Leica CL – RAW-Workflow mit Smartphone und Computer

Leica+CLZugegeben, der Titel ist etwas sperrig, es lies sich aber leider nicht eleganter ausdrücken. Bilder von einer Kamera auf ein Smartphone/Tablet zu übertragen und dort dann weiter zu bearbeiten, ist heutzutage sicherlich kein Geheimnis mehr. Im Einzelnen scheitert man aber dann doch wieder an dieser oder jener Hürde oder hat Schwierigkeiten dabei, einen wirklich kompletten RAW-Workflow zu etablieren – ohne, dass die Bilder unterwegs (auf dem Handy) in der Einbahnstraße JPG landen.

Ich selbst habe in den letzten Jahren das Smartphone im Urlaub dann genutzt, wenn ich Fotos schnell an Familienmitglieder oder Freunde versenden wollte. Die richtigen Bilder gab es dann später, während die Handybilder meist irgendwann gelöscht wurden. Ich fotografiere ausschließlich im RAW und die Nachbearbeitung der Bilder ist ein wesentlicher Bestandteil meines Hobbys. Um das zusätzliche Handy-Geknipse vermeiden zu können und einen durchgängigen RAW-Workflow zu etablieren, hätte ich folgende Dinge tun müssen:

  • RAW (DNG)-Bild auf Smartphone schicken
  • rudimentär bearbeiten
  • JPG-Variante des bearbeiteten Bildes per Whatsup versenden oder auf Facebook posten
  • Original (RAW) zu Hause auf den Rechner übertragen, perfektionieren und in die lokale Urlaubsbildersammlung einfügen

Ein großer Teil meiner Wünsche ging in Erfüllung, als das neue Lightroom CC auf den Markt kam. Damit kann man nämlich auf allen Endgeräten – auch Tablets und Smartphones – RAW-Bilder bearbeiten. Ein Problem blieb aber dennoch bestehen; Lightroom CC verwaltet die Bilder in einem eigenen Katalog in der Cloud. Ich verwalte meine Fotos hingegen mit Lightroom Classic zu Hause, hauptsächlich wegen der großen Datenmengen, die sich dort inzwischen angesammelt haben. Es war also wichtig, die im Urlaub schon anfänglich bearbeiteten Bilder am Ende des Tages in die lokale Datenbank zu Hause einzufügen – sprich, von Lightroom CC nach Lightroom Classic zu übertragen. Dieser Weg ist von Adobe nicht so richtig vorgesehen denn die Intention ist natürlich gänzlich andersrum – man soll seinen Classic-Katalog nach CC übertragen.

Auch am Anfang der Kette gab es noch kleinere Hürden, es ist nämlich gar nicht so einfach, RAW-Files von der Leica CL in die Smartphone-App zu bekommen. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Schauen wir uns einmal im Detail an, wie sich all diese Hürden aussehen und wie sie sich umgehen lassen.

Problem 1 – Wie bekomme ich die RAWs aufs Smartphone

Zunächst einmal muss man Smartphone-App (erhältlich für Android und iOS) und Leica CL miteinander verbinden. Befindet man sich im heimischen WLAN, sollte man dies auch nutzen. Dazu meldet man die CL einmalig im WLAN an (im Hauptmenü unter WLAN > Konfiguration). Nun muss die Kamera wissen, dass sie dem WLAN beitreten soll. Dies kann man unter WLAN > Verbindung einstellen. Hier sollte die Option WLAN beitreten aktiv sein. Ist das getan, geht man im Hauptmenü auf WLAN > Funktion > Mit App Verbinden. Gleich darauf startet man die App auf dem Smartphone. Nach einem kurzen Moment sollten sich alle Parteien miteinander verbunden haben.

Ist man unterwegs und es steht kein WLAN zur Verfügung, so kann man die Kamera ein eigenes WLAN aufspannen lassen, mit dem sich das Smartphone dann direkt verbindet. Das funktioniert also auch in der Wildnis oder auf einem anderen Mond/Planeten. Vorher muss man der Kamera grundsätzlich sagen, dass sie nun der WLAN-Macher sein soll. Dazu geht man auf den schon bekannten Menüpunkt WLAN > Verbindung und setzt dort die Option WLAN bereitstellen. Geht man nun auf die Option WLAN > Funktion > Mit App Verbinden, erstellt die Kamera das eigene WLAN und zeigt die dazugehörigen Daten an. Es wird sogar ein QR-Code angeboten, den man mit der App einfach abfotografieren kann, um die Daten (WLAN-Profil) schnell zu übernehmen. Natürlich ist nur die erstmalige Verbindung etwas umständlicher. Kennt das Smartphone das Kamera-WLAN einmal, verbindet es sich zukünftig mit diesem genauso unkompliziert, wie mit jedem anderen WLAN (entweder automatisch, oder indem man das Kamera-WLAN in den Optionen des Smartphones auswählt). Ist das Smartphone im Kamera-WLAN angekommen, kann man die App starten, die sich dann sofort verbindet.

Hat man diesen Schritt geschafft, wählt man die Bilder aus, die aufs Smartphone kopiert werden sollen. Dies geschieht nicht über die App-Schaltfläche Leica CL ALbum (da schaut man nur die bereits auf dem Smartphone befindlichen Bildern an), sondern über die Schaltfläche Fernbedienung Kamera und dann den oberen Reiter Wiedergabe. Nun öffnet es alle auf der Kamera befindlichen Bilder und es folgt die erste kleine Gemeinheit:

Man kann nämlich nur DNG-(also RAW)-Files auf das Smartphone übertragen, wenn das entsprechende Bild ausschließlich im RAW (DNG) vorliegt. Handelt es sich um ein JPG-Bild, wird natürlich nur ein JPG auf das Smartphone gesendet, arbeitet man aber im Modus RAW + JPG (fertigt die Kamera also von jedem Bild beide Versionen an), so wird trotzdem nur das JPG-Bild übertragen. Man kann in diesem Falle also nirgends auswählen, ob man RAW oder JPG übertragen möchte. Nur, wenn das Bild wirklich ausschließlich im RAW (DNG) vorliegt (erkennbar an dem kleinen DNG-Icon im Bild), wird es auch als solches übertragen. Um die Übertragung zu starten, wählt man das gewünschte Bild aus (es öffnet sich einzeln) und drückt dann das Herunterladen-Symbol (Rechteck mit Pfeil nach unten). Die Übertragung startet nun und nach kurzer Zeit hat man ein RAW (DNG)-File auf dem Handy oder Tablet. Damit wäre die erste Hürde gemeistert.

Problem 2 – Wie bearbeite ich die RAWs auf dem Smartphone

An dieser Stelle kommt Lightroom CC ins Spiel. Zwar gibt es auch eine kostenlose Photoshop-Light-App, mit der kann man das Bild aber nur einmalig bearbeiten und muss es dann als JPG speichern. Man kann also an dem RAW (DNG) nicht weiterarbeiten. Zudem hat die Photoshop-App einen recht begrenzten Funktionsumfang. Auch die Smartphone-eigenen Bilder-Apps erweisen sich zumeist als Einbahnstraße, spucken auch sie doch in der Regel am Ende JPG-Dateien aus.

Lightroom CC bietet mir da wesentlich mehr (sogar ein Histogramm) und es passt auch einfach grundsätzlich besser in meinen Workflow. Ich kann damit genau wie auf dem stationären Rechner arbeiten. Dazu gehört, dass das RAW (DNG) unangetastet bleibt (nicht-destruktiv) und nur die Änderungen gespeichert werden und dass ich mir zum Versenden und Teilen ein JPG für zwischendurch ausgeben lassen kann. Lightroom CC speichert das RAW (DNG) praktischerweise gleich in der Cloud – was ich zu Hause nicht brauche, kommt mir unterwegs sehr gelegen. Nutzt man diese Cloud immer nur temporär für einige Bilder, reicht die Standard-Kapazität zudem völlig aus und man muss keine teure Erweiterung kaufen.

Problem 3 – Wie arbeite ich zu Hause einfach weiter

Mein Zielbild für einen durchgängigen Workflow war, die unterwegs aus der Kamera in das Smartphone übertragenen, originalen RAW (DNG)-Dateien zu Hause zurück auf das stationäre System, also in meine Kataloge und auf meine Festplatten zu bringen und mit den anderen Bildern aus der Kamera wieder zusammenzuführen – nahtlos, mit allen Änderungen und weiterbearbeitbar.

Dazu können wir zu Hause sowohl unsere normale Lightroom Classic-Installation als auch das neue Lightroom CC nutzen. Lightroom CC ist bereits perfekt integriert, sobald wir es nach der Reise öffnen, erscheinen dank der Cloud automatisch alle Bilder, die wir unterwegs aufs Smartphone übertragen und bearbeitet hatten.

Viele halten aber aus verschiedenen guten Gründen am Lightroom Classic fest. Auch Lightroom Classic kann auf die Bilder in der Cloud zurückgreifen. Der Vorgang der Ersteinrichtung ist hier beschrieben. Grundsätzlich erfolgt die Synchronisation mit der Cloud in beide Richtungen über Sammlungen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Ordner Bilder/Lightroom/Mobile Downloads.Irdata/(Gerätename) in Lightrooms Ordnerbereich (in der linken Spalte über das Plus-Symbol) hinzuzufügen. Alle Bilder, die unterwegs in den Lightroom-CC-Katalog eingefügt werden, erscheinen automatisch in diesem Ordner und werden damit in Lightroom Classic importiert. Einmal importiert, können sie von dort dann natürlich auch in andere Ordner verschoben werden (um sie in die reguläre eigene Ordnerstruktur zu überführen). Dadurch, dass es sich beim Hinzufügen der Bilder um einen regulären Import handelt, bleiben sie auch dann im Lightroom Classic erhalten, wenn sie in der Cloud explizit gelöscht werden.

Alternativ kann man die Bilder aus Lightroom CC exportieren und danach in Lightroom Classic importieren. Das ist zwar eine „EDV-zu-Fuß-Methode“, ich möchte es hier aber dennoch erwähnen. Man wählt dazu in Lightroom CC die Bilder aus und klickt danach auf Datei > Speichern in… Im darauf folgenden Dialogfenster wählt man nun Original + Einstellungen und einen temporären Ordner für die Übertragung. Sind alle Bilder gespeichtert – und somit aus der Cloud auf die heimische Festplatte übertragen, kann man sie über den normalen Lightroom-Classic-Import-Dialog direkt in den lokalen Katalog einfügen, so wie man Bilder von einer Kamera importiert. Man erhält dabei die normalen RAW (DNG)-Dateien mit allen bereits gemachten Änderungen.

Zusammenfassung

Abschließend möchte ich den Workflow noch einmal komplett skizzieren. Wir haben einige besonders gelungene RAW (DNG)-Bilder auf das Smartphone kopiert, dort bereits mit Lightroom CC aufgehübscht und geteilt – das war unser erstes Ziel. Später haben wir diese Bilder zu Hause bequem wieder in den gewohnten Lightroom-CC/Classic-Ablauf einfließen lassen, mit allen bereits auf dem Smartphone gemachten Änderungen – unser zweites Ziel. Die Besonderheit dabei: wir haben durchgehend mit RAW-Dateien gearbeitet und mussten nirgends Sackgassen über JPG beschreiten, was für Leute, die ausschließlich im RAW arbeiten, sehr wertvoll sein kann.

Ein Hinweis: moderne Smartphones können auch mit größeren RAW-Bildern problemlos umgehen. Ich selbst nutze lediglich ein iPhone SE mit Lightroom CC und habe keine Probleme bei der Bildbearbeitung – davon abgesehen, dass man die Bilder auf dem kleinen Display natürlich nur schwer beurteilen kann.  Dazu kommt, dass Lightroom CC (bei aller Skepsis, die ich gegenüber dieser Software hege) auf dem Smartphone oder Tablet einen wirklich guten Funktionsumfang bietet – auf jeden Fall mehr als genug für eine erste, grobe Verbesserung der Bilder.

Ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen mit diesem Beitrag einige Impulse oder Ideen liefern. Es kann Sinn machen, sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die unsere heutige, vernetzte Technologie bei aller Komplexität bietet.

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