man viel Sonne in die offene Blende bekommt. Der Effekt ist aber sehr gering und könnte auch hier mit einem ND-Filter vermutlich abgemildert werden.

Apropos Offenblende: Das Summilux-TL produziert dabei gelegentlich einen hauchfeinen magentafarbenen Rand um kontrastreiche Kanten (je nach Lichteinfall und Intensität). Das könnte ein klitzekleiner Farblängsfehler sein. Der Effekt ist nicht immer sichtbar und falls doch, ziehe ich im Lightroom die entsprechenden lila Farbregler zurück (natürlich dabei auch auf das Gesamtbild achten!). Ich will das nicht überbewerten, denn weitaus öfter ist mir auch nichts aufgefallen, somit handelt es sich hier nicht wirklich um ein praxisrelevantes Problem.

L1000072.jpgL1000073.jpgIch wollte sowohl den Glow-Effekt als auch den vermuteten Farblängsfehler an diesen beiden Bildern demonstrieren. Allerdings sind beide Effekte derart gering, dass sie selbst in einer 100%-Ansicht nach geringer Kompression und Upload bei Flickr nicht mehr wahrnehmbar sind.

Ansonsten kann man bei Offenblende nicht meckern. Die Schärfe ist da (wenn auch einen Hauch weicher als abgeblendet) und der Kontrast ebenfalls.

Verzeichnung ist quasi nicht existent. Selbst wenn man die RAWs ohne die automatisch angewandte Korrektur öffnet, muss man schon mit der Lupe hinschauen, um etwas zu erkennen.

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Ähnlich sieht es mit Vignettierung aus, die ist quer durch alle Blenden sehr niedrig. Da ich oftmals noch Vignette zu meinen Bildern hinzufüge, ist mir das Thema sowieso relativ egal. Allerdings muss ich hier eine Lanze für das Summilux-TL brechen: das Summilux-M hatte eine deutlich stärkere Vignettierung und wenn dann noch der obligatorische ND-Filter hinzukam, wurde es schon manchmal extrem. Auch hier ist das APS-C-Objektiv also im Vorteil, vermutlich auch, weil es im Vergleich einen kleineren Bildkreis ausleuchten muss.

Mein Resümee lautet also: entgegen des oben genannten Threads im Leicaforum, an dem ich selbst beteiligt war, halte ich die Leistung des Summilux-TL mittlwerweile für ausgezeichnet. Es ist über das gesamte Bildfeld scharf (bei Offenblende ein klein wenig weicher) und bietet gute Kontraste. Die Bildschärfe erreicht ihr Optimum bereits bei F2.8 und fällt dann wieder leicht ab – aber um ehrlich zu sein, kann ich auch bei F5.6 in der 100%-Ansicht noch keine Verschlechterung erkennen (auch wenn das rein technisch der Fall sein sollte).

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Das Bokeh, also die Qualität der Unschärfe, ist natürlich leica-typisch superb! Sehr weich und gleichmäßig, nie hektisch oder ablenkend. In dieser Hinsicht sind Leica-Objektive einfach das Beste, was man kaufen kann. Ein ähnlich schönes und weiches Bokeh habe ich bisher nirgendwo anders gefunden, auch nicht bei Fuji.

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Ist das Summilux-TL 35 nun also das APS-C-Äquivalent zum Summilux-M 50mm F1.4 Asph. FLE?

Fast. Man muss ehrlich sein und sagen, dass das M-Objektiv ein klein wenig mehr Leica-Magie bietet, weil es halt im Gegensatz zum Summilux-TL 35mm ein 50er ist und daher bei Offenblende eine schmalere Schärfeebene, also mehr Separation oder 3D-Pop (wie Steve Huff sagt), bietet. Das kann man dem 35er Summilux-TL – als APS-C-Optik – aber eigentlich nicht anlasten. Also sollte man den Vergleich vielleicht auch ganz lassen, denn wie heißt es doch so schön: „Der Vergleich ist jeden Glückes Tod!“

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Fazit

Das Summilux-TL 35 F1.4 ist definitiv ein echtes Leica-Objektiv, erkennbar an der guten Bildqualität auch schon bei Offenblende. Es bietet hohe Schärfe, hohen Kontrast, geringe Verzeichnung, hochwertiges Bokeh und insgesamt – auch farblich – einen schönen Bildcharakter. Es könnte ein wenig kleiner und leichter sein, dafür hat es aber einen leisen und schnellen Autofokus, der auf Grund seiner Natur (Kontrastautofokus) bei gleichmäßigen Flächen, Himmel oder auf unendlich manchmal etwas Geduld erfordert.

Die (immerhin) mitgelieferte Sonnenblende ist leider sehr voluminös, was bei dem eh schon großen Objektiv nicht ganz so schick ist. Darüberhinaus ist die Haptik einwandfrei. Das Summilux-TL wirkt stabil und hochwertig. Einen Blendenring gibt es allerdings nicht, die Blende wird über die Kamera gesteuert.

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Für mich persönlich stand zur Debatte, ob es ein Ersatz für die Kombi Leica M mit Summilux-M 50 sein kann. Ich denke, das ist nicht unbedingt der Fall. In der Charakteristik ist es einerseits eindeutig ein gecropptes 35er (wie sollte es auch anders sein), andererseits ist es für ein „Immerdrauf“ einfach zu groß und zu schwer. Bei TL oder CL wird diese Rolle eher vom 23mm F2.0 oder vom 18mm F2.8 übernommen.

Wer also ein Äquivalent zu einer M mit Summilux-M 50mm haben möchte, der muss auch eine M und ein Summilux-M 50mm kaufen. Diesen speziellen Bildeindruck wird man mit einem APS-C-Gerät nicht erhalten (mit dem Summilux-TL kommt man allerdings ziemlich nahe heran). Ich habe mich zwischenzeitlich damit abgefunden und nutze das Summilux-TL als das, was es eben ist: ein hochwertiges und nützliches Objektiv für besondere Momente, Portraits, Details und für das Spiel mit Schärfe und Unschärfe. Es verleiht den Bildern oft diese gewisse Prise „Leica-Magie“, die mir so wichtig ist. Ich nehme es sehr häufig und gerne an meiner CL mit und bin der Meinung, dass es sein Geld wert ist. Ich habe definitiv nie ein APS-C-Objektiv mit einer schöneren Bild- und Farbcharakteristik besessen.

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