Leica CL – Umfassender Testbericht

Leica+CL_rightIm Oktober 2016 verkaufte ich meine geliebte Leica M, weil meine Augen zu viele Probleme mit dem Messsucher hatten. Das war eine Vernunftentscheidung und ich wußte, dass es unmöglich sein würde, einen in jeder Hinsicht gleichwertigen Ersatz zu finden (siehe diesen Artikel).

Seitdem ist über ein Jahr vergangen. Ich habe mir die Zeit mit der Fuji X-Pro2 vertrieben und mich gefragt, warum bei Leica niemand auf die Idee kam, so etwas wie die SL in klein zu bauen. Die TL2 ließ mich kurz aufhorchen, doch konnte ich mich weder zu einer Kamera ohne Sucher durchringen noch die sehr touchlastige Bedienung akzeptieren.

Als ich die CL-Ankündigung las, war mein erster Gedanke: „Endlich haben sie es hinbekommen, alle Puzzleteile zusammengefügt und das perfekte APS-C-Gerät gebaut!“. Die TL2 war so verdammt nahe dran… und für mich doch meilenweit daneben. Die CL hingegen – wahrscheinlich hat Leica die genau für mich konzipiert (einige meiner Blogleser sehen das genauso wie ich diversen Zuschriften entnehmen konnte).

Vorgeplänkel

Was ist die Leica CL? Sie ist im Grunde die Quintessenz aus allen (APS-C)-Geräten, die Leica in den letzten Jahren gebaut hat. Wie eine X mit Wechselobjektiv, verfeinert mit moderner Technik aus der TL2, im Charakter aber fast eine Mischung aus Q und M – nur eben ohne Vollformat. Naja, und eine Prise SL ist auch dabei. Herausgekommen ist aber kein hässlicher Frankenstein sondern ein stimmiges Gerät. Die technischen Daten lassen eigentlich keine Wünsche offen. Ganz besonders deutlich wird das auch in der Fachpresse, auf die ich sonst nicht viel gebe. Aber erstmals ist ein APS-C-Gerät von Leica durchweg sehr positiv aufgenommen worden und die meisten Tester vergaßen vor lauter Begeisterung sogar das Meckern über den Preis. Alle, die in letzter Zeit etwas still geworden waren (z.B. Steve Huff), sind plötzlich wieder voll des Lobes und ich bilde mir ein, selbst bei „bezahlten“ Bloggern zwischen den Zeilen herauslesen zu können, ob sie ein Gerät mögen oder nicht. Die CL wird definitiv gemocht.

Ich werde diesen Bericht im Kontext zur Fuji X-Pro2 schreiben, die bei mir nun von der Leica CL abgelöst wird. Ich möchte jedoch von vornherein klarstellen, dass das hier kein Fuji-Schlachtfest wird. Fuji-Fans werden mich hinterher nicht hassen und ich werde schön bei der Wahrheit bleiben; die X-Pro2 ist nämlich auch eine fabelhafte Kamera. Mich persönlich spricht die Leica aus diversen emotionalen und sachlichen Gründen mehr an – dazu gleich mehr. Fuji hat sich den Spitzenplatz im APS-C-Segment und in vielen Herzen in den letzten Jahren jedoch völlig zu Recht mit harter Arbeit verdient.

Trotzdem – und hier muss ich genauso ehrlich sein – bin ich bei Fuji nie ganz glücklich geworden. Die Gründe dafür liegen nicht nur im objektiven Bereich.

Ich mag das mittelständische Unternehmen Leica mit seiner beispiellosen Geschichte – über viele Höhen und Tiefen hinweg. Ich mag den Gedanken, dass mein Fotoapparat hier gebaut wurde, in einem Werk, dass ich sogar einmal besuchen könnte. Leica ist kein großer, gesichtsloser Konzern, der jeden Tag tausende Paletten mit Geräten vom Fließband wirft. Wenn man eine in Wetzlar gebaute Leica kauft, erwirbt man ein kleines Stück Firma und auch ein kleines Stück der dazugehörigen Historie. Ich weiss, dass das viele Menschen auf der Welt ebenso sehen und das macht uns alle zu einer kleinen globalen Gemeinde und wir alle teilen auf gewisse Weise eine kleine Macke.

Ich bin ein Mensch, der sich immer für Geschichte und für das Werden interessiert hat. Als solches spielen die historischen Fakten sehr wohl mit in mein Bauchgefühl hinein (andere mögen das gänzlich anders sehen) und vermischen sich darin zu einer großen, undefinierbaren „Leica-haben-wollen“-Masse. Alle Unternehmen versuchen immer, eine emotionale Brücke zu ihren Kunden zu schlagen um die Kundenbindung zu erhöhen. Diese emotionale Bindung ist dabei wichtiger, als alles andere. Selbst Features, Probleme oder gewisse Unzulänglichkeiten treten dahinter zurück und Leica hat dieses Kunststück (leider für mein Sparbuch) bei mir vollbracht. Dieses Gefühl, mit der Kamera rausgehen und etwas erschaffen zu wollen… das hat mir die Fuji einfach nicht gegeben und ich habe es wirklich versucht. Als ich vor kurzem die CL bestellte und meine Fuji-Ausrüstung verkaufte, fühlte ich fast so etwas wie Erleichterung oder auch das Gefühl, nach Hause zu kommen. Nach Hause zu dieser ganzen verkorksten Gemeinde von Spinnern, die 11.000 EUR für ein Objektiv ausgeben. Nach Hause zu den seltsamen Leuten, die sich im Leica-Forum die Taschen vollhauen, zur LFI, die mich abwechselnd nervt (mit hässlichen Fotostrecken) und begeistert (mit inspirierenden Fotostrecken) und zu all den Summiluxen und Elmariten – Worte die für nicht eingeweihte wie seltsame Namen von Zwergen und Elfen klingen.

Der ganze technische Kram tritt dahinter erstmal zurück. Denn natürlich war die X-Pro2 keine schlechtere Kamera als die CL. Um es auf den Punkt zu bringen, X-Pro2 und Leica CL sind einfach charakterlich und bezüglich der dahinterstehenden Philosophie grundverschieden. Beide Geräte sind auf ihre Art super und je nach persönlichen Präferenzen wird man sich mehr zu dem einen oder mehr zu dem anderen hingezogen fühlen.

Ich hatte das große Glück, schon kurz nach dem Release eine Leica CL zu ergattern (ein wenig Hals über Kopf, daher hatte ich auch Anfangs kein passendes Objektiv dafür), das Gerät ist mir also nicht von Leica zur Verfügung gestellt worden. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich immer noch ein unabhängiger und freier Reviewer bin, der sich die Geräte, über die er schreibt, selber kauft. Es stimmt, dass meine Berichte meist eher positiv sind (es gibt aber auch Ausnahmen!), das kommt daher, dass ich mich natürlich über Geräte, die ich auch selbst bezahlen muss, vorher gründlichst informiere. Ich kaufe weder eine Katze im Sack noch Artikel, von denen ich nicht hunderprozentig überzeugt bin. Deswegen spreche ich bei meinen Texten auch eher von Erfahrungsberichten als von Tests.

Bei der CL ist das nun erstmalig anders, denn die Kamera ist noch so neu, dass es kaum Berichte – erst recht keine Erfahrungen – dazu gibt. Ich habe also einen großen Vertrauensvorschuß in Leica investiert. Bisher bin  ich immer dazugekommen, wenn die Schnitzer in der Firmware ausgemerzt waren und der Zubehörmarkt reichlich Auswahl bot. Diesmal ist das anders und das führt nun unter anderem dazu, dass ich für den Anfang leider auf Halfcase und Daumenstütze verzichten muss.

unboxing_clHässliches iPhone-Bild von schönem Ereignis… Unboxing.

Unboxing

Die CL ist – mehr noch als TL oder TL2 – eine typische Leica. Sehr hochwertig, aber auch klein und niedlich (403 Gramm mit Akku). Nach Zahlen ist sie nicht so viel kleiner als die X-Pro2, in der Realität wirkt sie jedoch viel zierlicher. Der Bedienbarkeit tut dies keinen Abbruch, alle Tasten sind gut erreichbar und haben einen angenehmen Druckpunkt, auch die Räder sind mechanisch einwandfrei. Aber sie ist wirklich äußerst handlich, ein Huschel sozusagen.

cl_vs_iphoneUm zu demonstrieren, wie zierlich die CL ist, habe ich meiner empörten Tochter unter Einsatz meines Lebens das iPhone entrissen. Jetzt muss ich es schnell wieder zurückgeben, damit sie keine posttraumatische Belastungsstörung erleidet.

Sie sieht in natura auf jeden Fall besser als auf Produktfotos aus. Der etwas aufgesetzt wirkende Sucherbuckel fällt kaum ins Gewicht. Wie bei der Q schlägt das Design eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart. Es ist unzweifelhaft eine Leica, die Reminiszensen an die M und an  Barnacks Ur-Leica sind erkennbar. Gleichzeitig hat sie jedoch auch einen modernen, schicken und technologischen Character. Die Bedienelemente liegen gut in der Hand, jedoch: aufgrund der fehlenden Griffwulst vorn rechts muss man das kleine Schätzchen gut festhalten. Wie bei den X-Geräten, und im Grunde auch bei der M, ist ein entspanntes Halten (ohne Hilfsmittel) nur schwierig. Ich hoffe hier auf die Daumenstütze und das Halfcase, alternativ bietet Leica aber auch einen optionalen Griff mit Schlaufe an. All dies ist – während ich diese Zeilen schreibe – leider noch nicht lieferbar.

Übrigens: ein Handbuch ist heutzutage selbst bei Leica leider nicht mehr mit dabei. Man kann jedoch unter Angabe von Adresse und Seriennummer hier offiziell und kostenlos bestellen (nach unten scrollen) oder als PDF herunterladen (weiter oben).

Ich habe den Bestellvorgang ausprobiert und Leica hat mir innerhalb von zwei Tagen vollkommen unbürokratisch ein gedrucktes Handbuch zugesandt.

Technische Grundlagen und erste Eindrücke zum Handling

Schauen wir uns die Technik im Detail an. Herzstück der CL ist der bereits aus anderen Geräten (z.B. Leica M10) bekannte Maestro-II-Prozessor, der auf der Fujitsu Milbeaut-Serie basiert (die M240 besaß den Maestro der ersten Generation). Die Milbeaut-System besteht aus mehreren spezialisierten Prozessoren auf einem Chip und existiert in diversen Ausprägungen, z.B. auch für Smartphones. Interessant: auch der Nikon EXPEED, der Sigma True-II oder einige Pentax-Modelle basieren auf dem Milbeaut. Es handelt sich also um eine bewährte Plattform, die von Leica auf die eigenen Bedürfnisse optimiert (spezifiziert) wird.

Genauso wichtig ist der Bildsensor. Die CL ist eine APS-C-Kamera (beinhaltet also ein Crop-Sensor der um den Faktor 1,5 kleiner als ein Vollformat-Sensor ist). Das ist ein gewisser Kompromiss, der andererseits aber auch dafür sorgt, dass die Kamera so wunderbar klein und handlich ist. Die Auflösung liegt bei 24 Megapixeln (6016 x 4014 Pixel), das ist heutzutage üblich und meiner Meinung nach genau das richtige Maß zwischen Speicherbedarf, Qualität und Sinnhaftigkeit (bezogen auf die Größe des Sensors). Auf Grund der Eckdaten nehme ich an, dass es sich um den üblichen und sehr guten Standard-APS-C-Sensor von Sony handelt. Leica schweigt sich darüber jedoch aus und ich weiss es nicht. Es wäre aber eigentlich keine Schande dies zuzugeben,  denn dieser Sensor sorgt auch in anderen Spitzengeräten wie der X-Pro2 für hervorragende Leistung in punkto Rauschverhalten, Auflösung und Dynamik. Meiner Meinung nach zieht er sogar mit einigen Vollformat-Geräten gleich, die z.B. hinsichtlich der maximalen Auflösung teilweise durch Moire-Filter eingebremst werden. Hierzu verweise ich auf meinen Artikel zum Thema APS-C.

Die ISO-Reichweite gibt Leica bis 50.000 an. Ich persönlich habe bei bisher jeder Kamera eine persönliche Schmerzgrenze von ISO 6400 gefunden (auch bei den Sonys!), danach wird es meist hässlich. Wie weit ich bei der CL gehen kann, werden die ersten praktischen Tests weiter unten in diesem Bericht zeigen.

Der Autofokus arbeitet rein kontrastbasiert. Das hätte mich früher mit Grausen erfüllt, doch mittlerweile sind die Systeme schnell genug, um auch mit dieser Messmethode hinreichend zügig scharf zu stellen. Über die Präzision brauchen wir uns nicht auszulassen, die ist eh perfekt und Probleme wie Fokus-Shift oder Back/Frontfokus gibt es hier nicht mehr. Vereinfacht gesagt fährt das System einfach den stärksten Kontrast an. Ob die Kamera dabei schief und krumm ist und der Abstand Bajonett – Sensor – Optik sonstwie abweicht, scharf wird es so trotzdem immer. Irgendetwas einschicken und justieren muss man also nicht mehr.

cl_front_selbstFast schon Gotteslästerung: ein altes M44-Yashica (mein erstes TL-Objektiv war zu dem Zeitpunkt noch mit der Post unterwegs)

Der Verschluss ist angenehm leise, klingt aber trotzdem gut. Dezent mechanisch. Er erlaubt bis zu 1/8000 (sehr schön!) und wahlweise lässt sich auf einen elektronischen Verschluss wechseln, der wiederum 1/25000 ermöglicht. Auch das ist wunderbar (genau wie bei der X-Pro2), da ich so z.B. auch am hellen Tag mit Offenblende arbeiten kann ohne mit einem ND-Filter herumzuhampeln zu müssen.

Leica hat der CL einen wirklich fantastischen Sucher spendiert. Der sogenannte EyeRes-Sucher hat mit 2,36 MP zwar nicht die extreme Auflösung eines SL-Suchers, er ist aber trotzdem schnell, klar, hell, scharf und es ist bisher der einzige Sucher, den ich als Brillenträger problemlos überblicken kann (Vergrößerung: 0,74fach). Endlich!! In Sachen Elektronischer Sucher ist die CL somit klar besser als die Fuji X-Pro2 (die hat allerdings noch einen optischen Sucher, das ist eine ganz andere Geschichte). Leica hat außerdem bei einer entscheidenden Kleinigkeit mitgedacht: das Dioptrien-Korrekturrad lässt sich gegen unbeabsichtigtes Verstellen sichern (man muss es zum Verstellen herausziehen). Super! Wie oft habe ich mir diese Einstellung bei Fuji unbeabsichtigt an der Jacke verdreht und wenn es dann um die Wurst (ums Bild) ging, gab es erstmal ein dummes Gesicht. Ich liebe den Sucher der CL und nehme dafür auch gern in Kauf, dass er ein wenig zu groß für das Gehäuse zu sein scheint – ein, wie mir scheint, strittiger Punkt am Design der Kamera. Aber wie ich eingangs schon erwähnte, mich stört es nicht.

cl_back_selbstRückseite mit großem Sucher und leicatypisch wenigen Bedienelementen. Die Folie ist in Ermangelung eines Displayschutzes noch drauf.

Sehr schön ist auch die Tatsache, dass die Leica einen Akku verwendet, der dem günstigen Sigma BP-51 entspricht. Ich mißtraue den billigen No-Name-Ersatzakkus immer grundsätzlich, habe jedoch kein Problem, einen originalen Sigma-Akku als Ersatz für schmales Geld zu verwenden.

Wenn wir uns gerade beim Akkufach befinden – hier treffen wir auf einen der wenigen Kritikpunkte. Die CL hat keinen internen Speicher für Bilder (wie die TL2) und nur einen SD-Card-Slot. Der Dualslot der X-Pro2 war mir etwas lieber weil ich tatsächlich schon erlebt habe, dass sich eine SD-Karte verabschiedet hat. Bei der Leica ist da nun wieder zittern und regelmäßiges wechseln/kopieren angesagt. Man sollte auf keinen Fall einen kompletten Urlaub lang auf eine einzige SD-Karte vertrauen, das kann in die Hose gehen – ich spreche aus Erfahrung (dazu später mehr).

Das Menüsystem und die dazugehörigen (wenigen) Tasten erinnern mich an die M – was mir sehr lieb ist. Der Touchscreen hätte zwar auch das System der Leica T ermöglicht, mir ist die konventionellere Methode jedoch lieber. Touchscreen? Ja, die CL hat einen Touchscreen (3 Zoll, 1.04 MP) und obwohl die Bedienung eher auf Einstellrädern und einem Steuerkreuz basiert, fließt die Touchbedienung durch die üblichen Gesten (Bilder weiterwischen, vergrößern und verkleinern oder Schnellauswahlen) sinnvoll in das Gesamtkonzept ein. Ganz wichtig: als alter Leica-Onkel fühlt man sich hier sofort zu Hause. Wenig Bedienelemente (3 Tasten und ein Steuerkreuz), reduzierte und simple Menüs, einleuchtende Bedienung… das, wofür Apple mal stand, lebt Leica noch heute.

Obwohl… es gibt etwas, worüber ich ein wenig die Nase rümpfe. Mir persönlich wäre es nämlich lieber gewesen, man hätte wie bei der X oder anderen Leica-Geräten jeweils ein graviertes Rad für Verschlusszeit und Blende gehabt. Da sieht man auch im ausgeschalteten Zustand schön, wie die Kamera konfiguriert ist und kann diese Einstellungen stromlos anpassen. Beim nächsten Einschalten ist dann alles bereit. Wie früher.

Die Leica CL geht jedoch den Weg der TL2 und der SL. Die beiden Einstellräder sind multifunktional, damit unbeschriftet und nur im eingeschalteten Zustand zu bedienen (weil man nur dann im kleinen Display ablesen kann, welche Funktion und Einstellung sie gerade haben). Soweit so gut. Diese Tatsache hat aber noch eine ganz andere Konsequenz. Während sich nämlich aus fest vergebenen Einstellrädern die Prioritäten (Blendenpriorität, Zeitenpriorität, voll manuell oder Programmautomatik) quasi von selbst als Folge der Einstellung ergeben (jedes Rad kann ja auf einem Wert oder auf A wie Automatik stehen), muss man bei der CL die Betriebsart in Form der bekannten P-A-S-M-Modi auswählen und daraus ergibt sich dann eben die dafür jeweils gültige Belegung der Einstellräder. Wir nähern uns hier also ein wenig der DSLR-Welt an.

Leica+CL+with+Protector+blackIch werde den gewohnten Weg gehen und die Kamera immer in der Blendenpriorität stehen lassen (das habe ich mir mit der M240 so angewöhnt), d.h. ich gebe die Bildgestaltung mit der Blende vor und greife nur weitergehend ein, wenn ich mit der daraus resultierenden Verschlusszeit unzufrieden bin. Insofern ist alles gut und ich bin mit mir und der Kamera im Reinen, trotzdem hätte ich es noch ein ganz klein wenig mehr gemocht, wenn die Einstellräder funktional vorgegeben und graviert gewesen wären. Allerdings kann ich Leica verstehen – das System ist auf diese Art flexibler und eine feste Blendeneinteilung macht vielleicht wenig Sinn, wenn die vorhandenen Zoomobjektive variable Blendenöffnungen haben. Auf der X-Vario konnte es seinerzeit verwirrend sein, die Blende mit dem mechanischen Einstellrad auf 3,5 zu stellen und am langen Ende des Zooms dann trotzdem bei 6,4 zu landen. Somit ist die CL insgesamt konsequenter und schlüssiger ausgelegt und stellt eine Art Brücke zwischen der DSLR-Welt und der alten, mechanischen Welt dar.

Gleich nach dem Auspacken machte ich mit meinem Notobjektiv, einem alten M44er Yashica 50mm F1.7, einige voll manuelle Aufnahmen in der Wohnung und stellte fest, dass selbst manuelles fokussieren dank dem sehr guten Sucher und dem standardmäßig aktiven Fokuspeaking (scharfgestellte Kanten werden farblich hervorgehoben) leicht und angenehm von der Hand geht. Wesentlich besser als mit dem – nun schon älteren – Aufstecksucher der M240, der die Kontrastkanten für meinen Geschmack immer zu dezent markierte und selbst besser als bei der Fuji X-Pro2, deren elektronischer Sucher nicht ganz an den der CL herankommt. Das ist ein guter Anfang, denn so werden vielleicht doch noch einige ältere manuelle Objektive hin und wieder Verwendung finden!

Erste Fototour

So wie es das Wetter zuließ, habe ich zwei kleine erste Fototouren in meiner Heimatstadt Freiberg unternommen. Beim zweiten Ausflug wurde ich von wildem Schneetreiben überrascht und durfte gleich einmal unfreiwillig austesten, wie gut sich die Leica in feuchter Atmosphere so schlägt. Obwohl das Gerät nicht als wasserdicht oder spritzwassergeschützt deklariert ist, hat es diese erste Herausforderung schon einmal unbeschadet überstanden. In unseren Breiten, vor allem hier im Erzgebirge, keine ganz unwesentliche Erkenntnis.

Einige Tage später als die Kamera traf auch mein erstes TL-Objektiv hier ein. Da ich sehr oft weitwinklig unterwegs bin und für den Anfang einen guten Allrounder suchte, bestellte ich das TL 11-23 F3.5-4.5 (ca. 17-35mm in Kleinbild). Eigentlich wollte ich nie wieder ein Zoom verwenden, aber eigentlich wollte ich auch kein APS-C-Gerät. Bei Leica hatte ich allerdings genug Vertrauen in die Objektivbaukunst – nachdem ich ja schon die tolle Qualität des Leica-X-Vario-Objektives erleben durfte. Einen Testbericht zum 11-23er wird es gesondert geben, ich kann jedoch schon einmal vorausschicken, dass ich mit dem Kauf nichts falsch gemacht habe. Kommen wir aber zurück zur CL und meinen ersten praktischen Eindrücken.

Leica+CL_topDas obere Display (zwischen den Einstellrädern) ist praktisch aber derzeit für mich noch Stein des Anstoßes…

Beginnen wir mit einem großen Wunsch an Leica. Das obere Display (zwischen den Einstellrändern) ist ja wirklich schick und ersetzt mir gravierte, funktional fixierten Bedienelemente zumindest teilweise. Aber gerade in dem Moment, wo ich es am nötigsten brauche – nämlich beim Einschalten, wo ich rasch erkennen will, wie die Kamera eingestellt ist (Blende? Modus? Verschlusszeit?) zeigt das Display stolz einige Sekunden lang Leica CL. Ja, ich möchte das Gerät noch lange behalten und ja, vielleicht werde ich im Alter einst vergesslich – aber dann schreibe ich mir den Namen meiner Kamera auf die Hand oder das Halfcase. Zwar kann man diesen Demo-Modus durch Antippen des Auslösers abkürzen, aber irgendwie wäre es schon super, wenn man einfach sofort die reguläre Anzeige vor Augen hätte.

Aber das ist noch nicht alles. Wenn wir uns gerade mit dem Display auseinandersetzen; wenn ich mich z.B. im Modus A (Blendenpriorität) befinde, zeigt das Display am linken Einstellrad den aktuellen Blendenwert an (das sieht man auch gut im Bild weiter oben). Welchen Gedankengang impliziert das bei einem durchschnittlich gebildeten Mitteleuropäer? Das man mit dem linken Einstellrad die Blende bedienen kann! Tatsächlich ist es genau andersrum. Das ist ausgesprochen verwirrend und dazu kommt sogar noch, dass der Blendenwert in jedem Display auf der linken Seite steht. Leica hat hier von einem ergonomischen Standpunkt aus zwei Möglichkeiten: Entweder, es wird die Belegung der Einstellräder an die Beschriftung angepasst oder es wird die Beschriftung je Modus an die Belegung angepasst. Alles andere führt zu Verwirrung. Mein Vorschlag für einen Firmware-Patch: die Beschriftung im Display (links/rechts) je nach Modus so umstellen, dass die zu ändernden Werte neben dem dafür zuständigen Bedienelement stehen – die Anzeige im Display also flexibel gestalten. (Anmerkung: Dieses Problem wurde inzwischen mittels Firmware-Update elegant ausgeräumt, wie hier nachzulesen).

Darüberhinaus passt die Bedienung mit den beiden Einstellrädern gut. Auch die Doppelbelegung (eine zweite Funktionsebene wird durch Druck auf das Einstellrad aufgerufen) macht Sinn. Ich hätte hier auch eigene Belegungen des rechten Rades wählen können, beließ es aber beim Standard – der ISO-Einstellung. Sehr schön finde ich, dass man den aufgerufenen Wert nicht nur über das eigentliche Einstellrad sondern auch direkt am Touchscreen ändern kann. Dadurch wird dieser clever in das Bedienkonzept einbezogen.

Der Autofokus ist schnell, sicher und unauffällig. Selbst in dunklen Situationen fand er sein Ziel immer sehr zuverlässig, auch wenn es nicht viele Kontraste zum Scharfstellen gab. Sicherlich erreicht er nicht den Speed einer DSLR aber das ist in meinen Augen eh eine unsinnige Diskussion. Wie viele Menschen nehmen denn regelmäßig Fußballspiele oder Autorennen auf? Für den fotografischen Alltag ist er mehr als ausreichend. Ich selbst nutzte den Einzel-AF, es gibt aber auch einen kontinuierlichen Modus, in dem die Kamera ununterbrochen nachjustiert. Das kann z.B. bei spielenden/rennenden Kindern sinnvoll sein. Die Gesichtserkennung macht ebenfalls einen zuverlässigen Eindruck. Ein nützliches Gimmick ist das Festlegen des Fokus-Punktes über den Touchscreen. Gerade beim Arbeiten auf dem Stativ kann das Sinn machen.

Der elektronische Verschluss hat sich in Ausstellungen und Kirchen als sehr vorteilhaft (weil geräuschlos) erwiesen. Noch öfter werden ich ihn sicherlich im Sommer nutzen, ich denke da so an das 35er Summilux-TL mit Offenblende… vorbei ist die Zeit, in der man immer mit ND-Filter herumgewurstelt hat. Im Gegensatz zur TL2 kann man ihn bei der CL selbständig ein- oder ausschalten.

Leica+CL_rightDie von mir anfangs verwendete Kombi – Leica CL mit TL 11-23 F3.5-4.5

Den Videomodus habe ich bisher noch nicht ausprobiert. Er ist mit 30FPS bei 4K durchaus zeitgemäß und sicherlich hin und wieder eine sinnvolle Ergänzung, es fehlen jedoch Anschlussmöglichkeiten für externes Mikrofon, Monitor oder auch ein extra flaches Bildprofil für nachfolgende Farbkorrektur. Ich habe für mich schon lange festgestellt, dass es mir eh unmöglich ist, Filmen und Fotografieren zusammen hinzukriegen. Ich kann mich immer nur auf eins konzentrieren – die notwendigen Einstellungen und die Herangehensweise sind einfach in beiden Medien zu unterschiedlich. Wenn es denn Bewegtbild sein soll, nehme ich lieber eine GoPro an einem Gimbal mit…

Was mit ein wenig fehlt, ist eine optische Form von Bildstabilisierung. Das vermisste ich schon an der X-Pro2 (Fujis Festbrennweiten sind auch alle ohne Stabi). Ich kann verstehen, dass man in den Objektiven aus Platzgründen darauf verzichtet, aber ein beweglich gelagerter Sensor wäre das Nonplusultra gewesen und hätte auch gut zu den vielfältigen Adaptionsmöglichkeiten der Kamera gepasst, denn das kommt ja allen Optiken zugute. Ich habe einige Zeit mit dem ansonsten fabelhaften TL 11-23 in dunklen Ecken verbracht und auch wenn man die Kamera bis runter auf 1/60 oder zur Not bei Weitwinkel auch bis 1/30 stillhalten kann, wäre eine Stabilisierung an dieser Stelle toll gewesen. Theoretisch wären die stabilisierten SL-Objektive nutzbar (die Kamera unterstützt das), dann wird es aber wieder groß und schwer.

Leica+CLDie CL in Kombination mit dem neuen Elmarit-TL 18/2.8 – passt perfekt in die Jackentasche.

Generell gestaltet sich die Bedienung wie gewohnt unproblematisch und selbsterklärend. Das man die Bilder beim Betrachten mit den bekannten Wischgesten wechseln kann, ist heutzutage eh ein Muss. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich bei der X-Pro2 erfolglos aus einem Reflex heraus auf dem Display herumgewischt habe, weil man es mittlerweile von den Smartphones so extrem gewöhnt ist. Ich muss zugeben, dass die Gestensteuerung nicht ganz so flüssig an den Fingern hängt wie beim iPhone, vor allem beim Zoomen (Bild mit den Fingern auf- und zuziehen). Dafür nehme ich dann das Einstellrad (damit geht es sowieso präziser). Dennoch – ich muss es erneut betonen – ist der Touchscreen in meinen Augen sehr sinnvoll in das Bedienkonzept integriert. Im Grunde so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Eine sinnvolle Balance aus mechanischen Elementen und touch.

Wenn man im Allgemeinen sieht, wie schnell und effizient eine Kamera auch mit so wenig Bedienelementen steuerbar ist, wundert man sich immer wieder, wieso alle Welt nach mehr Tasten schreit… Wenn ich die Fuji gegenüberstelle fällt zunächst auf, dass ich dort oft nur einen Bruchteil der Bedienelemente tatsächlich genutzt habe (man gewöhnt sich ja im Lauf der Zeit einen gewisse Arbeitsweise an). Wenn ich jedoch einmal mehr nutzen wollte, z.B. die vielfältige Wandlungsfähigkeit des optisch/elektronischen Suchers, musste ich immer wieder kurz überlegen. Diesen Sucher steuert man nämlich bei der X-Pro2 über einen Mehrzweckschalter (zum drücken oder nach links/rechts ziehen) um zwischen optisch, optisch mit kleinem elektronischen Bild, nur elektronischem Bild, Vergrößerungsstufen (optisch oder elektronisch) usw. durchzuschalten. Ich schaffte es immer, den Hebel erstmal in die falsche Richtung zu schieben, wenn Hektik war. Wie ich schon oft erwähnte – ich bin ein Gelegenheitsfotograf und meist mit Familie unterwegs. Es muss immer möglichst schnell gehen, jeder kennt die Gesichter der Verwandschaft, wenn man die Kamera mal wieder stundenlang einstellt um ein Bild zu machen. Vollautomatisch zu arbeiten lehne ich allerdings ab und so brauche ich immer ein Gerät, das mir möglichst viel Kontrolle mit möglichst wenig Gewurstel gibt. Auch wenn ich die Fuji sehr geschätzt habe, liegt mir die Leica an dieser Stelle einfach mehr – und das, obwohl die CL ja schon ein Stück von der von mir präferierten Bedienung mittels Zeitenrad und Blendenring abweicht.

Grundsätzlich ist so etwas eine Frage der Philosophie und des Geschmacks. Viele mögen die Featuritis weil sie dann den Eindruck haben, mehr für ihr Geld zu bekommen. Ich bin da eher minimalistisch angehaucht. Wo nichts ist, kann man nichts verstellen und es entstehen keine Fragezeichen. Das hat auch nichts damit zu tun, dass man fehlende Features schönreden will. Intelligentes weglassen ist eine Kunst und kann – wenn es richtig gemacht wird – Komfort und Effizienz deutlich erhöhen!

Leica+CL_backErgonomie durch wenige, dafür jedoch sinnvolle Bedienelemente. Drei Tasten und ein Kreuzschalter.

Bildqualität

Bevor wir mit diesem Thema beginnen, muss ich einmal kurz etwas zum leidigen Thema JPG vs RAW loswerden. Immer wieder stoße ich auf Berichte und Tests (zuletzt erst wieder bei der Leica CL), wo Kameras, ihre Sensoren, Dynamik und Rauschverhalten auf Grund von JPG-Bildern beurteilt werden. Das ist meiner Meinung nach grob unsinnig. Warum? Weil es nichts aussagt.

Vielleicht mal ein Beispiel dazu. Stellen wir uns vor, wir wollen zwei Sportwagen vergleichen. Dafür suchen wir uns eine Landstraße aus, auf der wir nur 100 km/h fahren dürfen und lassen ASR, ESP und ABS eingeschaltet. Anstatt der Schaltwippen nutzen wir die Automatik. Wenn wir die beiden Autos nun fahren, werden wir feststellen, dass die Wagen bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h mehr oder weniger sicher und komfortabel sind und sich ansonsten irgendwie ähnlich anfühlen.

Was müssen wir also tun, wenn wir einen wirklichen Vergleich wollen? Richtig, ASR/ESP/ABS ausschalten, die Gangwechsel mittels Schaltwippen selbst auslösen und auf den Nürburgring gehen. Grenzbereiche ausloten, die Autos kennenlernen. Das wäre bei der Kamera das Äquivalent für RAW.

Vor kurzem flammte im (Leica?)-Forum die Diskussion (ich finde sie leider nicht mehr) auf, ob RAW nicht mittlerweile überholt wäre, weil JPG immer besser würde? Zu meinem Entsetzen gab es eine Menge Leute, die noch kräftig in dieses Horn hineinbliesen. Diese Diskussion ist hochgradig überflüssig – schlimmer noch, sie ist komplett am Thema vorbei, weil es zwischen JPG und RAW gar keinen direkten Vergleich geben kann. Das Eine ist ein von der Kameraelektronik interpretiertes, komprimiertes, fertiges Bild. Das Andere sind Sensordaten, die vom Fotografen erst noch zu einem Bild entwickelt werden müssen – also die Vorstufe zu einem Bild. Die Datenmenge in diesem RAW-Container ist um ein vielfaches höher, z.B. kann sie bis zu 14 Blendenstufen an Dynamik erlauben (je nach Kamera und Sensor), der Weißabgleich ist nicht festgelegt – kurz, RAW bietet ganz andere Möglichkeiten. Natürlich kann man JPG aus verschiedenen Gründen nutzen und das kann Sinn machen, aber es besteht kein logischer Grund, deswegen RAW für überflüssig zu erklären. Noch schlimmer, es wird behauptet, RAW-Fotografen sind nur zu ungeschickt, ein Bild richtig zu belichten – deswegen brauchen sie den hohen Spielraum des Formates, um ihre Bilder zu retten. Mit Verlaub, noch dümmer geht es nicht. Wenn ich auf diesem Niveau der Argumentation einmal angekommen bin, kann ich auch behaupten, ein Rennfahrer fährt ohne ABS und ASR, weil er zu blöd ist, diese Systeme korrekt zu bedienen. Oder ein Maler malt deshalb seine Bilder, weil er zu blöd ist, ein ordentliches Foto zu machen… der Leser merkt es schon, man kann jede noch so abstruse Behauptung immer mit irgendeinem abstrusen Scheinargument untermauern.

Da passt dann auch ein weiterer Thread gut dazu: „Was kann die CL, was nicht jedes iPhone kann„. Nun, wenn man der Meinung ist, RAW wäre überflüssig, dann kann die CL tatsächlich nicht viel mehr als ein iPhone. Insofern zeigt sich auch im Irrsinn eine gewisse Folgerichtigkeit.

Aber da war doch noch etwas… genau, wir wollten uns über die Bildqualität der Leica CL unterhalten – und zwar über das, was im RAW-Format hinten rauskommt!

L1010202.jpg

Was sofort auffällt: der 24-Megapixel-APS-C-Sensor der CL ist absolut zeitgemäß und auf dem Stand der Technik. Ich habe mit der X-Pro2 in der RAW-Bearbeitung sehr viel Erfahrung gesammelt und mich wirklich ausführlich damit auseinandergesetzt, auch mit den Besonderheiten des X-Trans-Sensors* (siehe den Abschnitt ganz am Ende). Ich kenne die Grenzbereiche relativ genau und kann einschätzen, was hinsichtlich der Dynamik machbar ist und was nicht. Worauf ich hinauswill?

Der Leica-CL-Sensor kommt mir so extrem bekannt vor… klar hat Leica andere Farben und zeigt ein klein wenig mehr Rauschen (Fuji bügelt etwas stärker glatt, auch schon im RAW). Nimmt man jedoch nur die Dynamik, die reine ISO-Leistung und fängt man an, die Files im Lightroom so richtig zu verbiegen, hat man sofort den Eindruck, an einer X-Pro2-Datei zu sitzen.

Nehmen wir beispielsweise einmal dieses Bild aus dem St. Marien-Dom in Freiberg. Es ist mit nur ISO320 vollkommen unterbelichtet (kurz vorm Ausbrennen der Fenster) mit F3.5 und 1/30 aus der Hand aufgenommen worden. Die elektronische Wasserwage war dabei unerlässlich.

L1000085

Hier sehen wir ein ähnliches Beispiel mit der X-Pro2 bei ISO200 (Basis ISO) und F1.4 – ebenfalls völlig unterbelichtet.

_DSF6299

Bei beiden Bildern habe ich eine faktisch identische Nachbearbeitung durchgeführt (die Fenster geschützt und ansonsten die Belichtung sportlich hochgezogen) und die Files haben sich bis hin zu den Endergebnissen fast angefühlt, als kämen sie aus der gleichen Kamera. Wohl gemerkt: ich spreche hier nur über das Thema ISO und Dynamik! Die Leica rauscht ein klein wenig mehr weil sie einfach etwas ehrlicher ist und außerdem etwas mehr ISO-Verstärkung hatte. Bei der X-Pro2 sieht man im Fenster noch den blauen Himmel, weil das Wetter besser war – das hat also nichts mit der Kamera zu tun. Im Gegenteil, die CL hatte es dort noch ein wenig schwerer, weil der Himmel komplett weiss bedeckt war (Fotografie-Hassobjekt Nr. 1: konturloser Milchhimmel).

_DSF6299Hier das Fuji-X-Pro2-Ergebnis nach der Bearbeitung…

L1000085…und hier das fertige Ergebnis mit der Leica CL. Im Bereich der Fenster nicht ganz sauber ausgearbeitet, aber mir ging es ums Prinzip.

Warum erzähle ich das alles? Weil es zeigt, dass die CL sensormäßig ganz weit vorn mitspielt. Hier übertrumpft sie ältere Vollformatgeräte wie die M240 oder diverse Canons doch recht deutlich und dringt in ähnlich spektakuläre Sphären wie beispielsweise meine Nikon D600 vor.

Mindestens genauso wichtig wie Dynamik und Auflösung sind Farben und Bildcharakteristik. Dazu muss ich noch weiter ausholen und mit der M240 anfangen. Die M240 hatte einen ganz eigenen Charakter (wie eigentlich alle Leicas). Ich habe oft geflucht und mit diversen eingebildeten oder echten Farbstichen zu kämpfen gehabt, doch Bilder aus der M konnten auch eine ganz bestimmte Magie entwickeln. Ich habe das für mich als Zusammenspiel von Sensor, Software und Optik definiert. Da spielte alles rein, Schärfe-Unschärfe-Verlauf, organische und weiche Bildanmutung, perfekte Hauttöne, meist ein angenehm warmer Bildcharakter. In der Natur kam das oft nicht so zum Tragen, aber im urbanen Umfeld und bei Mischlicht, in der Dämmerung oder im Morgengrauen – da erwachte die M zum Leben.

Freiberg - Terra Mineralia

Die Fuji-X-Pro2 kam für meinen Geschmack nie ganz an die Leica ran. Sie hatte auch einen eigenen Charakter und gab die Farben sehr präzise und eher kühl wieder. Sie lieferte wirklich immer gut ab und es gab nie Grund zum Klagen aber mir fehlte der Charakter, die Wärme im Bild und das weiche, organische. Die Fuji-Bilder waren immer extrem scharf, klinisch, hart und direkt. Hinzu kamen die X-Trans-spezifischen Probleme* wie sogenannte Würmchen-Artefakte oder mangelnde Farbdifferenzierung bei sehr kleinen Details (im Laufe der Zeit bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass X-Trans mittlerweile eine technologische Sackgasse ist, die mehr Probleme als Vorteile bringt und Fuji nur aus Marketing- und gesichtswahrenden Gründen davon nicht abgeht). Die X-Pro2 hat mir sehr viele schöne Bilder und wertvolle Erinnerungen geschenkt, aber der absolute Wow-Effekt, den ich bei Leica-Aufnahmen immer mal wieder hatte – der blieb für mich aus. Daher nagte es auch in mir und das führte mich letztendlich zur CL.

Als ich die ersten Aufnahmen sichtete, brauchte ich nur einen Augenblick um festzustellen, dass Leica diesen speziellen Charakter auch in der CL bewahrt hat und weiterführt. Ich fühlte mich sofort wieder zu Hause. Erinnerungen an die M240 wurden wach, nur mit dem Unterschied, dass die CL-Dateien im Lightroom wesentlich flexibler und verzeihender sind. Zu meiner Überaschung war selbst ISO6400 noch gut nutzbar, generell hat Leica das Rauschen gut unter Kontrolle. Wenn es denn sichtbar wird, wirkt es sehr analog. Weiter unten werde ich dazu auch eine ISO-Reihe präsentieren.

Freiberg - Schacht Alte Elisabeth

Den besten Beweis, dass Leica mit den Farben irgendetwas besser macht, lieferte meine eigene (fotografisch völlig unbewanderte) Frau. Sie war aus diversen Gründen nicht begeistert, als ich die Fuji wieder verkaufte und zu Leica zurückging, sie war der CL gegenüber also sogar negativ eingestellt. Trotzdem bemerkte sie beim ersten Betrachten der CL-Bilder sofort, dass ihr die Farben „der neuen“ mehr zusagen, einfach interessanter wirken. Dieser Kommentar kam völlig spontan und unaufgefordert. Ich fiel vor Staunen bald aus dem Sessel – aber im Endeffekt bestätigte es mich in meiner Entscheidung und in dem Eindruck, den ich auch selbst beim Bearbeiten der RAWs gewonnen hatte.

Menüsystem und Einstellungen im Detail

Das Menü ist für Leica-Verhältnisse wohl als recht umfangreich einzustufen. Kommt man jedoch beispielsweise von Sony oder auch von Fuji, sieht man das gänzlich anders. Die Zeiten eines Leica M9-Sparmenüs sind endgültig vorbei, dafür sorgen schon allein Autofokus und Videomode. Trotzdem sind für mich alle Punkte selbsterklärend und die nach wie vor gut geschriebene Anleitung muss kaum konsultiert werden.

Ein Druck auf die Menü-Taste (auf der Rückseite der Kamera) führt uns in das Favoriten-Menü, in welchem man sich seine eigenen Menüpunkte zusammenstellen kann. Ein weiterer Druck auf die Menü-Taste führt uns dann in das eigentliche Hauptmenü.

Dieses Hauptmenü unterteilt sich in 5 Seiten mit jeweils 8 Menüpunkten pro Seite. Man bewegt sich mittels Steuerrad oder mit Hilfe des rechten Einstellrades. Der Touchscreen kann hier nicht zum scrollen oder auswählen genutzt werden.

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Optisch ähnelt das Menü dem in anderen modernen Leica-Geräten, ausgenommen T, TL und TL2, die ein touchbasiertes System anbieten. Eine recht praktische Touch-Funktion ist mir aber auch bei der CL aufgefallen: sollte die Kamera in den Stromsparmodus Stufe 1 wechseln (alle Anzeigen automatisch aus), kann man sie simpel und schnell durch berühren des Bildschirmes wieder erwecken.

Seite 1 des Menüs beschäftigt sich grob mit den bildrelevanten Einstellungen wie Autofokus, Belichtungsmessung, ISO und Weißabgleich. Dabei wird der Nutzer nicht mit einer kryptisch abgekürzten Funktionsflut erschlagen sondern man beschränkt sich auf eine überschaubare Anzahl sinnvoller Einstellungen. Der Autofokus arbeitet beispielsweise einmalig oder kontinuierlich, dabei hat man die Wahl zwischen Mehrfeld, einzelnem Feld, Spot, Verfolgung oder Gesichtserkennung. Auch Touch-AF (wahlweise mit Auslösung) wird angeboten. Alle Möglichkeiten sind klar benannt und eindeutig verständlich. Möchte man manuell fokussieren, kann man eine automatische Vergrößerung einschalten (geschieht wahlweise automatisch, sobald man an der Entfernungseinstellung dreht) und die Farbe des Fokus Peakings bestimmen (Markierung der scharfen Bildbereiche). Man kann den Fokus-Bereich übrigens bequem mit dem Tastenkreuz verschieben, das geht genauso komfortabel wie mit dem kleinen Joystick einiger Fujis.

Die Belichtungsmessung kennt Spot, Mittenbetont (wie bei der M) und Mehrfeld. Ich habe mit letzterem sehr gute Erfahrungen gemacht, obwohl die Kamera manchmal etwas reichlich belichtet. Ich drehe die Belichtungskorrektur oft ein wenig zurück, denn der Sensor bietet enormen Spielraum zum aufhellen dunkler Bereiche – da muss man nicht riskieren, die Lichter oder gar den Himmel zu verbrennen.

Die Automatische ISO-Einstellung bietet wie immer die Möglichkeit, einen maximalen ISO-Wert (bei mir 6400) festzulegen als auch die maximale Belichtungszeit – entweder fest (z.B. 1/60) oder dynamisch (z.B. 1/3f).

Die Weißabgleichseinstellung schließlich erlaubt neben der Auswahl üblicher Szenen auch die Eingabe einer Farbtemperatur in 500-Kelvin-Schritten.

Die Seiten 2-5 beschäftigen sich mit eher technischen Einstellungen. So finden wir auf Seite 2 unter anderem Dateiformat, JPG-Auflösung, Film-Look (sicherlich nicht so ausgefeilt wie bei Fuji, aber S/W Hoher Kontrast ist auch nicht übel), Szeneprogramme (so etwas ignoriere ich aus Prinzip) und Blitzeinstellungen.

Herausheben möchte ich die Einstellungen für den elektronischen Verschluss. Man kann ihn explizit an- oder ausschalten. Im Modus Erweitert kommt er automatisch ins Spiel, sobald die Situation es erfordert. Praktisch.

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Der Menüpunkt Display erlaubt auszuwählen, ob Bildschirm / EVF die gewählte Belichtung auch im manuellen Modus simulieren sollen (Belichtungssimulation) oder ob man stattdessen ein optimiertes Bild für bessere Motiverkennung wünscht. Ich finde es in jedem Falle hilfreicher, die Belichtungssimulation zu wählen.

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Auf Seite 3 finden wir die Einstellung zum Benutzerprofil und einige wenige aber sinnvolle Video-Optionen. Interessant ist hier sicher die Auflösung. Es werden 4k/30FPS, 1080P/60FPS, 1080P/30FPS und HD/30FPS (vermutlich 720P) geboten. Auch den Videolook kann man einstellen und im Detail sogar anpassen. So kann man sich zumindest rudimentär ein kontrastarmes und flaches Bild zurechtbasteln, falls man in der Postproduktion mehr Spielraum benötigt.

Es folgen Displayeinstellungen, Aufnahmeassistenten (Gitter, Live-Histogramm, Horizont und eine blinkende Clipping-Anzeige – also durchaus wertvolle Orientierungshilfen) und die Bildwiedergabe. Beim Thema Bildwiedergabe vermisse ich nach wie vor eine fantastische Funktion, die es an der M240 gibt und die ich bei keiner anderen Kamera jemals gefunden habe. Dort konnte man sich nämlich das gerade gemachte Bild sofort noch einmal anzeigen lassen, wenn man den Finger nach dem Auslösen auf dem Auslöser ließ … und zwar so lange, bis man ihn wegnahm. Das war super, weil ich so bei Bedarf einfach kurz oder lang einen Blick auf das Bild werfen konnte ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen oder eine weitere Taste zu benötigen. Es wäre ein Traum, wenn diese kleine, sinnvolle Funktion nachträglich ihren Weg über ein Firmware-Update in die CL finden würde.

Bei den Displayeinstellungen gibt es einen erweiterten Modus, in dem nur der elektronische Sucher das Live-Bild wiedergibt, das hintere Display dagegen ausschließlich für Menü und Bild-Review zur Verfügung steht. Damit verhält sich die CL ein wenig wie eine DSLR und wird wahrscheinlich auch etwas weniger Energie verbrauchen. Dieser Modus scheint bei CL-Fotografen beliebt zu sein. Für mich ist das keine Option, da ich Bilder auch gern einmal von einem höheren oder niedrigeren Standpunkt aus mache und dabei dann das hintere Display für die Komposition benötige.

Seite 4 ist den eher technisch/organisatorischen Dingen vorbehalten. Dazu gehören die Tastenbelegungen (für die FN-Taste und das rechte Einstellrad), WLAN (zur App kommen wir gleich), Energiespareinstellungen, diverse Töne und Details für den Wiedergabemodus (Clipping und Histogramm – zwei durchaus nützliche Optionen die ich als groben Anhaltspunkt gern nutze).
Seite 5 schließlich beinhaltet die üblichen Verdächtigen wie das Zurücksetzen der Kamera, Karte formatieren, Sprache und Datum/Zeit.

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Am gesamten Menü fällt mir ein einziger Kritikpunkt auf: je nach Betriebs- oder Szenemodus der Kamera werden verschiedene Punkte ausgegraut angezeigt und sind damit nicht verstellbar. Das kann für Konfusion sorgen und sollte zugunsten der Durchgängigkeit der Bedienung vermieden werden. Die an der Kamera vorgenommenen Einstellungen sollten nicht den Menüumfang vorgeben – es muss eigentlich genau anders herum sein. Wenn der Nutzer in das Menü geht um dort explizit etwas zu ändern, ist davon auszugehen, dass er das auch wirklich will. Im Zweifel sollte das dann andere, eventuell vorher an der Kamera getätigte Einstellungen aushebeln.

Darüberhinaus wirkt das Menüsystem logisch, übersichtlich und verständlich. Kein einziger Menüpunkt fällt durch dämliche Abkürzungen auf, Rätselraten kann unterbleiben. Zwar war auch das Menü in der X-Pro2 nicht wirklich schlecht, aber die CL ist schon noch ein ganzes Stück schlanker unterwegs, ähnlich wie meine alte M240, mit ein paar Zugaben.

Eine dieser Zugaben ist die WLAN-Funktionalität (und die App) – eine Sache, der ich eigentlich immer etwas skeptisch gegenüberstehe.

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WLAN und App

Zunächst einmal gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, mit der Kamera zu kommunizieren. Zum Einen kann die CL ein eigenes WLAN aufspannen, somit kann man z.B. eine direkte Verbindung mit einem Smartphone herstellen.

Zu Hause sollte man die CL hingegen einfach in das eigene WLAN „hereinlassen“. Sofern sich das Smartphone im gleichen Netzwerk befindet, können beide Geräte auf diesem Wege unkompliziert miteinander in Verbindung treten.

Um die Leica-CL-App nutzen zu können, benötigt man ein Android-Gerät oder ein iPhone. Ich selbst habe es mit meinem iPhone ausprobiert und kann berichten, dass das Herstellen der Verbindung stets unverzüglich und problemlos geklappt hat.

Die App selbst ist schick und selbsterklärend. Man kann die CL damit fernsteuern, durch die Bilder browsen und/oder diese auf das Smartphone kopieren – wohlgemerkt im JPG- als auch im RAW-Format.

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Für mich sehr interessant ist die Möglichkeit, die Kamera im Server-Modus laufen zu lassen. Wenn sie nämlich so mit dem WLAN verbunden wurde, kann man über einen beliebigen normalen Browser durch Eingabe einer URL auf die Bilder in der Kamera zugreifen. Diese Funktion würde ich gern als kleinen Ersatz für die nichtvorhandene USB-Buchse nutzen, dummerweise kann man aber nur auf die JPG-Bilder zugreifen, nicht auf die RAWs – obwohl es gerade hier Sinn machen würde. Andererseits… die SD-Karte ist auch sehr schnell über ein USB-3-Lesegerät auf den Rechner kopiert ohne dass die Kamera dazu angeschaltet sein muss und den Akku verbraucht. Im Gegenteil, der kann in dieser Zeit schon wieder laden. Somit ist der Zugriff über den Browser zwar ein nice-to-have, aber vielleicht doch nicht so praktikabel.

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Zum Ausgleich dafür, dass das Gerät nur Platz für eine Steckkarte bietet, gibt es den sogenannten Backup-Modus. Er soll dafür sorgen, dass sich die Kamera permanent mit dem Smartphone verbindet und jedes (JPG-)Foto als Backup zusätzlich dorthin schickt. Ich sage es einmal so: würden wir in einer perfekten Welt leben wo eine durchschnittliche Laufzeit des Akkus 5 Tage betrüge, hätte ich das bestimmt permanent angeschaltet, schon allein um schnell mal ein Foto zu posten oder zu verschicken. Ich vermute jedoch, dass der ohnehin schon sehr geforderte Akku so noch viel mehr belastet wird und man dann noch auf 100 Bilder pro Ladung kommt… daher werde ich dieses Feature wohl eher nicht nutzen – behalte mir jedoch einen Test und eine eventuelle Revision meiner Aussage ausdrücklich vor.

ISO-Reihe

Damit kommen wir nun zur bereits angekündigten ISO-Reihe. Ich habe die Bilder voll manuell (im RAW-Format) aufgenommen und im Lightroom hinterher alle relevanten Einstellungen (z.B. Farbrauschen, Schärfen) auf 0 gesetzt. Der hier gezeigte Bildausschnitt entspricht einer 1:1-Vergrößerung, die Bilder sind völlig unbearbeitet. Möchte man jeweils das volle Bild sehen, kann man den Bildausschnitt anklicken. Auch ein Download ist dann möglich.

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CL_ISO_200-vollISO 200

CL_ISO_400-vollISO 400

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Für mich persönlich sind die Aufnahmen bis ISO 6.400 problemlos nutzbar. Darüberhinaus gelingt es sogar noch bei ISO 50.000, das Farbrauschen mit Lightroom ganz gut in den Griff zu bekommen. Verwenden würde ich solche Bilder trotzdem nicht mehr, für den Notfall mag es aber Sinn machen.

Insgesamt greift die Kamera-Elektronik beim RAW hinsichtlich Rauschen etwas weniger ein als bei Fuji oder Sony üblich. Dadurch bleibt die Bildschärfe aber auch höher und es werden nicht so viele Details ausgebügelt. Wieviel Inhalt ich dann dem entrauschen opfern möchte, kann ich somit im Lightroom selbständig entscheiden – insbesondere bei S/W-Aufnahmen würde ich hier wahrscheinlich gar nicht eingreifen und lieber vom höheren Schärfe- und Detaileindruck profitieren.

Mein Umgang mit den RAW-Files, Unterschiede zu Vollformat, Tipps

Vergleicht man die RAW-Files mit denen einer Nikon D600 (Vollformat), so fällt lediglich auf, dass das ISO-Rauschen bei APS-C naturgemäß etwas eher einsetzt. Die CL rauscht etwas mehr als andere Geräte dieser Klasse, weil die Elektronik sanfter eingreift, zeigt dadurch aber auch mehr Details und Auflösung. Die Kamera überlässt sozusagen mir, inwieweit ich später Feindetails der Entrauschung opfern möchte. Ich halte diesen Ansatz für begrüßenswert.

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Theoretisch fällt auch die darstellbare Dynamik (hier im Speziellen die Möglichkeit, unter- oder überbelichtete Bildbereiche zu retten) etwas hinter die topaktuellen Vollformat-Geräten zurück, in der Praxis war das für mich jedoch nahezu irrelevant da der Unterschied erst zum Tragen kommt, wenn man sich eh schon in einem surrealen HDR-Look befindet. Durch noch extremeres Verbiegen gewinnen die Bilder dann nichts mehr. Ob nun 15 Dynamikstufen oder „nur“ 14 – der gute Geschmack gebietet meist schon vorher Einhalt.

Arbeitet man insbesondere mit den etwas lichtschwächeren TL-Zooms (Varios), gibt es in dunkleren Szenen bei der RAW-Fotografie einige Kniffe. Man kann sich nämlich in solchen Fällen den fantastischen Sensor zunutze machen und trotzdem sehr gute Ergebnisse erziehlen.

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Wenn ich bei halbdunklen Szenen (Dämmerung) aus der Hand fotografieren muss, nutze ich z.B. so lange wie möglich sehr niedrige ISO-Werte (ideal ist ISO100-400) und wähle die Belichtungszeit so kurz wie möglich (mindestens 1/60, lieber 1/100 oder 1/125) um die Verwacklungsunschärfe zu reduzieren. Dadurch ist das Bild natürlich zunächst völlig unterbelichtet. Man kann es jedoch hinterher im Lightroom bedenkenlos ohne Qualitätsverluste hochziehen und hat dabei sogar noch die Lichter (Lampen, Fenster) geschützt. Die gleiche Technik verwende ich auch in dunkleren Räumen, z.B. Kirchen – mehr dazu weiter unten im Bericht. Das ein solches Arbeiten mit der CL möglich ist, spricht dafür, dass es sich beim Sensor der CL (und damit auch der TL2) um einen zumindest teilweise ISOlosen Sensor handelt. Für eine Erklärung hierzu verweise ich erneut auf den Blog von Claus Sassenberg.

Beachten muss man dabei, dass man nicht in vierstellige ISO-Bereiche kommt denn dann wird natürlich beim massiven Hochziehen der Belichtung ISO-Rauschen sichtbar. Lassen sich höhere ISO-Bereiche nicht vermeiden, muss man mit der Verschlusszeit zurückgehen und Verwacklung riskieren. Schafft man es selbst damit nicht mehr, im dreistelligen ISO-Bereich zu bleiben, sind Stativ und sorgfältige Belichtung natürlich unumgänglich.

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Im RAW zu fotografieren, macht bei der CL grundsätzlich immer Sinn, auch am Tag. Gerade bei Städtetouren ist der Kontrast zwischen der Straße und dem Himmel oft so hoch, dass man entweder den Himmel oder die Straße optimal erwischt – der jeweils andere Part ist entweder ausgebrannt oder abgesoffen. Auch hier zeigt sich wieder, dass man mit niedrigen ISO-Einstellungen ruhig auf den Himmel belichten kann (um Ausbrennen zu vermeiden) um in der RAW-Software dann die vermeintlich abgesoffenen Bereiche zurückzuholen.

Ich nutze nahezu auschließlich die Blendenpriorität, d.h. ich passe die Blende an und regele mit der Belichtungskorrektur nach (diese Arbeitsweise stammt von der M). Dabei fällt auf, dass die Kamera oft etwas reichlich belichtet, ich drehe die Korrektur also meistens ein Stück nach unten.

Wenn ich das Bild mit Eingriffen in Licht und Schatten im Lightroom ausbalanciere, achte ich immer darauf, parallel dazu Klarheit und Kontraste mit anzuheben, um einen allzu flachen HDR-Look zu vermeiden. Alternativ kann man auch die gesamte Belichtung nach oben korrigieren und dann den Himmel nur über den Blaukanal abdunkeln und wieder zurückholen – im Lightroom geht das ja sehr schön. Aber Achtung! Die CL erlaubt hier wirklich extreme Eingriffe und schnell entsteht dadurch auch eine surreale Bildwirkung. Das man mit Schatten/Glanzlichtern/Kontrast und Klarheit zu weit gegangen ist, merkt man spätestens, wenn an den harten Kontrastkanten Halo-Effekte entstehen (z.B. an Dachkanten oder bei Stromdrähten gegenüber dem Himmel). Mit Halo meine ich dabei eine Art hellen Heiligenschein. Wenn man die Einstellung nicht zurücknehmen will, sollte man diese Bereiche selektiv korrigieren und dort Klarheit und Kontrast reduzieren, bis die Halos verschwinden. Man sollte das wirklich beachten denn es gibt schon genug Kalenderbilder wo darauf nicht geachtet worden ist… Blauer Himmel darf gern sein, aber nicht mit Kontrast-Halos!! Das ist in meinen Augen unprofessionell.

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Auch auf die Schärfe sollte man bei Leica-RAWs ein wachsames Auge haben. Wegen der hervorragenden Optiken ist die Grundschärfe meist schon sehr gut und man übertreibt schnell – das ist hier nicht anders als bei Fuji.

Ein letzter Tipp: ich erhöhe in den Schatten-Bereichen gern etwas die Farbtemperatur, insbesondere, wenn ich die Schatten vorher aufgehellt habe. Bei Fuji war der Effekt noch ausgeprägter, aber auch hier tritt er zu Tage: dunkle Bereiche sind meist etwas bläulich, in den hellen Bereichen hingegen passt der Weißabgleich sehr gut. Dank Lightroom kein Problem und bei den Leica-Files generell empfehlenswert, da die Bilder mit einem etwas wärmeren Ton farblich sehr gut wirken. Dort liegt im Übrigen auch ein Unterschied zu Fuji, wo die Farben immer etwas kühl und zurückhaltend daherkommen. Die Leica wirkt auf mich wärmer, analoger, angenehmer. Gerade Situationen mit Mischlicht oder z.B. Dämmerung wirken so farblich oftmals interessanter. Ich denke, da steckt eine Menge color science dahinter und Leica hat den Dreh wirklich raus, die Bilder farblich etwas anders als den Mainstream wirken zu lassen – und das auch noch auf eine Art und Weise, die emotional ansprechend wirkt.

Stirnrunzeln

In der Praxis sind mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen, über die man meiner Meinung nach offen sprechen sollte. Eines dieser Probleme habe ich schmerzhaft erfahren, als ich bei mittelmäßigen Wetterverhältnissen loszog und ohne nachzudenken mit 1/100 oder 1/125 und F5.6 in der Gegend umherknipste – so wie ich es von Vollformat gewohnt war. Die meisten Bilder waren bei kleinen Details nämlich unscharf und auch die Entfernungseinstellung „unendlich“ schien nie so richtig zu passen. Eine längere Diskussion im Leica-Forum und einiges an Umdenken meinerseits später kann ich nun bestätigen, dass die Kamera natürlich scharfe und perfekte Bilder macht. Was war also passiert?

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Zunächst einmal haben wir hier einen Sensor, der zwar wie die Vollformat-Geräte von Leica 24 Megapixel hat, jedoch deutlich kleiner ist. Das bedeutet, dass die vielen kleinen Bildpunkte (Pixel) auf wesentlich weniger Fläche „gepresst“ werden müssen. Je höher dieses Pixel-pro-Fläche-Verhältnis nun ist, desto kritischer wird das Thema Verwacklungsunschärfe (diese Diskussion kam übrigens auch zusammen mit der Nikon D800 und ihren damals sensationellen 36 Megapixeln auf). Ich habe festgestellt, dass man in der Landschaftsfotografie und dort, wo es sonst noch so auf das letzte Quentchen an Schärfe ankommt, beim Arbeiten ohne Stativ möglichst kurze Belichtungszeiten wählen sollte. Mindestens 1/500 oder kürzer. Das muss man nicht tun, aber beachtet man dies nicht, steigt das Risiko für Verwacklungsunschärfe eben stark an.

Das zweite Problem betrifft die Entfernungseinstellung unendlich. Wählt man das größere Fokus-Messfeld und richtet es auf die Horizontlinie, kann es sein, der Kontrast-Autofokus findet entweder gar kein Ziel oder er schießt sich auf ein Objekt ein, welches vielleicht näher steht und minimal in das Messfeld „hineinragt“. Gelegentlich stellt er dann auch auf irgendetwas kurz vor unendlich scharf. Dieses Problem haben alle Geräte, die mit reinem Kontrastautofokus arbeiten. Wenn der Kontrast nicht optimal ist, häufig bei weit entfernten Objekten der Fall, nimmt die Treffsicherheit ab.

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Die Lösung ist hier, den Autofokus durch manuellen Eingriff zu korrigieren. Das kann ein Problem sein, weil die TL-Objektive keinen Anschlag haben (Focus-by-wire). Beim 35er Summilux-TL ist das z.B. nicht schlimm, das bleibt auf unendlich einfach stehen, auch wenn ich den Entfernungsring weiter drehe. Beim 11-23mm-TL-Zoom hingegen kann ich die Optik manuell etwas über unendlich hinausdrehen, die Schärfe nimmt dann wieder ab. Da hilft nur, die Objektive zu kennen und dann: Fokus-Peaking, Vergrößerung und Sorgfalt!

Man muss solche Dinge wissen und sich darauf einstellen. Der Kontrastautofokus hat andererseits auch Vorteile, z.B. gibt es keine dejustierten Objektive, Frontfokus, Backfokus oder Fokus-Shift – fiese Dinge, die einem an der M oder auch an Spiegelreflexgeräten die Laune vermiesen können. Davor ist man bei der CL gefeit.

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Ein weiteres Detail aus der Meckerkiste betrifft das Thema „Drahtauslöser“. Ich besitze einen und ich habe ihn bisher bei Leica und Fuji immer gern bei Aufnahmen vom Stativ eingesetzt. Die CL bietet dafür leider keine Anschlussmöglichkeit mehr, Fernauslösung ist hier nur noch über die App möglich – oder man nutzt den zumindest gut implementierten Selbstauslöser (man muss ihn nicht für jedes Bild einzeln wieder einschalten). Ich mache gern mal Langzeitaufnahmen und da arbeite ich einfach lieber mit einem Drahtauslöser als zusätzlich noch mit meinem iPhone herumzuwursteln – das ja auch nur eine begrenzte Akku-Laufzeit hat. Das ist so ein typisches Beispiel, wo es moderne Technik nur zum Schein einfacher macht.

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Und weil wir gerade beim Thema Stativ und Langzeitbelichtung sind: wie in jedem Leica-Review zuvor muss ich auch hier wieder stirnrunzelnd zur Kenntnis nehmen, dass Leica nur eine Belichtungszeit von maximal 30 Sekunden erlaubt (auch im manuellen Modus). Warum, möchte man heulend fragen, warum nur? Ob ich es noch erlebe, dass Leica diese Beschränkung abschafft? Den Hauch einer Chance habe ich ja vielleicht, immerhin bin ich erst 40 Jahre alt.

Das die beiden oberen Einstellräder hinsichtlich der Beschriftung im obenliegenden Display vertauscht sind, hatte ich ja weiter oben schon beschrieben. Ich hoffe einfach mal, dass das in der Firmware noch behoben wird, ebenso wie die lange Einblendung des Kamera-Namens beim Einschalten.

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Bereits bei der zweiten Fototour hatte ich eine unerfreuliche Begegnung der dritten Art, als eine ältere SD-Karte plötzlich das Zeitliche segnete und ich sie zu Hause nicht mehr auslesen konnte. Das ist natürlich der Supergau für jeden Fotografen. Nun kann die Kamera nichts für die SD-Karte, jedoch wäre es schön, hätte man der CL entweder einen zweiten Kartenslot oder einen internen Speicher (siehe TL!) spendiert. Die Fuji-X Pro2 hatte einen zweiten Kartenslot und ich habe das sehr gemocht, weil es doch schon eine kleine Rückversicherung ist.

Das ein USB-Port fehlt, man also weder Bilder via USB übertragen noch die Kamera unterwegs laden kann, hat sich für mich in der Praxis als kaum relevant erwiesen. Zum Auslesen der Bilder entnehme ich die SD-Karte und lese sie mittels USB-3 blitzschnell in den Computer ein, währenddessen lädt der Akku der CL bereits am Ladegerät für den nächsten Tag oder Event auf. Einen Ersatzakku habe ich immer in der Hosentasche, so kann ich unterwegs schnell wechseln. Im Auto aufzuladen habe ich unlängst im Urlaub im Mietwagen versucht. Davon abgesehen, dass eigentlich eh das GPS am Strom hing und unpraktischerweise für die Kamera weichen musste, war die Spannung dann so gering, dass der Akku während einer Stunde Fahrt kaum nennenswert laden konnte. Somit habe ich mir das unterwegs-laden schnell wieder abgewöhnt und halte einen oder mehrere Ersatzakkus für die praktikablere Lösung.

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Batterielaufzeit

Die Batterielaufzeit wird wie bei allen Kameras dieser Klasse und Größe als zu kurz kritisiert. Grundsätzlich mag das sein, ich habe mich jedoch über viele verschiedene spiegellose Geräte daran gewöhnt. Bei meiner Art zu fotografieren hält die Batterie im Grunde einen Fototag oder eine Fototour und Abends lade ich sie dann wieder für den nächsten Tag auf. Ein klein wenig Reserve wäre nicht schlecht, aber ich halte das nicht vordergründig für problematisch. Man kann damit klarkommen und notfalls nimmt man eben Ersatzakkus mit. Wie anfangs geschrieben, akzeptiert die Kamera auch preiswertere Sigma-Akkus. Wer bereits eine Q besitzt, kann deren Akkus ebenfalls nutzen – in beiden Geräten kommt der BP-DC 12 zum Einsatz.

Zubehör und Adapter

Die CL ist neu und entsprechend dünn sieht es derzeit noch beim Zubehör aus. Leica selbst bietet ein schickes Leder-Halfcase in braun oder schwarz an. Dieses Halfcase bietet sogar eine Klappe für Akku/SD-Karte und eine Tasche für eine Ersatz-SD-Karte. Beide Versionen sind seit Januar 2018 lieferbar. Ein Nachteil: es gibt kein Gewinde für ein Stativ.

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Leica+CL+with+Protector+blackDieser Nachteil besteht bei den Gariz-Halfcases nicht, allerdings kommt Gariz untypischerweise ausgerechnet bei der CL nicht aus dem Quark. Derzeit (Februar 2018) trägt man sich laut Auskunft der Firma nicht mit dem Gedanken, für die CL etwas zu fertigen. Ungewöhnlich!

Vorbildlich dagegen die beiden üblichen Verdächtigen Angelo Pelle und Luigi Cases – die beiden Urgesteine der Leder-Halfcases bieten ihre hochwertigen Produkte seit Januar 2018 an. Bei Luigi gibt es eine Zugriffsmöglichkeit für Akku und Speicherkarte, bei Angelo dagegen eine Öffnung für das Stativgewinde. Hier muss jeder selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist und welches Design ihm eher zusagt.

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An Straps (Gurten) sollte es ebenfalls nicht mangeln, da die CL im Gegensatz zur T/TL hier konventionell unterwegs ist. Man kann also jeden Gurt nach Herzenslust daran befestigen. Auch hier möchte ich auf die Leica-Ledergurte hinweisen und erwähnen, dass selbst der in der Originalverpackung beiliegende Strap gar nicht schlecht ist (besser als das komische Stachelding bei meiner alten M240).

Leica+CL_Neck+strapsDie Fraktion der Soft-Release-Button-Fans kommt bei der CL leider nicht auf ihre Kosten, da der Auslöser der Kamera kein Gewinde bietet. Mich persönlich stört das nicht, ich war eh nie ein Fan dieser kleinen, überteuerten Schmuckstücke – erst recht konnte ich keinen praktischen Nutzen oder eine Verbesserung im Handling daraus erkennen.

Was bei der CL hingegen sehr viel Sinn macht ist eine Daumenstütze und auch hier bietet Leica ein eigenes Produkt an. Die CL ist sehr klein und zierlich und daher nicht wirklich entspannt zu halten – so kann ich die Investition in dieses Gimmick nur wärmstens empfehlen. Im Übrigen ist die CL auch die erste Kamera, wo ich selbst aus Überzeugung eine Daumenstütze einsetze. Bei anderen Geräten habe ich es meist als Spielerei empfunden weil es die Ergonomie nicht wirklich verbesserte – zumindest für meine Hände.

Thumb+SupportEine andere Methode, die Ergonomie zu verbessern, ist natürlich der optionale Handgriff von Leica. Er bietet keinerlei elektronische Helferlein wie GPS oder Zusatzbatterien sondern beschränkt sich wirklich auf den Grip und eine – wiederum optional daran zu befestigende – Handschlaufe.

Leica+CL+with+Handgrip_Finger+LoopEin sehr interessantes Feld ist die Adaption von Objektiven. Ins Auge fallen natürlich sofort die vielen fantastischen M-Objektive aus dem Hause Leica. Die kleine CL ist geradezu prädestiniert dazu, M-Glas zu adaptieren, sowohl auf Grund der Bauform als auch wegen des großen, hellen elektronischen Suchers mit Vergrößerung und Fokus-peaking. Folgerichtig bietet Leica dafür den M-Adapter-L an, der sogar M-Objektive mit 6bit-Codierung korrekt erkennt und zwecks Bildkorrektur und Exif-Daten an die CL meldet. Die Integration funktioniert also perfekt, man muss lediglich beachten, dass die CL wegen ihres kleineren Sensors einen Crop-Faktor von 1,5 hat. Das bedeutet, dass man die Brennweiten der Objektive um den Faktor 1,5 multiplizieren muss, um zu sehen, welches Blickwinkeläquivalent die CL letztendlich aufnimmt. Aus einem 35mm Summilux wird so – einfach gesagt – ein 52mm-Objektiv. Das stimmt nicht ganz, wer sich dazu etwas genauer belesen möchte, kann das in diesem Artikel tun.

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Ob es Sinn macht, für die CL extra M-Optiken zu kaufen, sei dahingestellt. M-Optiken sind sehr hochwertig, auch entsprechend teuer und auf Grund des Cropfaktors verschenkt man einen gewissen Teil des aufwändig auskorrigierten Objektives – hier ist man mit den nativen TL-Optiken sicher besser und preislich angemessener beraten.

Leica+CL+with+M+Adapter-LLeica CL mit M-Adapter-L und Summilux-M 50mm F1.4 Asph

Wer viele ältere M-Objektive oder Fremdobjektive mit M-Anschluss ohne 6-Bit-Codierung besitzt (z.B. von Zeiss und Voigtländer), dem sei deutlich billigere Version des M-Adapter-L empfohlen, der LET/LEM von Novoflex. Dieser Adapter besitzt keine automatische Objektiverkennung – die man bei Objektiven ohne 6-Bit-Codierung ja bekanntlich eh nicht nutzen kann.

Wer zu Hause noch ältere Leica-R-Objektive im Schrank hat, kann auch diese an der CL nutzen. Hierfür gibt es von Leica wieder die teure, elektronische Variante R-Adapter-L (für R-Objektive an T, TL, CL und SL) – natürlich wieder mit Objektiverkennung, oder eine preiswertere Version von Novoflex (LET/LER) ohne Objektiverkennung.

Angeblich kann man sogar den M-Adapter-L in Kombination mit dem R-Adapter-M nutzen, dazu habe ich aber keine Erfahrungswerte. Man kombiniert hier faktisch zunächst einen Adapter auf das M-Bajonett mit einem Adapter, der das M-Bajonett zum R-Bajonett macht. Das mag für Personen interessant sein, die den einen oder anderen Adapter bereits besitzen und nutzen, ansonsten macht ein einzelner, direkter Adapter natürlich mehr Sinn.

L1010347.jpgDiese beiden Bilder zeigen den Bahnhof im Örtchen Halsbrücke. Dort war in früheren Jahren ein gemütlicher kleiner Techno-Club untergebracht, in dem ich mich oft und gern aufhielt. Viele Jahre später stehe ich nun als gutbürgerlicher Spießer mit Bauchansatz und Bausparvertrag wieder hier und mache Fotos…L1010359.jpg

Darüberhinaus gibt es bei den einschlägigen Quellen natürlich eine ganze Reihe weiterer Adapter, deren Aufzählung hier keinen Sinn macht weil das Sortiment ständig im Wandel ist. Ich persönlich nutze einen M42-Adapter für zwei alte M42-Optiken (Yashica und Pentacon).

Bleibt nur noch eine Frage: Was ist eigentlich mit den SL-Objektiven? Da sich TL/TL2 und CL das Bajonett mit der SL teilen, passen diese Objektive standardmäßig ganz problemlos an die CL. Beachten muss man auch hier wieder den Crop-Faktor (1,5 – siehe oben) und natürlich die Tatsache, dass die SL-Gläser ganz schöne Brocken sind. Für die Nutzung auf einem Stativ empfiehlt sich der Kauf einer Stativschelle, mit der das Objektiv auf dem Stativ befestigt wird und die kleine CL faktisch nur hinten dran hängt.

Industrie, Halsbrücke

Fazit

Als ich den Testbericht zur Leica X-Vario schrieb, war ich von der Kamera grundsätzlich sehr angetan, mir fehlte nur ein Quentchen mehr Geschwindigkeit und die Flexibilität, die nur Kameras mit Wechseloptiken bieten können. Ähnliches galt für die Leica Q – eigentlich die perfekte Kamera, wenn man auch mal das Objektiv tauschen könnte. Und die Leica TL2? Ein tolles Gerät, nur leider ohne Sucher. Es hatte für mich also immer den Anschein, Leica kreise zwar eng um meine persönlichen Bedürfnisse herum, komme aber nie auf den Punkt. Auch die CL trifft es nicht ganz, dafür fehlt mir z.B. der dedizierte Blendenring, aber sie kommt meiner Idealvorstellung doch sehr nahe.

Nahe genug, dass mein Bauch mir sagte, ich solle meine Fuji-Ausstattung verkaufen und nie mehr zurückschauen. Und mein Bauch hatte Recht. Soweit mein Fazit.

DDR-KunstArbeiter-und-Bauern-Kunst aus längst vergangenen DDR-Zeiten…

Bei Leica kann man nie nur den Body, also die nackte Kamera alleine, betrachten. Man darf auch nicht die Anzahl der Features als Maßstab nehmen, denn es ist ja gerade erklärte Philosophie, dass man sich auf das Wesentliche beschränkt um die Ergonomie zu verbessern.

Ich kann bei der Bewertung nur von mir persönlich ausgehen. Mir gefällt an der Kamera das reduzierte, moderne und dennoch ikonische Design und die insgesamt effiziente und simple Bedienung. Mir gefallen technische Ausstattung, z.B. der hochwertige Sucher – einer der besten im APS-C-Segment! Mir gefallen Arbeitsgeschwindigkeit, Touchscreen und der schnelle Autofokus.

Mir gefällt aber auch die nicht-technische Ausstattung – nennen wir es soft facts – nämlich die Ausstattung mit Geschichte und Historie. Für viele mag es nichts bedeuten, mich jedoch inspiriert die Marke, die Vergangenheit, die Aura.

Nicht zuletzt fasziniert mich die Bildqualität. Ich mag den Look, die Farben und die hohe, vollformat-artige Flexibilität der RAW-Files.

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Das kleine aber umfassende Objektivsortiment, bestehend aus Zooms und Festbrennweiten, ist teuer, markiert jedoch die Spitze der Objektivbaukunst im APS-C-Bereich. Ausführliche Bewertungen möchte ich mir hier für spätere Testberichte offenhalten.

All diese Kriterien ergeben für mich genug Masse, um den Kauf und den im Vergleich zu anderen APS-C-Geräten leicht höheren Preis vollkommen zu rechtfertigen. Die vielzitierte Kaufreue ist mir bei der Leica CL nicht untergekommen. Im Gegenteil, genau wie meine M nehme ich die CL gern in die Hand und sie motiviert mich immer wieder dazu, Bilder mit ihr zu machen.

Das war – gemessen am Umfang des Testberichtes – ein recht kurzes Fazit. Ich habe jedoch das Gefühl, es ist nun von meiner Seite her alles über die CL gesagt, was es zu sagen gibt. Sie ist eine typische Leica, die im positiven Sinne typische Leica-Bilder mit typischen Leica-Farben macht. Das wollte ich, das brauche ich und nun hat die liebe Seele Ruhe. Zumindest bis zur CL2…

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Wie geht es weiter?

Es ist jetzt Februar und der Winter hat verloren, auch wenn er uns gelegentlich noch ärgern kann. Ich möchte mir im anstehenden Frühling nun etwas Zeit mit dem 11-23er und dem 35er nehmen und im Anschluss daran die entsprechenden Testberichte zu diesen Objektiven anbieten. Das wird einige Zeit dauern, da ich gern frisches Bildmaterial präsentieren möchte und auch noch ein wenig Erfahrung sammeln will und muss. Es wird aber definitiv weitere Artikel geben. Mein Langzeit-Ziel ist es, alle erhältlichen TL-Optiken hier mit Testberichten abzudecken.

JPG-Bilder

Zu den JPG-Bildern, die diese Kamera liefert, werde ich mich in einem späteren Bericht separat äußern.

War da nicht schonmal… ??!

Die folgenden Aufnahmen sind so ähnlich schon einmal vor längerer Zeit mit der Sony A7r und dem Zeiss 35mm F2.8 entstanden. Der entsprechende Bericht mit Hintergrundinformationen ist hier nachzulesen. Für mich war interessant zu sehen, dass sich die RAW-Aufnahmen aus der Leica genauso wie die aus der Sony anfühlten. Dynamik, Schärfe, S/W-Konvertierung, Mikrokontrast – am Ende kam ich mit den gleichen Handgriffen zu den gleichen Ergebnissen. Das ist nur ein Beispiel um zu verdeutlichen, dass die Unterschiede zwischen APS-C und Vollformat hinsichtlich der reinen, praxisüblichen Bildqualität oft kaum relevant sind.

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Ergänzung

*) Erläuterung zum Satz: „Hinzu kamen die X-Trans-spezifischen Probleme…“

Hierzu möchte ich zunächst auf die Unterschiede zwischen Fujis X-Trans-Technologie und einem normalen Bayer-Sensor verweisen.

Nicht alle RAW-Konverter kommen mit X-Trans-Bildern gut klar. Ein ganz wesentlicher Faktor ist zum Beispiel, dass sich X-Trans-RAWs anders schärfen lassen. Die herkömmliche Schärfungsmethode im Lightroom befördert die Bildung von Artefakten, die oft als „Würmchen“ bezeichnet werden. Durch richtiges behandeln im RAW-Konverter lässt sich dieser Effekt weitgehend minimieren, bei einigen Objektiven und Einstellungen ist er jedoch immer da, entgegen diverser Behauptungen auch bei der X-Pro2 – obschon weniger ausgeprägt als bei älteren Geräten.

Ein weiteres Problem ist der sogenannte „Wasserfarben“-Effekt, der vor allem auf grünen Flächen bei bestimmten Konstellationen auftreten kann (Gras). Einige RAW-Konverter – auch hier ist Lightroom wieder ganz vorn mit dabei – interpretieren die Sensordaten auf manchen feinen Oberflächen auf eine Art und Weise, dass kleine Strukturen verschluckt werden und eine Effekt entsteht, der aussieht, als hätte man mit Wasserfarben gemalt, also ein Eindruck von Farben, die etwas verwischen und ineinander laufen. Wichtig dabei: in der Gesamtansicht sieht man das kaum, in der 100%-Ansicht jedoch sehr deutlich. Man sollte das Ganze also nicht überbewerten.

Ein dritter und letzter Effekt, über den viel gestritten wurde, betrifft bestimmte Probleme mit der Farbdifferenzierung bei kleinen Details. Bei weit entfernteren Gesichtern beispielsweise kann eine Art Maskeneffekt entstehen, da sich die Farbe der Gesichtshaut auch in Lippen, Zähne und Augen reinschleicht. Es wird behauptet, das könne an der Aufteilung der Farbpunkte auf der Sensormatrix liegen, obwohl beim X-Trans eigentlich das Gegenteil, nämlich eine bessere Detail- und Farbdifferenzierung, erreicht werden müßte. Daher liegt es eventuell auch an unzureichender RAW-Interpretierung. Nicht umsonst hat Fuji gerade eben eine eigene Software zur RAW-Bearbeitung herausgebracht, die über USB auf die Elektronik der Kamera zugreift.

Ich möchte betonen, dass all diese Dinge kaum Einfluss auf den photografischen Alltag haben. Die Effekte nimmt man hauptsächlich bei starken Vergrößerungen und auch nur unter bestimmten Konstellationen wahr. Dennoch fällt auf, dass gerade Lightroom als häufig genutzter RAW-Konverter Defizite zeigt. Wer daher wirklich das letzte aus den Files herausholen möchte, benötigt entweder die oben erwähnte neu Fuji-Software oder spezialisiertere Software wie z.B. den Irident Developer (als RAW-Konverter oder als Plugin bzw. Vorstufe für die Lightroom-Bearbeitung in Form des X-Transformers).

Der größte Vorteil von X-Trans war einst, dass man den Moire-Filter weglassen konnte weil das X-Trans-Pattern auf Grund seiner unregelmäßigen Anordnung für diesen Effekt weniger anfällig war. Dies bedeutete natürlich einen entscheidenden Auflösungsvorteil gegenüber Geräten mit Moire-Filter aller Sensorgrößen. Mittlerweile lassen allerdings viele Hersteller dieses Bauteil weg (Leica schon länger) und entfernen den Effekt größtenteils rechnerisch. Dadurch schrumpft der X-Trans-Vorteil in meinen Augen auf ein absolutes Minimum zusammen und ich bin nicht sicher, ob die oben beschriebenen Umständlichkeiten das Ganze letztendlich noch rechtfertigen. Mir ist es ehrlich gesagt lieber, bei der Bildbearbeitung weniger hantieren zu müssen und die Dateien gleich im übergreifenden Adobe-DNG-Format vorliegen zu haben – Leica ist in dieser Hinsicht ja sehr vorbildlich.

Einen wirklichen unschlagbaren Vorteil von X-Trans gegenüber Bayer bei der CL konnte ich nicht mehr ausmachen. Die Auflösungen sind bei beiden Geräten sehr hoch, Leica kommen hier sicherlich auch die sehr hochwertigen Optiken zu pass. Bei Farbauflösung- und Differenzierung kann ich auch keinen Gewinner oder Verlierer mehr erkennen – ich empfinde im Gegenteil die Leica-Datein sogar als analoger in der Anmutung. Kurz und ketzerisch gesprochen: ich denke, Fuji würde durch die Aufgabe von X-Trans mehr gewinnen als verlieren; eventuell würde es die gegenwärtige Popularität der Geräte sogar noch weiter beflügeln und die Handhabung vereinfachen. Ein großer Vorteil von Fuji ist sicherlich die außergewöhnlich hohe Qualität der JPG-Bilder. Da ich aber ein ausgewiesener RAW-Fanatiker bin, spielt das für mich keine große Rolle.

 

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