10 Fragen an… Norbert Windecker

Hochzeit Susann Lars (476 von 641)

Norbert Windecker ist durch seinen Blog norbertwindecker.blogspot.de vor allem in der Leica-Welt bekannt. Zuletzt berichtete er ausführlich über die neue Leica SL und die dazugehörigen Objektive. Die SL ist mittlerweile zu seinem primären Arbeitsmittel geworden, trotzdem ist auch die M immer mit dabei. Zur Zeit fotografiert Norbert meist Hochzeiten und dokumentiert das auf www.bilderliebe.de. Er liebt jedoch auch die Landschaftsfotografie und versucht sich seit neuestem mit der SL sogar am Bewegtbild.

Norbert, Willkommen bei cetus-a.de und bei „10 Fragen an…“. Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast. Im Folgenden versuche ich, mit 10 Fragen ein möglichst umfassendes Bild von Dir und Deiner Arbeit zu erstellen.

(1) Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Zur Fotografie kam ich ein wenig über meinen großen Bruder und meine Nachbarn und Freunde. Diese waren etwas älter als ich und fotografierten alles auf Dia. 1990 war es dann bei mir soweit und ich habe mir eine Nikon 601 gekauft. Schon viel länger hatte mein Vater eine Leica Ausrüstung, die ich auch immer mal benutzen durfte. So wurde es immer mehr und die Nikon reichte mir nicht mehr. Ich wollte auch eine Leica und habe dann mit meinem ersten Lehrgeld eine Leica M6 titanisiert mit Summicron 50 mm gekauft. Damit fotografiert ich bis 2008 (dem Einstieg in die digitale Welt) hauptsächlich auf Reisen und ansonsten alles, was mir so vor die Linse kam. Da Leica zu der Zeit noch keine konkurrenzfähigen digitalen Kameras baute, stieg ich später komplett auf Nikon um. Mit einer Nikon D3 und allerhand Optiken wurde aus dem Hobby nach und nach mehr. Ich fotografierte viele Sportereignisse, nahm Aufträge an und begann im Nebengewerbe Hochzeiten zu fotografieren. Zeitweise war das schon sehr aufwändig, ich musste manchmal sogar Aufträge absagen. Da ich im Hauptberuf angestellter Uhrmachermeister bin, bleibt natürlich nur die Freizeit für die Fotografie. Zusammen mit familiären Pflichten wird mein Hobby daher stets nur Nebengewerbe bleiben. Aber vielleicht macht es mir gerade deswegen immer noch unheimlich viel Freude.

Boofen Hantzschelstiege (040 von 070)

(2) Was sind Deine bevorzugten fotografischen Themen?

Auch wenn aktuell die Auftragsarbeiten wie Hochzeiten dominieren, so fotografiere ich gerne auf Reisen in aller Welt – dabei am Liebsten die Schönheit unberührter Natur, also Landschaften. Früher habe ich auch immer gern Wildlife und Sport fotografiert, aber dafür ist leider keine Zeit mehr.

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(3) Welche technische Ausrüstung nutzt Du?

Aktuell arbeite ich ausschließlich mit Leica; eine M und eine SL als Digitalkameras und zwei analoge Spiegelreflexmodelle. Zwar besaß ich früher hochwertige Geräte von Nikon und konnte damit alles erdenkliche Fotografieren, doch durch ein paar glückliche Kontakte kam ich wieder zurück zu meiner Heimatmarke aus Wetzlar.

Ich bin mit diesem Schritt sehr glücklich. Nicht alles ist bei Leica besser, aber es macht deutlich mehr Spaß damit zu arbeiten. Und ganz nebenbei benutzt man konkurrenzlose und überragende Objektive. Es ist eben deutsche Wertarbeit, die man in den Händen hält und kein japanisches Massenprodukt. Das hat zwar auch seinen Preis, aber es war halt schon immer teuer, einen besonderen Geschmack zu haben.

Da die Ausrüstung für mich nicht nur Spielzeug ist, sondern ich damit auch Geld verdienen muss, ist die Zuverlässigkeit sehr wichtig. Bei Leica kann ich im Support mit echten Menschen in meiner Sprache sprechen, wenn es notwendig sein sollte.

New York 2015 (061 von 468)

(4) Welches ist Dein Lieblingsobjektiv?

Mein aktuelles Lieblingsobjektiv ist das Leica Summilux-SL 1,4/50 mm – das vermutlich beste 50mm-Objektiv, das man aktuell kaufen kann. Doch mich fasziniert daran nicht nur der technische Aspekt, sondern auch die Brennweite an sich. Im Laufe der Jahre habe ich viel Objektive besessen, aber ein derart perfekte Kombination aus Lieblingsbrennweite und technisch/optischer Umsetzung – etwas besseres gibt es für mich nicht.

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(5) Gibt es ein besonders positives Erlebnis, das Du mit der Fotografie verbindest?

Es war vor vielen Jahren auf einem See in Mecklenburg-Vorpommern. Wir fuhren früh morgens mit dem Boot raus und wollten Seeadler beim Fischen fotografieren. Trotz etwas Nebel sahen wir den Seeadler weit oben in einer Baumkrone sitzen. Wir warteten mehrere Stunden, bis er dann urplötzlich losflog und mit dem Fischen begann. Jetzt musste alles schnell gehen. Das Boot in Position bringen und hoffen das der Adler möglichst dicht bei uns vorbeiflog – und natürlich auch von der richtigen Seite kam. Nach einigen Anläufen klappte es schließlich. Meine alte Nikon D3 ratterte fleißig und ich konnte mit einem 500 mm Objektiv den perfekten Moment erwischen. Der Ausschnitt, das Licht, die Entfernung, die Schärfe. Alles passte. Ich weiß, dass nicht wenige Fotografen auf solch eine Gelegenheit lange warten und endlose Anläufe brauchen, um schließlich tolle Bilder heimzubringen. Ich hatte dieses Glück bereits beim zweiten Versuch! Solch einen besonderen und seltenen Moment einzufangen, war eine tolle Erfahrung. Das Bild hat bei mir einen Ehrenplatz und wird regelmäßig von Besuchern bewundert.

Seeadler beim Fischen (46 von 62)

(6) …und gibt es auch ein besonders negatives Erlebnis?

Als 2002 die große Flut in Glashütte begann, war danach vieles zerstört und es sah aus wie im Krieg. Ich wohnte mitten drin im Katastrophengebiet und war selbst betroffen. Ich half wo ich nur konnte und hatte immer meine Leica M6 mit dabei. Nebenher fotografierte ich das Elend und die Schäden im Ort. Mehrfach wurde ich deswegen blöd angemacht, sogar von der Polizei. Ich ließ mich allerdings nicht davon beirren, da ich keiner der angereisten Katastrophentouristen, sondern eben selbst betroffener Anwohner war.

Später habe ich dem Einen oder Anderen meine Fotos gegebenen. Nach und nach habe ich dann erfahren, das die Bilder durch den ganzen Ort gingen und im Laufe der Zeit immer weiter verbreitet wurden. Mich hat sehr geärgert, dass erst gemeckert wurde – aber anschauen wollte die Bilder dann doch jeder.

(7) Gibt es etwas, was Du in Zukunft gern tun würdest?

Seit Jahren suche ich ein Thema, dem ich mich voll widmen möchte. Wohlwissend, das man nur dann richtig gute Bilder machen kann, wenn man sich auf etwas wirklich spezialisiert. Doch das ist mir bisher nie gelungen. Ich war fotografisch schon immer sehr breit aufgestellt und fotografiere gerne alles was ich sehe. Aus dem Grund ist mein Portfolio auch so abwechslungsreich. Vielleicht will ich mich insgeheim auch gar nicht auf ein Thema festlegen. Vielleicht ist gerade das bei mir auch der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man es so betrachtet, gibt es eigentlich wenig, was ich gerne fotografisch tun würde, aber nicht mache.

Klar, noch mehr Reisen und dabei Fotografieren – das wäre schon schön. Aber das ist ein anderes Thema…

USA Trip 2016 (425 von 806)

(8) Wer inspiriert Dich?

Das ist nicht so einfach. So verschieden meine eigenen Motive sind, so verschieden sind auch meine Vorbilder. Grundsätzlich mag ich den klaren und übersichtlichen Stil. Bilder dürfen nicht mit Informationen überladen sein. Von daher gefällt mir schon seit einiger Zeit was Ronny Behnert (www.bewegungsunschaerfe.de) macht. Das ist für mich ganz große Fotokunst, kein schnelles Geknipse sondern echte Fotografie. In diese Richtung möchte ich mich auch weiterentwickeln.

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(9) Welches fotografische Gimmick würdest Du kaufen, wenn Geld keine Rolle spielte?

Einen großen Briese-Blitzschirm.

(10) Wie siehst Du die Zukunft der Fotografie?

Die Fotografie hat in den letzten zehn Jahren technisch enorm viel gewonnen. Schlechte Kameras oder Sensoren gibt es praktisch nicht mehr. Immer mehr Megapixel und immer besserer Dynamikumfang bietet uns heute eine Qualität, die es zu analogen Zeiten nicht gab. Gerade im höheren ISO-Bereich kann man heute Dinge machen, die früher nicht möglich waren.

Allerdings habe ich das Gefühl, dass es so nicht ewig weitergeht. Mehr Pixel verlangen immer bessere Objektive. Bessere Objektive sind groß und teuer. Bestes Beispiel sind die Referenz-Optiken von Leica (SL) oder Zeiss (Otus). Gleichzeitig möchte aber keiner mehr große Kameras durch die Gegend tragen und die Smartphone-Kameras werden auch immer besser…

Ich denke mal, es wird sich zunehmend in zwei Lager aufteilen. Die große Fraktion der Handyfotografen wird sich keine zusätzliche Kamera mehr kaufen. Die (semi)professionellen Fotografen werden immer Kameras mit Wechselobjektiven verwenden, da an dieser Stelle oft Geld und/oder Gewicht weniger die Rolle spielen. Um sich aber qualitativ von den immer besser werdenden Handybildern absetzen zu können, müssen noch größere Sensoren und noch bessere Objektive her.

Spiegelreflexkameras werden mit großer Sicherheit immer mehr von spiegellosen Geräten abgelöst. Die Vorteile liegen auf der Hand und das (schon sehr alte) Konstruktionsprinzip des Spiegels in der Kamera wird obsolet.

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Die Fotografie wird sich immer mehr mit dem Bewegtbild verbinden. Die nächsten Auflösungsstufen sind bereits in den Startlöchern. Eine 8K-Auflösung liefert mehr als 35 Millionen Pixel – und das bei 30 Bildern pro Sekunde (oder mehr). Gerade bei Actionaufnahmen oder vielleicht künftig auch bei Mode- und Peoplefotografie bräuchte man nur noch kurze Sequenzen filmen und könnte sich dann das beste Einzelbild heraussuchen. Ich denke, das ist nur noch eine Frage der Zeit. Der Hersteller RED bietet solche Kameras schon heute an, es ist derzeit nur noch eine Frage des Preises.

Stabhochsprung Frauen (066 von 152)

Bei dem ganzen Pixelwahn werden irgendwann hoffentlich alle verstehen, dass kein normaler Mensch mehr als 20-30 Millionen Pixel benötigt. Selbst bei Profis stelle ich in Frage, ob 100 Millionen Pixel immer notwendig sind. Ein Bild wird durch mehr Pixel nicht automatisch besser. Die große Frage für mich ist eher, ob Fotografie als Beruf in Zukunft überlebt. Bei der täglichen Bilderflut aus aller Welt werden die Menschen beim konsumieren irgendwann müde.

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Manchmal stehe ich sehr früh auf, fahre in die Natur und mache eine tolle Landschaftsaufnahme. Dann fahre ich zurück nach Hause, bearbeite das Bild und lade es in die sozialen Medien hoch. Dort wird es vielleicht von jemandem beim Durchscrollen gefunden und man erhascht ein „Gefällt mir“. Doch schon nach wenigen Augenblicken versinkt das Bild in der Flut des Internets auf Nimmerwiedersehen. Kann das die Zukunft von Fotografie sein?

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Ein gutes Bild wird heutzutage oft nur noch wenig Wertschätzung erhalten. Wenn mittelmäßige Bilder bei Instagram tausende von Likes bekommen, werden sie dadurch auch nicht besser. Andere Fotografen, die nicht so eine Reichweite haben, werden viel weniger wahrgenommen. Das zeigt, das sich nicht immer die besten Fotografen durchsetzen, sondern die, die mehr Zeit und Aufwand in die sozialen Medien investieren.

Diese Gedanken hatten nun zwar wenig mit Technik zu tun, aber so gerne ich mich auch damit beschäftige – am Ende zählt für mich das Bild an sich.

Vielen Dank an Norbert Windecker!

Seine Webseite zur Hochzeitsfotografie findet Ihr hier: www.bilderliebe.de

Seinen eher technik-orientierten Blog findet Ihr hier: norbertwindecker.blogspot.de

Auf Instagram könnt Ihr ihm hier oder hier folgen.

Hochzeit Ole Maria (013 von 530)

Alle Bilder: ©Norbert Windecker

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