Leica M Typ240 – Die Legende lebt

LeicaMsilverVoraus

Ich habe diesen Erfahrungsbericht in erster Linie zur Leica M (Typ240) geschrieben, sie gilt aber ebenso für die aktuelle Leica M-P (Typ240). Auf die wenigen Unterschiede zwischen beiden Geräten gehe ich am Ende dieses Artikels ein.


Technische Details – Warum geht es eigentlich?

Bevor wir beginnen, möchte ich hier kurz die technischen Details der Leica M (Typ240) vorstellen. Die meisten Leser können den Abschnitt wahrscheinlich überspringen und direkt zu M9 vs M (Typ240) gehen. Für alle, die im Leica-Universum nicht so zu Hause sind, oder die sich noch nicht so intensiv mit der M auseinandergesetzt haben, sind die folgenden Zeilen bestimmt.

Ur-LeicafrontUrleica von 1914, Quelle: Leica Camera

Die Ahnenreihe der Leica M reicht zurück bis 1914, zur Urleica – der ersten Kleinbildkamera der Welt. Für viele bedeutende Fotografen war die Leica M stets das Mittel der Wahl und so entstanden enorm viele berühmte Fotos mit ihr: Bilder aus Krieg und Frieden, Bilder die manchmal die Welt veränderten und die sich in das kollektive Gedächtnis einprägten. Die erste digitale M – die Leica M8 – erschien 2006, gefolgt von der M9 (2009), ihrer seitlichen Ableitung M Monochrom (2012) und schließlich der hier besprochenen M Typ240 (2013). Leica bietet derzeit auch die M-E an (seit 2012), eine neu aufgelegte M9 zu einem etwas günstigeren Preis.

LEICAM3Eins von vielen legendären analogen Modellen: die M3, Quelle: Leica Camera

Der besondere Erfolg der M lag darin begründet, dass sie handlich und portabel war, einfach in der Bedienung und außergewöhnlich in der Fertigungsqualität – Made in Germany eben. Zu Zeiten, in denen an einen Autofokus noch nicht zu denken war, stellte der sogenannte Messsucher (auf den ich weiter unten genauer eingehen werde) das Nonplusultra dar, um den Fokus schnell, bequem und absolut sicher zu finden. Leica hielt stets an der ursprünglich mit der M3 (1954) etablierten Form und Funktion fest. Generationen von Pressefotografen, Profis und Amateuren fanden in dem Gerät ihr bevorzugtes Arbeitsmittel und das begründete natürlich auch dessen Ruf. Erst, als die fernöstlichen Hersteller immer ausgereiftere Spiegelreflexkameras zu immer günstigeren Preisen auf den Markt brachten und vor allem der Autofokus sich etablierte, begann der Stern der M zu sinken. Die aufkommenden Digitalgeräte hätten ihr dann fast den Todesstoß versetzt, da man die Zeichen der Zeit bei Leica lange Zeit etwas verkannt hatte und sich der neuen Technologie nur sehr zögerlich zuwandte. Darüber hinaus war es lange Zeit auf Grund konstruktiver Besonderheiten sehr schwierig, die Leica in ihrer Bauform zu „digitalisieren“.

Mittlerweile hat sie sich in ihrer digitalen Reinkarnation jedoch in einer speziellen Nische am Markt erneut etabliert und trifft einen gewissen Nerv bei Menschen, die sich in zunehmendem Maße von der überbordenden Featuritis und dem teilweise nutzlosen Technik-Irrsinn von Mainstream-Produkten nicht mehr angesprochen fühlen. Auch der Wunsch, aus kurzen Produktzyklen auszubrechen und etwas Werthaltiges zu erwerben, mag eine Rolle spielen. Unser schnelllebiges Heute gebiert manchmal den Wunsch auf eine Art Rückbesinnung in die vermeintlich gute, alte Zeit. Selbst die etablierten Massenhersteller haben das erkannt und versuchen im Moment immer wieder mit Erfolg, Geräte mit sogenanntem Retro-Design,  orientiert an den alten Fotoapparaten mit Zeitenring und Blendenrad, auf dem Markt zu platzieren und damit etwas von diesem Gefühl auf ihre modernen Geräte zu übertragen. Man muss allerdings unterscheiden, ob ein Gerät das ursprüngliche Konzept wirklich im Kern beinhaltet oder nur eins der üblichen, neuen Geräte in Retro-Verkleidung ist. Die Nikon Df ist ein sehr interessantes Beispiel dafür, wie Retro nicht umgesetzt werden sollte – nämlich als zusätzlichen inkonsequenten „Aufsatz“ alter auf neue Bedienelemente und damit Verkomplizierung eines eigentlich konventionellen Gerätes. Es genügt eben nicht, nur mal halbherzig dabei sein zu wollen.

Bei der Leica hingegen ergibt sich die klassische Form der Bedienung – mit Blendenring und Zeitenrad – aus Form und Funktion. Das Gerät ist in Konzeption und Auslegung äußerlich in der alten Welt verblieben. Hätte man das Bedienkonzept modernisiert (z.B. durch Integration einer elektronischen Blendensteuerung) hätte man letztendlich auch neue Objektive entwickeln müssen und infolgedessen wäre es keine M mehr gewesen.

LeicaM-ELeica M-E, eine Neuauflage der Leica M9, als günstigeres Modell parallel zur M (Typ240) positioniert, Quelle: Leica Camera

Kommen wir aber zum Messsucher. Was ist das eigentlich? Im Grunde ist es eine effektive Hilfe für schnelles, manuelles Scharfstellen. Eine sehr schöne Veranschaulichung und Erläuterung findet sich hier in diesem Video. Die von außen erkennbaren Teile des Messsuchers sind zwei Fenster im Kameragehäuse, ein großes und ein kleines. Das große Fenster ist der eigentliche Sucher. Da dieser im wortwörtlichen Sinne tatsächlich fast ein Fenster ist, ist er auch besonders hell und klar. Das war in der guten alten Zeit ein enormer Vorteil. Man braucht nur mal zu schauen, was die Alternativen waren. Winzig kleine und dunkle Gucklöcher oder nebulöse Mattscheiben – selbst die Sucher der aufkommenden Spiegelreflexgeräte waren vergleichsweise dunkel und trotz Schnittbildindikator schwer zu fokussieren.

Ein Nachteil des Messsuchers ist natürlich, dass er stets den gleichen Bildausschnitt zeigt – man schaut ja nicht durch das Objektiv. Um den korrekten Bildausschnitt dennoch abschätzen zu können, werden je nach angesetztem Objektiv im Sucher Rahmen eingeblendet, die den später im Bild sichtbaren Bereich markieren. Der Rahmen ist bei den meisten Brennweiten kleiner als das Sucherfenster, man sieht somit mehr als nötig. Das wird von vielen Leica-Fotografen als großer Vorteil empfunden da man zum Beispiel schon vorher sieht, ob jemand ins Bild hineinlaufen wird.

Der Inhalt des zweiten, kleineren Fensters an der Vorderseite der Kamera wird in den mittleren Bereich des großen Sucherfensters eingespiegelt und erscheint zunächst versetzt, d.h. seitlich verschoben zum Sucherbild. Durch Drehen am Entfernungsring werden beide Bilder in Deckung gebracht und sowie das geschehen ist, hat man die Kamera fokussiert. Andersherum gesagt: man stellt die Entfernung so ein, dass sich die beiden von verschiedenen Punkten aus gesehenen Bilder in Deckung befinden. Zum besseren Verständnis verweise ich hier erneut auf dieses Video.

Mit ein klein wenig Übung geht das sehr schnell und sicher. Im Gegensatz zu automatischen Entfernungsmessern hat man mit diesem System z.B. auch kein Problem, wenn sich ein Objekt hinter einer verschmutzten Scheibe befindet. Die Automatik wird unter Umständen auf die Scheibe fokussieren. Der Fotograf mit dem Messsucher hingegen kann immer auch das exakt scharfstellen, was er hinter der Scheibe sieht. Generell gilt: was man sehen kann, kann man auch fokussieren.

LeicaMsilver_frontDas aktuelle Modell: Leica M (Typ240), Quelle: Leica Camera

Kommen wir zu den technischen Details. Das aktuelle Modell, die Leica M (Typ240), verfügt über einen CMOS-Bildsensor mit 24 Megapixel ohne Tiefpassfilter. Dieser Bildsensor ist eine spezielle Fertigung der belgischen Firma CMOSIS. Die Bildverarbeitung übernimmt der von der Leica-S2 bekannte MAESTRO-Prozessor, der wiederum auf dem Fujitsu Milbeaut basiert. Fujitsu fertigt den MAESTRO übrigens nach speziellen Spezifikationen von Leica. Interessant nebenher: auch der EXPEED-Prozessor von Nikon wird von Fujitsu auf Basis des Milbeaut nach speziellen Spezifikationen von Nikon gefertigt. (Quelle: Wikipedia)

LeicaMaestro_1Maestro-Prozessor mit Board, Quelle: Leica Camera

LeicaMax_3MAX-Bildsensor im Kleinbildformat, Quelle: Leica Camera

Die Leica schafft maximal 3 Bilder pro Sekunde (Werksangabe). Die Blitzsynchronzeit liegt bei 1/180 Sekunde. Der Verschluss ist – verglichen mit der Sony A7(r) oder der Leica M9 – recht leise und erlaubt auch lange Verschlusszeiten erschütterungsfrei aus der Hand. Die Verschlusszeiten liegen zwischen 8 Sekunden (auf dem Zeitenrad) bis hin zu konventionellen 1/4000 Sekunde. Der Bulb-Modus erlaubt lediglich eine maximale Belichtungszeit von einer Minute – längere Zeiten läßt die M nicht zu.

Der ISO-Bereich der Leica liegt zwischen 100 und 6400. Hier gibt es „echte“ Werte, nämlich von ISO 200 (Basis) bis ISO 3200 und die in der Kamera errechneten Sachen wie ISO 100 (Pull) und ISO 6400 (Push).

Im DXO-Mark landet die Leica auf Platz 20 (Stand 12/2014) – bei insgesamt 282 Kandidaten nicht schlecht. Nimmt man die drei Mittelformat-Geräte aus dem Ranking raus, steht die Leica auf Platz 17. Zum Vergleich: die Canon EOS 5D Mark III kommt auf Platz 35. DXO gibt für die Leica eine Dynamik von 13.3 Blendenstufen an. Die Farbtiefenperformance liegt bei 24 bit, Low-Light-ISO kommt auf 1860. Damit ist die M zwar im oberen Bereich, liegt aber doch überall ein Stückchen hinter der A7r und deren Kollegen, der Nikon D800E/810. Auf diese Tatsache werde ich weiter unten noch einmal genauer eingehen.

LeicaMsilver_backDisplay mit 3-Zoll-Diagonale und 920.000 Pixeln, Quelle: Leica Camera

Die Leica M (Typ 240) verfügt nun endlich ebenfalls über ein rückwärtiges Display auf der Höhe der Zeit. Ähnlich wie bei anderen aktuellen Kameras werden vom Hersteller 3 Zoll Diagonale und 920.000 Pixel angegeben. Wie Apple beim iPhone verwendet Leica Gorilla-Glas (Saphirglas bei der M-P).

Über den Sucher der Leica, den Messsucher, habe ich mich ja schon weiter oben ausführlich geäußert. Ich hatte bereits erwähnt, dass er je nach Objektiv immer unterschiedliche Sucherrahmen anzeigt. Dies funktioniert leider nur bei Brennweiten zwischen 28mm und 135mm – für Superweitwinkel braucht man zusätzliche Aufstecksucher. Bis zur M9 gab es nur optische Aufstecksucher, die Leica M Typ 240 bietet nun optional auch die Möglichkeit, eine elektronische Variante auf den Blitzschuh aufzustecken. Dieser elektronische Sucher kommt allerdings technisch nicht an den Stand der neuesten Geräte (Sony A7r) heran, er verfügt „lediglich“ über 1.4 Megapixel bietet dafür aber eine 90-Grad-Schwenkfunktion. In der Praxis erzeugt er jedoch ein helles, klares Bild und ich verwende ihn bei Bedarf gern – meiner Meinung nach das sinnvollste Zubehör für die neue M.

MEVFElektronischer Aufstecksucher als Zubehör, Quelle: Leica Camera

Das Konzept der einfachen Handhabung zeigt sich nicht nur in der Gestaltung der äußeren Bedienelemente. Auch das Kameramenü ist kurz und knackig gehalten, auf Dinge wie Motivprogramme, Effektfilter oder ähnlichen Mumpitz wird konsequenterweise verzichtet. Es ist erstaunlich, wie viele Einstellmöglichkeiten, Optionen und Spielereien man weglassen kann, ohne sie jemals zu vermissen. Diese Erkenntnis kann wohltuend, befreiend und auch durchaus inspirierend sein.

Die neue M gegen die alte M (M240 vs M8/9/M-E)

Befasst man sich mit der Leica M (Typ 240) gerät man sofort in Rechtfertigungsnöte von allen Seiten. Ich möchte an dieser Stelle die üblichen Verdächtigen auslassen, die mir bei jeder Gelegenheit erzählen, Leica wäre nur ein überteuertes, technisch unterlegenes Luxusprodukt. Von genau den gleichen Leuten muss ich mir oft auch ermüdende Diskussionen über Apple-Hardware aufdrängen lassen (die ich ausschließlich nutze) und wir wollen das an dieser Stelle hier nicht vertiefen. Ich möchte nur kurz Anmerken: „Ich weiss, warum ich diese Geräte verwende. Das reicht mir.“

Aber auch aus der Leica-Welt selbst kommt mitunter leichtes Störfeuer und es scheint, man kann kein Review über die M (Typ 240) schreiben, ohne das Ganze im Kontext zur Leica M9 zu sehen. Das möchte ich an dieser Stelle tun und dazu kurz in Richtung M9 ausholen.

Die M9 war eine Institution. Sie war nach der kontroversen M8 die erste „richtige“ digitale Kleinbild-Messsucher-Kamera, bei der rundherum alles passte. Alle M8-Meckerer waren verstummt, die M9 verkaufte sich gut und ihr kam der ehrenvolle Part zu, die Messsucher-Technologie ins digitale Zeitalter zu führen. Sie war dabei nicht viel mehr als eine Filmkamera mit eingepflanztem Sensor und als solches ein wohltuender Gegensatz zur Konkurrenz.

Ich persönlich habe nie eine einfachere und effizientere Kamera kennengelernt. Der Slogan „Das Wesentliche“ traf auf die M9 voll und ganz zu.

Ein hervorstechendes Detail, mit dem sich die M9 von der Masse abhob, war der CCD-Sensor. Ich kann es nicht objektiv beschreiben und vielleicht beruht das Ganze ja auch einem „Placebo“-Effekt – aber meiner Meinung nach verlieh der CCD der Kamera einen eigenen, eher analogen, filmischen Look. Die Fotos sahen anders aus, ihnen fehlte der messerscharfe, klinische, perfekte Charakter, den heutige Superkameras wie die Nikon D800/810 oder die Sony A7(r) besitzen. Ich kenne Leica-Fans, die schwören, mit der M9 gemachte Bilder jederzeit aus anderen Bildern heraussehen zu können.

Der CCD-Sensor verlieh der Kamera allerdings auch zwei problematische Eigenschaften: zunächst ist mit CCD-Sensoren kein Live-View möglich. Dies hat die meisten – angesichts des großartigen Messsuchers – nie wirklich gestört. Schwerer wog schon eher der eingeschränkte ISO-Bereich. Jenseits von ISO 2000 (je nach Geschmack auch schon darunter) rauschte es einfach zu stark. Andererseits – in Verbindung mit den lichtstarken Leica-Optiken – gelangen mir selbst mit einem Summicron (F2.0) stimmungsvolle Aufnahmen am Abend – mit offener Blende.

Ich habe diese Einschränkungen niemals vordergründig wahrgenommen oder unter ihnen „gelitten“ – ich war mit dem Output der M9 größtenteils mehr als zufrieden und genoss die Andersartigkeit und Individualität der Kamera und Bilder. Dennoch ertappte ich mich manchmal bei dem Gedanken, dass es sinnvoll sein könnte, einige der Schlüsseltechnologien des Gerätes sanft zu modernisieren. Das würde mir in manchen Situationen mehr Spielraum verschaffen und mir zu einem noch entspannteren Umgang mit der Kamera verhelfen.

M9steelgrey_frontGraue Eminenz der Messsucher-Welt: die Leica M9, Quelle: Leica Camera

Die neue M (Typ 240) löste mit ihrem Erscheinen als offizieller Nachfolger der M9 einigen Wirbel aus. Manche sagen, die Kamera wäre überfällig gewesen und transportiert nun endlich den Messsucher-Mythos auf den aktuellen Stand der Technik. Andere sagen, die M240 ist voll mit überflüssigem Schnickschnack der nichts bringt und verwässert die Ur-Philosophie der Einfachheit, verrät alles, was das Messsucher-Konzept jemals ausgemacht hat.

Wahrhaft religiös anmutende Debatten entstanden auch über der Tatsache, dass Leica in der M240 erstmals einen CMOS-Sensor anstatt eines CCD-Sensors verbaut. Damit einhergehend gibt es nun Live-View – allein diese Tatsache ist für einige ziemlich unzumutbar.

Für mich persönlich – wenn ich es ganz objektiv betrachte – bedeuten die ganzen technischen Neuerungen vor allem das Folgende:

  • man kann auch die M240 weiterhin wie die M8/9 benutzen
  • man erhält endlich eine bessere Low-Light-Fähigkeit
  • man erhält darüberhinaus einige Verbesserungen, die man zu seinem Vorteil nutzen kann

Dies alles bedeutet nicht, dass die M9 von nun an eine schlechtere Kamera wäre, oder vielleicht sogar obsolet. Im Gegenteil: beide Geräte haben für mich weiterhin ihre Existenzberechtgung nebeneinander. Beide sprechen durchaus auch unterschiedliche Zielgruppen an und zumindest Leica scheint das genauso zu sehen – sonst würde man die M9 ja nicht in Form der M-E fortführen.

Wenn ich mich mit Leuten unterhalte, die auf ihre M9 schwören und sie nicht hergeben wollen – ja sogar Vorteile gegenüber der M240 sehen: warum nicht? Es ist doch nichts schlechtes daran, sich für die M9 und ihre andere Bildcharakteristik zu begeistern. Zudem wird sie nicht automatisch schlechtere Bilder machen, nur weil die M240 nun erschienen ist. Die M9 ist und bleibt eine kleine, feine, minimalistische und außergewöhnliche Kamera mit Messsucher, die ihren eigenen Charakter hat, den Fotografen herausfordert und schließlich mit hervorragenden Bildern verzaubern kann.

Für Leute wie mich, die eigentlich hauptsächlich mit der digitalen Fotografie aufgewachsen sind und gern auch mit Stativ, Filtern und Superweitwinkel im Bereich Landschaft arbeiten, die gelegentlich in dunkle, verfallene Ruinen kriechen oder ganz allgemein in einem Erdteil wohnen, wo es häufiger mal nass ist – für diese Leute kann die M240 die bessere Alternative sein. Warum? Darauf werde ich im folgenden Abschnitt eingehen.

Endlich – die Leica M (Typ 240) als einzige Kamera

Ich konnte mich früher nie so richtig zwischen meiner DSLR (später Sony A7r) und der Leica M8/9 entscheiden. Meine DSLR war z.B. spritzwassergeschützt, kam mit höheren ISO klar und auf dem Stativ konnte man bequem Live-View mit integrierter Wasserwaage nutzen. Gern nutzte ich auch die außerordentlich hohe Dynamik dieses Gerätes.

Die CCD-Sensor-bestückte Leica M8/9 hingegen hatte zwar eine sehr schöne organische, filmische Bildanmutung und ebenfalls eine wesentlich bessere Dynamik, als der DXOMark vermuten lassen würde, sie war aber schnell am Ende wenn es etwas dunkler wurde, war nicht explizit spritzwassergeschützt und auf dem Stativ nutzte ich sie kaum, weil sie mir für sorgfältige Weitwinkel/ND-Filter-Kompositionen einfach zu unkomfortabel war (externer Sucher, kein Live View etc, Wasserwaage etc). Klar, man kann trotzdem damit leben – aber für solche Situationen war mir die DSLR einfach unkomplizierter.

Als die M (Typ 240) erschien, war mein erster Gedanke: das ist die perfekte Symbiose aus zwei Welten. Ist ja auch so. Einerseits kann man sie genauso wie eine M8/M9/M-E verwenden – nämlich als reine, manuelle Messsucherkamera. Andererseits kann man sie aber auch – mit einem schicken Weitwinkel ausgerüstet – auf ein Stativ spannen, mittels integrierter Wasserwaage / Live View (mit Fokus-Peaking!) ordentlich einrichten und genießt zudem bessere Lowlight-Fähigkeit, mehr Dynamik, den elektronischen Aufstecksucher und Schutz gegen die Unbilden des Wetters.

Für mich persönlich existiert die M240 in zwei Modi – und ich schalte das im Kopf auch regelrecht um. Ausgerüstet mit 35er, 50er oder 90er ist es eine klassische M.

Ausgerüstet mit Stativ, einem 18er und ND-Filter ist sie das, was die DSLR früher für mich war. Tatsächlich fällt mir nichts mehr ein, was ich mit der neuen M 240 nicht machen könnte – sehen wir mal ab von allem, was einen schnellen Autofokus erfordert. Dort gibt es andere Platzhirsche.

Die M 240 ist somit durchaus die einzige Kamera, die ein Fotograf benötigt. M8/9 waren ja oft Zweitkameras – oder wenn sie hauptsächlich verwendet wurden, existierte noch eine kleinere Backup-Maschine. „Wenn es mal dunkler wird“ oder „Wenn ich Super-Weitwinkel brauche“ – so hörte ich oft – „nehme ich meine DSLR mit“. Mit der M (Typ240) ist das nun nicht mehr erforderlich.

Anwendung, Handling und aus dem Nähkästchen geplaudertes

Oberflächlich betrachtet sieht die M (Typ240) wie jede andere Leica M aus. Tatsächlich ist sie ein klein wenig schwerer als die M8/M9/M-E und auch etwas größer als die meisten spiegellosen Geräte. Trotzdem ist sie natürlich viel handlicher und leichter als eine DSLR. Sie trägt sich daher auch über längere Zeit angenehm, verursacht keine Rückenschmerzen und ihre schlanken Hochleistungsobjektive passen meist locker in die Jackentasche.

Wie Eingangs bereits erwähnt ist das Design minimalistisch, am ehesten mit dem Design von Apple-Produkten vergleichbar und konzentriert sich auf die wesentlichen Bedienelemente. Sowohl für die älteren Semester, die das Handwerk noch mit den analogen Geräten gelernt haben, als auch für Jüngere, denen die moderne Technik manchmal zu fummelig ist, bietet die Leica auf Grund der klassischen Bedienung mit Zeitenring und Blendenrad womöglich das Aha-Erlebnis. Wie früher.

Nun mag man an dieser Stelle anmerken, dass man nicht immer alles wie früher machen muss – wo bleibt denn da der Fortschritt? Ich wage jedoch zu behaupten, dass klassische Kameras in ihrer Einfachheit bereits die optimale Bedienung vorweggenommen haben. Alles, was später im Zeichen des Fortschrittes dazugebaut und erweitert wurde, ist eher geneigt, den Nutzer zu verwirren und bunte Prospekte vollzuschreiben (den Autofokus nehme ich hiervon ausdrücklich aus – das ist eine ganz andere Geschichte).

Worum geht es denn eigentlich in der Fotografie? Man erzeugt ein Bild indem man eine bestimmte Menge Licht auf einen Sensor / den Film einwirken läßt. Mit Hilfe der Blende und der Verschlusszeit regelt man, wie viel Licht wie lange einwirkt und bestimmt je nach Einstellung auch den Charakter des Bildes maßgeblich mit.

Ob ein Bild überbelichtet oder unterbelichtet ist, entscheidet in erster Linie der persönliche Geschmack des Fotografen. Klar, es gibt Regeln die genau sagen, wann ein Bild perfekt belichtet ist. Doch das ist nur Theorie, denn in der Praxis muss ein Bild mitunter falsch belichtet sein, um seine Wirkung zu erzielen und eine Aussagen zu treffen.

Unsere heutigen Geräte machen alles vollautomatisch. Da die Automatik aber nicht wissen kann, wie wir das Bild gestalten wollen, erzeugt sie mitunter unpassende Ergebnisse. Daher bieten die Geräte zum Beispiel die Möglichkeit, die ermittelten Belichtungswerte mittels Belichtungskorrektur wieder anzupassen, zu überschreiben.

Dies ist im Endeffekt genauso sinnlos, als würde ich eine Computersteuerung für ein Auto entwickeln und dann vor dem Lenkrad zwei Steuerhebel installieren, mit deren Hilfe ich wiederum den Computer korrigieren kann, wenn der automatisch das Lenkrad bewegt. Nichts anderes macht der Fotograf, wenn die Kamera anhand komplexer Berechnungen die optimale Belichtung ermittelt und er diese dann mit Hilfe der Belichtungskorrektur anpasst. Dann hätte er auch gleich manuell belichten können, oder?

Das ist nur eine von vielen Possen, die die technologische Entwicklung im Laufe der Zeit hervorgebracht hat, um den potentiellen Käufer zu beeindrucken – mit all den bekannten Nebeneffekten aus sinnloser, überbordender Technologie. Dazu gehören auch vielseitige Menüs mit endloser Verschachtelung oder Autofokusmodule, die mehr Einstellungsmöglichkeiten bieten als der Autopilot in einem Flugzeug (ja, ich weiss, wovon ich rede).

Klar, die meisten Consumer verstehen ihre Kamera noch weniger als ihre Ehefrau und knipsen eh immer auf Vollautomatik (erkennbar am stets ausgeklappenden Blitz). Aber selbst der Profi oder Hobby-Fotograf verläuft sich von Zeit zu Zeit in den Menüs, kriegt es nie hin, das Gerät optimal auf seine Bedürfnisse zu konfigurieren, übersieht wichtige Einstellungen oder findet bestimmte Optionen nicht, wenn er sie schnell mal braucht.  Selbst der simple Wunsch, die ganzen Automatiken einfach auszuschalten, erfordert mitunter das Bestätigen von mehreren Schiebeschaltern, Knöpfen und Menüpunkten und erzeugt manchmal ratlose Gesichter.

Worauf will ich hinaus? Wäre es nicht besser, einfache Geräte zu entwickeln, die der Nutzer versteht? Dem Bild sieht man die fancy Features der Kamera hinterher sowieso nicht an.

Bei der Leica funkt mir grundsätzlich keine komplexe Automatik irgendwo dazwischen und sorgt dafür, dass die Belichtung nicht stimmt oder dass bei der fotografierten Person die Ohren scharf sind (statt der Augen). Keine seltsame Flut von blinkenden Piktogrammen und Anzeigen läßt mich zweifeln, ob ich alles richtig eingestellt habe oder bringt mich zu der Frage: „Was bedeutet denn das Symbol nun wieder“? Ich muss noch nicht einmal den korrekten Autofokus-Mode und den passenden von 51 Autofokus-Sensoren auswählen (und darauf achten, dass ich in dunkler Umgebung einen Kreuzsensor erwische weil die Kamera sonst Probleme mit der Scharfstellung hat…)

Ich mache einfach nur ein Bild. Ist es unscharf oder schlecht belichtet, dann bin ich schuld.

demo_nikon_sony

Nikon und Sony: moderne Technik vereinfacht das Leben in allen Bereichen. Alles klar?

Nun, ganz so ist es nicht. Der Eine oder Andere wird bei meiner obigen Tirade schon etwas geschmunzelt haben, denn Tatsache ist: auch Leica kann sich mit der M (Typ240) nicht ganz dem von mir beschriebenen Trend entziehen und führt zusammen mit dem Live-View nun alternative Belichtungsmodi (fortgeschrittene Belichtungsautomatik) und zum Beispiel auch ein Rad für die Belichtungskorrektur ein (die Belichtungskorrektur selbst gab es auch schon in den älteren Modellen, nur etwas versteckter). Selbst ein Videomodus ist dazugekommen.

Insgesamt hat sich die Leica M (Typ240) daher leider etwas von der simplen Genialität einer M8/9/M-E entfernt. Man sieht zudem sofort – ein wenig mehr Technik erfordert deutlich mehr Einstellmöglichkeiten, die Menüs werden länger. Dennoch hält sich alles in gewissen Grenzen, man hat eine Chance, das Gerät nach wie vor schnell zu verstehen und einfach zu benutzen. Die Neuerungen drängen sich nicht auf, bestimmen und diktieren nicht die Arbeit. Die Automatiken sind eher Assistenten, die auf Wunsch zugeschaltet werden können.

Klassisches Arbeiten

Bedient der Fotograf das Gerät auf die klassische Art und Weise, arbeitet er manuell – ohne dafür explizit etwas ausschalten zu müssen. Er stellt dann – wie schon vor 60 Jahren – Blende und Belichtungszeit direkt am Gerät mittels feinmechanisch exakter Bedienelemente (gern auch mal blind) ein. Das haptische Feedback ist perfekt. All diese Bedienelemente funktionieren auch, wenn der Apparat ausgeschalten ist! Wenn ich mit der Leica unterwegs bin, passe ich sie oft immer wieder neu an die gegebene Licht- und Aufnahmesituation an, indem ich Blende und Verschlusszeit verstelle, ohne die Kamera vor das Auge zu nehmen. Begegne ich dann einem interessanten Motiv, kann ich sofort ohne Stress loslegen. Bei der DSLR musste ich immer erstmal anschalten/aufwecken, auf den Displays schauen, was denn überhaupt eingestellt war und dann meine Wahl treffen. Stehenbleiben, gucken, fummeln. Kamera ans Auge – Motiv verschwunden.

LeicaMblack_topPerfekte Ergonomie aus dem 20. Jahrhundert: Blendenring und Zeitenwahlrad, bedienbar auch ohne Strom, Quelle: Leica Camera

Generell ist es besser und einfacher, den Blendenring oder das Zeitenwahlrad der Leica mit wenigen Klicks exakt auf den gewünschten Wert zu drehen, als das Multifunktions-Drehrad an der DSLR von Blende 11 auf Blende 3.5 zu ratschen, bei Blende 2.8 zu landen weil man 3.5 nicht erwischt hat und wieder zurückzudrehen. Und nicht vergessen, vorher von Zeitautomatik auf Blendenprorität zu wechseln.

Und selbst wenn ich das Zeitenrad der Leica auf das rote A drehe und damit die Kamera die Belichtungszeit (anhand der von mir vorgegebenen Blende) ermitteln lasse, geschieht das relativ simpel und straightforward mittenbetont über eine Messzelle im Kameraboden. Nach ein paar Bildern weiss man, wie das System funktioniert und kann es gut einschätzen. Wünscht man stattdessen die neu hinzugekommene Mehrfeldmessung zu nutzen (die nach meiner Erfahrung auch keine wesentlich bessere Trefferquote hat, aber wesentlich aufwändiger arbeitet), muss man das explizit einschalten.

Aber Achtung! Mehrfeldmessung macht nur bei Benutzung des Live-View wirklich Sinn, da hier die Belichtung „vom Sensor“ abgenommen wird. Arbeitet man mit dem Messsucher, wird daher vor dem eigentlichen Auslösen der Sensor zur Belichtungsmessung geöffnet und wieder geschlossen. Das führt natürlich zu kleinen Verzögerungen. Im Messsucher-Modus sollte man daher immer die klassische Methode (mittenbetont) nutzen.

Zum Thema Belichtungsautomatiken hier eine kleine Anekdote: über längere Zeit habe ich die Leica M8/9 sowohl zusammen mit der Nikon D600 als auch später mit der Sony A7r verwendet – meist mit unterschiedlichen Festbrennweiten auf den Geräten. Gelegentlich habe ich aber auch Vergleichsfotos geschossen, einfach weil mich brennend interessierte, wie viel besser die aufwändige Mehrfeldmessung der D600/A7r gegenüber der steinzeitlichen Belichtungsmessung der Leica abschneidet. Zu meiner Überraschung war der Unterschied fast nicht vorhanden. Meist belichteten beide Geräte sehr ähnlich. Wenn es schwierig wurde, lagen sie meist beide daneben (wenn auch in verschiedene Richtungen), gelegentlich hatte die Leica sogar das bessere Händchen, manchmal aber auch die Kontrahenten. Den perfekten Sonnenuntergang oder die perfekte romantische Kerzenszene out of the box konnte keine einfangen – logisch. Bei beiden Systemen musste ich in solchen Situationen verschwenken und die Belichtung speichern um optimale Ergebnisse zu kriegen (oder gleich manuell arbeiten).  Bedenkt man nun, wie aufwändig eine moderne, komplexe Mehrfeldmessung von der Hard- bis zur Software so arbeitet, sind diese Resultate … erstaunlich. Aber eigentlich auch wieder nicht denn: im Endeffekt macht sowohl das einfache als auch das komplexe System nichts anderes, als auf Grund ihrer Messung eine bestimmte Kombination aus ISO, Blende und Belichtungszeit auszuwählen. Egal wie fein die Messung ausfällt: die relativ beschränkten Einstellmöglichkeiten (weder Blende noch ISO noch Zeit lassen sich stufenlos feinjustieren) nivellieren das Ergebnis wieder aus und am Ende nähern sich beide Systeme in ihrem Resultat an. Zumal es die optimale Messung oft nicht gibt, einige Bereiche sind dann so oder so abgesoffen oder ausgebrannt – wenn eine suboptimale Lichtsituation gegeben ist, kann auch die beste Automatik nicht zaubern.

Die aufwändige Mehrfeldmessung wird in meinen Augen erst dann richtig unverzichtbar werden, wenn man irgendwann in die Lage kommt, jeden Sensorpixel individuell belichten zu können.

Benutzung des Live-View

Unter Benutzung des Live-View oder zusammen mit dem optionalen (aber meiner Meinung nach unverzichtbaren) elektronischen Aufstecksucher transformiert sich das Gerät in eine Art „spiegellose Kompaktkamera“ – natürlich mit manuellem Fokus aber unter Zuhilfenahme des Fokuspeaking. Das kann durchaus Sinn machen und bietet in bestimmten Situationen einigen Komfort. Der monströse Frankenfinder kann nun z.B. im Schrank bleiben. Für mich persönlich wird die M dadurch endlich richtig weitwinkeltauglich. In diesem Modus mögen sogar die alternativen Belichtungsmethoden hier und da Sinn machen. Man kann sie dann ja nutzen, wenn man sie eh hat.

Überhaupt finde ich den schwenkbaren Aufstecksucher recht praktisch – sogar besser, als ein schwenkbares Display. Warum? Wenn man bei hellem Sonnenschein nichts auf dem Display erkennen kann, nützt einem auch der Schwenkmechanismus nichts. Deswegen habe ich im Urlaub das schwenkbare Display meiner A7r trotz aller Freude darüber letztendlich auch kaum benutzt.

Der Aufstecksucher hingegen ermöglicht immer den optimalen Durchblick – egal bei welchem Licht. Und da er schwenkbar ist, besteht trotzdem die Möglichkeit, aus interessanten Perspektiven zu fotografieren.

Somit ist die Kombi aus Messsucher (der jedem elektronischen Sucher überlegen ist), hinterem Display und schwenkbarem Aufstecksucher in meinen Augen unschlagbar und bietet in jeder Lebenslage eine optimale Lösung – besser geht es wirklich nicht mehr.

Zudem bieten Live-View und elektronischer Sucher an der M (Typ240) die Möglichkeit, beliebige andere Objektive zu nutzen – auch solche, die nicht mit dem Messsucher gekoppelt sind. Da wären zum Beispiel Leica-R-Schätze (die infolgedessen leider auch schon wieder im Preis gestiegen sind) als auch jedes andere Objektiv mit Adaptern. Durch das geringe Auflagemaß passt hier wirklich jedes Glas.

MR28-90EVF_rightZugegeben etwas unhandlich: Leica-R-Objektiv über Adapter an der M, gut nutzbar dank Live-View und elektronischem Sucher, Quelle: Leica Camera

Damit wird die Leica zu einer endlosen Spielwiese selbst für abgefahrene Experimente. Zum Beispiel freue ich mich schon darauf, das Pentacon 135mm „Bokeh-Monster“ auszuprobieren. Angesichts der Tatsache, dass Leica-Fotografen oft noch andere Kameras mit entsprechenden Optiken nebenbei besitzen, kann es durchaus ein spaßiges Unterfangen sein (wenn auch nicht immer sinnvoll), deren Objektive an die Leica zu setzen. Ich denke da auch an hochwertige DSLR/FE-Optiken von Zeiss, schöne Festbrennweiten von Nikon oder exotische Gläser von Canon. Denn wenn man eine bestimmte Brennweite nur selten benutzt, muss es vielleicht nicht immer die Leica-Optik im Gegenwert eines halben Kleinwagens sein.

Weitere Intimitäten

Leica hat nie groß darüber gespochen, aber tatsächlich ist der Messsucher in der M (Typ240) überarbeitet worden – hinsichtlich noch mehr Exaktheit und engerer mechanischer Toleranz (Quelle: LFI 01/2015). Der Rest ist gleich geblieben. Wie immer ist entweder die Belichtungswaage, oder im Modus A (dem einzigen Zugeständnis an die moderne Zeit) die automatisch ermittelte Belichtungszeit im Sucherfenster sichtbar.

Der Auslöser arbeitet nun mit zwei Stufen (statt 3 bei den vorigen digitalen Modellen). Stufe 1 speichert die Belichtung, Stufe 2 löst aus. Beim Auslösen eine angenehme Überraschung: der neue Auslöser in der M (Typ 240) ist angenehm leise – viel unaufdringlicher als das Klonk-Schnarr in der M8/9/M-E. Das ist wirklich diskret.

Hinten am Gehäuse ist der neue, große Bildschirm das zentrale Element. Leica hat es – wie bereits eingangs erwähnt – endlich geschafft, ein zeitgemäßes Display (in Größe und Auflösung) zu verbauen. Als Hilfe für das manuelle Fokussieren wurde sogar ein Fokus-Peaking integriert. Dabei werden die Bildbereiche mit hohem Kontrast (die scharfen Bereiche) farblich markiert, bzw. umrandet. Die Farben kann man nach eigenem Geschmack einstellen und die Technik ist natürlich nicht nur auf dem hinteren Bildschirm sondern auch im elektronischen Sucher verfügbar.

Allerdings muss man hier einschränkend erwähnen: die Leica markiert die scharfen Bereiche nur sehr dezent und entsprechend schwer erkennbar. Zwar könnte man in den Bildparametern die Schärfe und den Kontrast anheben, um das zu verbessern – damit verdirbt man sich aber unter Umständen seine JPG-Bilder. Dieser Workaround ist somit nur etwas für RAW-Fotografen.LeicaMblack_backEndlich: großes Display, angenehmere Tasten mit gutem Druckpunkt, Quelle: Leica Camera

Die wenigen Tasten der M (Typ240) wirken auf mich hochwertiger und haben einen besseren Druckpunkt als bei den Vorgängern. Bei der Navigation empfinde ich die Kombination aus Tastenkreuz und Drehrad als sehr angenehm. Ob sich die Tastenbeschriftung genauso schnell abgreift wie bei der M9 muss die Zukunft zeigen.

Ich hatte es bereits kurz angesprochen; das Menü selbst ist ein ganzes Stück länger geworden. Es teilt sich nun in einige Unterbereiche, verbleibt aber eine lange, durchscrollbare Liste. Der konsequente Verzicht auf verschachtelte Untermenüs wirkt sich positiv auf die Übersichtlichkeit aus.

Die Kamera ermöglicht im manuellen Bulb-Modus nur eine maximale Belichtungszeit von einer Minute. Ich habe nichts zur Ursache dieser Einschränkung gefunden – wahrscheinlich will Leica hier keine Kompromisse hinsichtlich des sich vermehrenden Rauschens bei längerer Betriebszeit (Wärme) eingehen (bei den Vorgängermodellen gab es diese Einschränkung übrigens nicht). Dazu kommt, dass das Gerät nach der Belichtungszeit jeweils eine gleich lange Belichtung gegen den geschlossenen Verschluss fährt und das so ermittelte Rauschmuster vom gemachten Bild abzieht. Diese Funktion gibt es auch bei anderen Geräten, nur läßt sie sich dort abschalten (ob das gut oder schlecht ist, sei dahingestellt).

Ich habe mir meine mit anderen Geräten gemachten ND-Filter-Bilder und Nachtaufnahmen einmal angeschaut und festgestellt, dass die meisten Belichtungen im Zeitraum zwischen 35 und 50 Sekunden lagen. Es finden sich kaum Bilder, die über eine Minute belichtet wurden – somit scheint die maximale Belichtungszeit von 60 Sekunden bei der Leica für die Masse der Anwendungen kein großes Problem darzustellen.

Eine weitere kleine, aber durchaus nennenswerte Verbesserung: der Stativanschluss ist jetzt fest mit dem Gehäuse verbunden und damit wesentlich stabiler als bei den Vorgängern, deren Gewinde nur in die Bodenplatte integriert war.

Tricks mit Live-View und elektronischem Sucher

Eine Funktion, die ich sehr schätze: wenn man nach dem Auslösen den Auslöser gedrückt hält, wird das soeben gemachte Bild im Display eingeblendet – solange, bis man den Auslöser eben wieder loslässt. Eine geniale Funktion – es erspart das Betätigen der Play-Taste und ermöglicht einen zeitlich individuellen, unauffälligen Blick.

Das funktioniert auch in Verbindung mit dem elektronischen Sucher. So muss man die Kamera nicht erst vom Auge nehmen um auf das hintere Display zu schauen und kann bei ungünstigen Sichtverhältnissen (blendende Sonne) zudem alles perfekt erkennen.

Bildqualität

Kommen wir nun zu dem, was den potentiellen M-Besitzer wahrscheinlich am meisten interessieren wird – das Thema Bildqualität. Wie schon gesagt, hier scheiden sich die Geister – vor allem in der Diskussion CCD-Sensor vs CMOS-Sensor.

L1000482.jpg1/60s, F8.0, ISO200

Vieles, was zu diesem Thema gesagt und geschrieben wird, gehört meiner Meinung nach in die Kategorie „Märchen und Sagen“. Allerdings sind auch mir zwei Dinge aufgefallen. Die vorigen Modelle erzeugen gelegentlich eine „filmischere“, „analogere“ Anmutung. Auch gebe ich gern zu, dass die M240 manchmal nicht die ultimative Schärfe und die hohe Plastizität / den Mikrokontrast einer M8/9/M-E erreicht. Der Unterschied ist aber so gering – manchmal ist es eher ein „gefühlter“ Unterschied – dass ich damit leben kann.

Man sollte bedenken, dass nicht nur der Sensor für die Charakeristik des Outputs verantwortlich ist, sondern auch die Art und Weise, wie die Kamera die Daten verarbeitet. Erst Recht, wenn sich bei einem neuen Modell sowohl Hardware als auch Software komplett geändert haben. Vielleicht messen wir dem Thema CCD vs CMOS daher eine viel zu große Bedeutung bei und die Unterschiede in der Wirkung des Outputs liegen eher in der internen Bildverarbeitung begründet.

Die RAW-Bilder der M (Typ240) zeigen beim Bearbeiten eine gewisse Seelenverwandschaft zur Sony A7(r) oder zur aktuellen Nikon-Reihe – was jedoch nicht notwendigerweise ein Nachteil ist, sondern sich einfach nur aus der höheren Dynamik und Robustheit der Files ergibt. Das bedeutet, dass die Leica sehr nahe an die Bildgiganten unserer heutigen Zeit herankommt – und das ist gut.

Um ehrlich zu sein, sie erreicht nicht ganz deren Niveau. Dafür produzieren diese Geräte aber auch Bilder, die manchmal eine zu klinische, sterile Anmutung haben.

L1000325.jpg1/250s, F2.4, ISO200

Der Maestro-Prozessor der Leica schlägt einen anderen Weg ein. Man versucht scheinbar nicht, den Output gar zu extrem in alle Richtungen zu pushen und elektronisch aufzuarbeiten. Gegenüber den Spitzenreitern fehlt ein wenig Dynamik und es fehlt ein wenig an Low-Light-Fähigkeit – dafür wirken die Bilder etwas lebendiger und bleiben auch dann voller Details und Farben, wenn man sie im RAW-Konverter mal etwas mehr ausquetscht und verbiegt. Am Ende macht das letzte Quentchen mehr Dynamik oder Low-Light-Fähigkeit einer Nikon/Sony das Kraut nicht wirklich fett. Ich habe mit beiden Kontrahenten intensiv im RAW gearbeitet und bin mit der Leica M wirklich nie in Situationen gekommen, in denen ich gedacht hätte: „Schade, mit dem Nikon-Sensor wäre das hier besser gelungen“. Das mag vielleicht auch daran liegen, das man mit fortschreitender Erfahrung besser und bewußter belichtet. Auch das eigene fotografische Ausgangsmaterial ist mittlerweile sicher etwas höherwertiger, als noch vor Jahren.

L1000436.jpg1/60s, F2.8, ISO200

Aber dennoch, gerade im Bereich ISO3200, bei wenig Licht, finde ich die Aufnahmen aus der Leica farbechter und detaillierter. Hier schlägt die elektronische „Glattbügelmaschine“ nicht so sehr zu und bewahrt daher mehr Informationen. Dafür produziert die M in solchen Situationen durchaus auch mal sehr provokantes und selbstbewußtes Banding in unterbelichteten Bereichen – man ist also angehalten, etwas sorgfältiger nach rechts zu belichten. Die Konkurrenz ist hier pflegeleichter.

L1000042.jpg1/25s, F8.0, ISO3200, aus der Hand

Grundsätzlich bin ich mit der ISO-Fähigkeit der neuen Leica jedoch absolut zufrieden. Mit der M9 beispielsweise wäre ich nie höher als ISO1600 gegangen – und diese Bilder konvertierte ich dann eigentlich immer in Schwarzweiss. Mit der M240 kann man guten Gewissens bis ISO3200 gehen und erhält immer noch feine Details und differenzierte Farben. ISO3200 ist somit sehr gut nutzbar und selbst ISO6400 sieht für einen Push-Modus immer noch relativ ordentlich aus.

L1000086.jpg1/60s, F2.8, ISO3200

Für mich persönlich zieht die Leica damit mit den meisten Kameras gleich, denn auch bei anderen Geräten bin ich nie höher als ISO3200 gegangen. Ab ISO6400 wird es – nach meinem persönlichen Geschmack – bei nahezu jeder Kamera unschön wird (sehen wir mal von der Nikon D4 oder der Sony A7s ab).

Bei Leica kommen freilich als Bonus noch die lichtstarken Optiken dazu, die sich bei Offenblende tatsächlich auch uneingeschränkt verwenden lassen.

L1000090.jpg1/90s, F2.4, ISO800

Eine Sache, die mir besonders aufgefallen ist, möchte ich noch anmerken. Es ist zwar völlig subjektiv, aber ich finde die Schwarzweiss-Konvertierungen aus der M (Typ240) einfach stark. Besser als die aus der M9 und ähnlich denen aus der M8 (die waren irgendwie magisch). Ich kann das nicht wirklich begründen, aber ich habe im Internet ähnliche Meinungen ausgemacht. Andere scheinen das auch zu fühlen. Generell sagt man: wer sich nicht 100-prozentig auf die Monochrom festlegen will, sollte die M (Typ240) nehmen. Die konvertierten Bilder kämen denen aus der Monochrom zumindest nahe.

L1000514.jpgBeispiel für eine Konvertierung nach S/W

L1000514-Bearbeitet.jpg1/90s, F4.8, ISO2500

L1000470-Bearbeitet.jpg1/60s, F4.8, ISO320

L1000472-Bearbeitet.jpg1/90s, F6.8, ISO1000

L1000527-Bearbeitet.jpg1/60s, F13, ISO1250

L1000531-Bearbeitet.jpg1/90s, F11, ISO1250

L1000528-Bearbeitet.jpg1/60s, F13, ISO640

Der Leica-Konkurrent Sony A7r vs das Original Leica M240

Ich nutzte sowohl die Sony A7r als auch die Leica M (Typ240) längere Zeit parallel. Tatsächlich war mir die Leica rückblickend in der Anwendung angenehmer – deswegen durfte sie bleiben. Das lies sich natürlich nicht mit Features begründen – die Sony hat durchweg mehr davon, sie ist ein richtiges Feature-Monster.

Sie wurde anfangs als Leica-Konkurrent gehandelt. Diesen Vorschuss-Lorbeeren konnte sie letztendlich nicht vollends gerecht werden, weil sich eben nicht jedes Leica-Glas bedenkenlos adaptieren lies (siehe hier mein Testbericht dazu).

Anmerkung: Ende 2014 nahm die Sony A7s die Rolle des Leica-Konkurrenten ein. Dieses Gerät arbeitet mit Leica-Glas sehr gut zusammen und ergänzt die M hervorragend hinsichtlich ISO-Fähigkeit. Dafür muss man Abstriche bei der Auflösung hinnehmen, 12 Megapixel sind für gelegentliches Croppen schon relativ wenig.

Für mich war besonders interessant zu sehen, dass die A7r in den Schlüsselbereichen Handling, ISO-Fähigkeit und Dynamik der Leica M (Typ240) sehr ähnlich ist.

Zur ISO-Fähigkeit möchte ich auf meine unwissenschaftlichen Vergleichsaufnahmen verweisen – abgesehen vom Banding bei vollkommen unterbelichteten Bereichen ist die Leica nicht wesentlich schlechter. Auch bei der Sony ist bei ISO6400 wirklich Schluss (etwas glattgebügelter als die ISO6400 der Leica). Die beiden Push-Funktionen der Sony (ISO 12800 und 25600) sind nur für die Feature-Listen gedacht und können nicht wirklich ernsthaft verwendet werden. Sicherlich könnte Leica soetwas auch anbieten, verzichtet aber konsequenterweise darauf. Was soll es auch bringen – außer Rauschen und miesen Bildern?

DSC02748.jpgBildausschnitt Sony A7r, ISO6400, 1/30s, F2.8

L1000014.jpgBildausschnitt Leica M (Typ240), ISO6400, 1/30s, F2.8

DSC02746.jpgBildausschnitt Sony A7r, ISO3200, 1/125s, F6.3, in vollkommen abgesoffenen Bereichen…

L1000005.jpgBildausschnitt Leica M (Typ240), ISO3200, 1/125s, F6.3, …zeigt die Leica ausgeprägtes Banding. Aber wer macht schon solche Bilder.

Aber kommen wir auf das Thema Handling zu sprechen. Die Sony hat einen Autofokus – da kann die Leica doch nicht mithalten!

Ich gebe zu, der Autofokus ist eine sehr schöne, bequeme Sache und eine Kamera ohne Autofokus ist eigentlich undenkbar, oder? Wenn ich mir meine fotografische Realität so anschaue, mache ich sehr oft Bilder von Gebäuden, Dingen oder Landschaften mit weitwinkeligen Objektiven und relativ geschlossener Blende. Bei solchen Bildern liegt der Fokus auf unendlich. Kein Autofokus notwendig.

Okay, schauen wir uns das andere Extrem an. Aufnahmen mit Offenblende, Detailaufnahmen, Portraits. Liegt das Hauptmotiv seitlich, muss man mit der Leica beim Fokussieren immer verschwenken. Mit dem Autofokussystem der Sony (oder jeder anderen modernen Kamera) kann man dagegen einen bestimmten seitlichen Autofokus-Sensor anwählen und so absolut präzise arbeiten. Mal ehrlich, wer tut sich das Gefummel denn an? 99% der Fotografen zielen mit dem mittleren Autofokus-Sensor und verschwenken dann. Das mag einen Ticken schneller als manuell mit dem Messsucher gehen, aber genauer wird es so auf keinen Fall.

Nun könnte man einwenden, dass die A7r ja Gesichtserkennung – sogar Augenerkennung hat! Das stimmt und ist sehr schön, in der Praxis konnten mich jedoch beide Systeme nicht wirklich überzeugen. Zwar erkannte die Kamera ein Gesicht und stellte einen Rahmen darum dar, gelegentlich wurde der Rahmen beim Fokussieren auch grün – sehr oft verschwand er aber beim halben Durchdrücken des Auslösers wieder, was mir Rätsel aufgab. Hatte ich nun mit Gesichtserkennung fotografiert oder nicht? Oder lag ein Bedienfehler vor? Das beiliegende Handbuch war jedenfalls nicht dazu geeignet, sich darüber genauer zu informieren.

Noch schlimmer war die Sache mit der Augenerkennung. Diese musste nämlich mit einer gesonderten Taste extra aktiviert werden und sollte ermöglichen, dass das Gerät exakt auf die Augen fokussiert. Scheinbar klappte das aber nur, wenn vorher die Gesichterkennung aktiv war. Meist verwackelte ich die Kamera beim Drücken des Knopfes für die Augenfokussierung derart, dass das Gerät wieder alle erkannten Gesichter verlor. Und wenn ich es nach Fingerkrämpfen geschafft hatte, das ein kleines grünes Viereck um die Augen erschien, verschwand auch das wieder beim halben durchdrücken des Auslösers.

Es steht hier nicht zur Debatte, ob die Sony tatsächlich so fummelig war, oder ob ich nur zu blöd war, sie zu bedienen. Fakt ist, dass die A7r auch ohne Gesichtserkennung immer scharfe Portraits geschossen hat. Fakt ist aber auch, dass es einfach unschön ist, wenn man im entscheidenden Moment von Technik abgelenkt oder gar irritiert wird – dann verwandeln sich nämlich die elektronischen Hilfen in elektronische Behinderungen. Zumindest sollte es für den Notfall eine Bedienungsanleitung geben, die den Namen auch verdient. Die Anleitung, die der Sony beiliegt, ist eine Beleidigung.

L1000141.jpg1/90s, F8.0, ISO200

Generell fragte ich mich oft, ob ich wohl die Kamera überhaupt optimal nutzte, weil ich mich nie eingehend mit den verschiedenen Autofokus-Modi beschäftigte und auch nie – abhängig von der Situation – andere Autofokus-Punkte- oder Modi auswählte. Verschenkte ich hier vielleicht Potential? Ich hasse solche Gedanken denn sie machen mich unzufrieden. In der Realität fehlt einem beim Fotografieren aber einfach oft die Zeit, alles zu analysieren und stundenlang optimal einzustellen.

Die Leica gibt mir in dieser Hinsicht keine Rätsel auf. Ich mag zwar mit dem Messsucher hier und da ein klein wenig langsamer sein – aber ich setze die Schärfe selbst und habe die volle Kontrolle. Ich zerbreche mir nicht den Kopf, weil die Kamera nicht so will wie ich. Und ich fummle nicht mit Taste herum um bestimmte Modi umzuschalten. Ich bin nicht durch Technik abgelenkt.

Der Leser soll mich nicht falsch verstehen. Grundsätzlich sage ich: es gibt genügend Anwendungsgebiete, bei denen der Autofokus einfach unverzichtbar oder zumindest die sicherere Alternative ist. Gerade Fotografen, die einfach Durchsatz mit hoher Qualität liefern müssen, brauche ich nicht mit manuellem Arbeiten zu kommen. Aber für mich persönlich ist der fehlende Autofokus meistens kein großer Verlust.

L1000138.jpg1/90s, F2.4, ISO200

Schauen wir uns den elektronischen Sucher der A7(r) an. Ein faszinierendes Stück Technik mit sehr hoher Auflösung. Der Laie kann gar nicht mehr genau sagen, ob er durch eine Optik oder auf eben jenes 0,5-Zoll-große Display mit 2.359.296 Bildpunkten schaut.

Ich hatte sowohl die A7r als auch die Leica M bei allen Lichtverhältnissen dabei. Eine rechts, eine links. Eigentlich hatte ich erwartet, dass mir als Brillenträger der Sonysucher mehr liegt. Warum? Bei der Leica kann man mit Brille die Sucherrahmen ab 35mm und weniger nicht mehr richtig überschauen – in der A7 hingegen sieht man immer alles auf einen Blick. Der A7(r)-Sucher hatte für mich jedoch einen entscheidenden Nachteil: bei hellem Sonnenschein sickerte immer störendes Licht zwischen meiner Brille und der Kamera ein – ich musste den Sucher trotz Suchermuschel bei solchen Bedingungen permanent mit der Hand nach oben abschirmen. Das war ziemlich nervig und unbequem.

Bei der Leica war das Sucherbild immer absolut natürlich, hell und klar – vor allem aber frei von Lichteinflüssen. Als würde man durch ein Fenster schauen. Das zeigte mir: es geht einfach nichts über einen optischen Sucher – egal, wie gut die Elektronik inzwischen geworden ist.

Auch die Tatsache, dass man mehr sieht, über die Ränder des eingeblendeten Sucherrahmens hinaus, wirkt sich positiv auf die Bildgestaltung aus. Man kann das Umfeld des Bildes mit in die Motiv-Überlegungen einbeziehen.

Somit war mir der Messsucher trotz seiner Einschränkungen insgesamt angenehmer. Er ist einfach größer, heller und übersichtlicher als der elektronische Sucher der Sony – egal bei welchen Lichtverhältnissen.

Die fehlende Möglichkeit, wirklich alle Brennweiten korrekt zu überblicken, gleiche ich mit dem optionalen elektronischen Aufstecksucher aus.

L1000323.jpg1/60s, F2.8, ISO400

Noch ein großer Vorteil der A7(r) – so dachte ich anfangs – könnte das bewegliche Display sein. Ich ging davon aus, dass ich diese Funktion oft für ungewöhnliche Blickwinkel nutzbar wäre. In der Realität war das jedoch eher selten der Fall, weil sehr helles Tageslicht die Nutzung des Displays oft einschränkt – erst recht, wenn man es nach oben klappt, um aus einer tiefen Position heraus zu arbeiten.

Die Leica stellte sich hier als angenehmere Lösung heraus – wenn man sie mit dem optionalen elektronischen Klappsucher benutzt. Damit kann man nämlich auch sehr schöne Aufnahmen aus tiefen Positionen machen – braucht sich jedoch nicht vom Sonnenlicht stören zu lassen, da man ja das Auge am Sucher hat. Ich bin hier gegenüber der Sony etwas unfair – immerhin ist der elektronische Sucher nicht im Lieferumfang der Leica enthalten – dennoch bietet er eine Option, die es so mit der A7(r) einfach nicht gibt. Auch nicht optional.

Nach diesen Erkenntnissen würde ich heutzutage immer einen Winkel/Klappsucher einem beweglichen Display vorziehen. Einfach, weil er in Summe nützlicher ist und man nicht durch ungünstige Lichtverhältnisse eingeschränkt wird.

L1000133.jpg1/60s, F11, ISO400

Zu den Bedienelementen muss ich gar nicht mehr viele Worte verlieren. Bei der Leica werden die Blende klassisch über den Blendenring am Objektiv und die Verschlusszeit über das Zeitenrad eingestellt. Schnell, logisch und auch dann, wenn die Kamera ausgeschaltet ist. Zudem habe ich an jedem Objektiv eine Skala für die Tiefenschärfe. So kann ich bereits vorher je nach ungefährer Situation einige Einstellungen vornehmen und bin am Ende schneller bereit. Die Sony hingegen muss ich erst einschalten/aufwecken, bevor ich die Einstellungen vornehmen kann. Für Blende/Zeit kann ich zwei Drehräder nutzen – wie bei der klassischen DSLR. Allerdings dauert damit das Verstellen insbesondere der Blende einfach länger und erfordert mehr Aufmerksamkeit. Zugegeben, wir reden hier über wirkliche Kleinigkeiten. Aber genau diese Kleinigkeiten sind es, die mir in der täglichen Benutzung immer wieder auffallen.

Manche mögen sich zum Beispiel daran stören, dass die Leica keine Kreativmodi, Motivprogramme oder ähnliche Features hat. Ich empfinde das als angenehm, da dadurch die Menüs entrümpelt werden und man keinen unnützen Ballast mit sich rumschleppt. Ich wüsste nicht, wann ich jemals im Leben ein bestimmtes Motivprogramm ausgewählt habe. Auch hier wieder mein Argument von vorhin: will man die spannende Szene jetzt fotografieren oder lieber riskieren, dass alles vorbei ist bevor man das perfekte Motivprogramm aus einer Auswahl von 20 herausgesucht und eingestellt hat? Wer nutzt denn solchen Krempel überhaupt?

Ich möchte hier aber auch eine Lanze für die Sony A7(r/s) brechen: die Funktion „Fokus-Peaking“ (Kontrastverstärkung) ist schlicht besser umgesetzt, denn im Gegensatz zur Leica kann man bei der Sony die Stärke des Effektes individuell einstellen. Bei beiden Geräten ist die Farbe des Fokus-Peaking wählbar. Allerdings reicht das bei der Leica mitunter nicht für gute Sichtbarkeit aus, weil sie eher dezent markiert. Ich hatte bereits einen Workaround geschildert: durch Anheben der Bildparameter Schärfe/Kontrast könnte man die farbigen Markierungen auf dem Display der M etwas deutlicher machen. Damit verdirbt man sich jedoch unter Umständen seine JPGs – daher funktioniert dieser Tipp nur für RAW-Fotografen.

L1000343.jpg1/90s, F13, ISO800

Im Moment hat die Leica noch die interessantere Auswahl an Optiken zu bieten. Ein schier unerschöpflicher Fundus aus allen Epochen, gebraucht oder neu, in allen Preislagen und mit unterschiedlichstem Charakter erschließt sich hier. Zusätzlich kann man wirklich alles, was es gibt, mittels Adapter an die Messsucher-Kamera anschließen.

Auch an die A7(r) kann man viele Optiken adaptieren – die meisten Leica-Weitwinkelkonstruktionen wegen lila Rändern jedoch nicht. Und die native Objektiv-Auswahl ist selbst im Dezember 2014 noch relativ übersichtlich – auch hinsichtlich der maximalen Lichtstärke.

Schauen wir zum Abschluss nochmal kurz auf das Thema Dyamik. Die Sony bietet hier eine fantastische Leistung. Beim DXO-Mark erhält sie herausragende 95 Punkte. Dynamik (Landschaft) wird mit 14.1 Blendenstufen angegeben, die Farbtiefenperformance liegt bei 25.6 bits. Low-Light-ISO ist mit 2746 angegeben. Damit erreicht die Kamera per 26.11.2014 den Rang 3 nach der Nikon D810 und D800E. Die Qualität der Sony kann ich absolut bestätigen: das Gerät ist eine Fotomaschine, sie fängt geradezu die Realität ein. Die gewaltige Menge an Daten, die man aus einem RAW herauskitzeln kann, vor allem im Bereich der Tiefendetails, ist beeindruckend. Selbst größere Schnitzer bei der Belichtung lassen sich so noch problemlos retten und ausgleichen – im Umkehrschluss muss man manchmal gar kein fotografisches Können mehr aufbringen, solange man gut mit Lightroom und/oder Photoshop umgehen kann.

Die Leica M landet im DXO-Mark dagegen nur auf Platz 20 – bei insgesamt 282 Kandidaten (Stand 12/2014). Um die ermittelten Daten aus Gründen der Vergleichbarkeit erneut zu nennen: Dynamik bei 13.3 Blendenstufen, Farbtiefenperformance bei 24 bit, Low-Light-ISO bei 1860.

Allerdings muss man das in die richtige Perspektive rücken. Denn selbst ausgesprochene Profi-Maschinen liegen auf ähnlichen Platzierungen wie die Leica, die Canon 5D Mark 3 z.B. auf Platz 35, die Canon 1Dx auf Platz 31, die fabelhafte Sony A7s nur auf Platz 18 und die legendäre Nikon D4s auf Platz 15 (Stand 12/2014).

L1000067.jpg1/90s, F5.6, ISO500

Dies zeigt vor allem eins: die oberen 40 Plätze des DXO-Mark sind verdammt eng aneinander und es ist falsch, die Fähigkeiten und Qualitäten nur an diesen Platzierungen zu messen. Gelegentlich suggerieren die Ergebnisse Qualitätsunterschiede, die in der Realität kaum auffallen oder in bestimmten Anwendungsbereichen einfach irrelevant sind. Was man mit gutem Gewissen interpretieren kann: die Leica M (Typ240) reiht sich hinsichtlich Bildqualität perfekt in die Liga moderner Profimaschinen ein. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber wir wollten ja auf das Thema Dynamik schauen und hier kann ich ganz klar sagen: der tatsächlich erkennbare Unterschied zwischen der Sony A7r und der Leica M (Typ240) – zwischen Platz 3 und Platz 20 – ist in der praktischen Benutzung minimal. Man kann in den Tiefen bei der A7r vielleicht einen Ticken mehr an Details herauskitzeln, allerdings ist das vollkommen irrelevant wenn man als Fotograf weiss, was man tut und das Bild von vornherein halbwegs korrekt belichtet.

Wie sollte es auch anders sein? Heerscharen von Profis arbeiten mit der Canon 5DM3 – der Leser erinnert sich; die liegt nur auf Platz 35. In den Händen eines erfahrenen Fotografen schwinden die Unterschiede und sind schließlich kaum noch von Relevanz. Dafür treten andere Dinge in den Vordergrund, die der DXO-Mark nicht erfasst.

Damit möchte ich diesen kleinen Vergleich zwischen Sony A7r und Leica M (Typ240) abschließen. Für mich ist die Sony A7r nirgends entscheidend besser – ich bevorzuge im Gegenteil das Handling der Leica. Ich spreche hier aber ausschließlich für mich. Letztendlich sind beide Geräte bemerkenswerte Kameras – mit unterschiedlicher Bedienphilosophie. Beide können brilliante Ergebnisse liefern, beide machen viel Spaß und nur weil ich die Leica bevorzuge, würde ich niemals einem anderen vom Kauf der Sony abraten.

Objektive

Entgegen der landläufigen Meinung findet man zur M (Typ240) Objektive in jeder Preisklasse. Selbst wenn man sich den Body nur mit viel Mühe leisten kann, wird man für den Anfang durchaus attraktive, bezahlbare Optiken dafür finden. Aus dem Hause Leica sind hier die älteren Gläser einen zweiten Blick wert – viele Fans nutzen diese Gläser wegen des eigenen Charakters – einer Art Old-School-Look – sogar ausgesprochen gern.

Eine Alternative sind auch Dritthersteller wie Zeiss oder Voigtländer. Ein guter Griff für den Anfang könnte hier das kleine aber feine Voigtländer Nokton Classic 1.4/35mm für 500-600 EUR sein. Der Preis ist für diese Qualität und die Lichtstärke ausgesprochen attraktiv.

Ein weiteres interessantes Voigtländer-Glas (mit dem ich leider nicht so gute Erfahrungen gemacht habe) ist das hochgelobte Nokton 1.2/35mm Asph II. Mein Erfahrungsbericht dazu findet sich hier.

Vorsicht ist bei älteren Superweitwinkelgläsern geboten, wie z.B. dem Voigtländer Color Skopar II – F4.0/21mm. Die M8 mit ihrem Cropsensor kam damit noch einigermaßen klar (hier mein Testbericht), bei M9 und M (Typ240) ist der Einsatz nicht mehr zu empfehlen. Solche Optiken erzeugen an den digitalen Leicas konstruktionsbedingt in den Ecken lila Farbsäume, bzw. verlieren dort ganz allgemein stark an Qualität (Verzerrung, mangelnde Schärfe). Einige Exemplare (wie das Voigtländer 12mm F5.6 Ultra Wide Heliar) lassen sich zumindest eingeschränkt verwenden. Ich empfehle dazu diesen Artikel, wo unter anderem darauf eingegangen wird.

Natürlich gibt es Hartgesottene, die solche Objektive trotzdem verwenden und Farbstiche mittels Software herausrechnen (CornerFix). Es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich das antun will.

Was man jedoch in jedem Falle bei Drittobjektiven tun sollte: im Menü der Leica ein in Brennweite und Lichtstärke ungefähr passendes Leica-Objektiv einstellen. Die Kamera verhält sich dann so, als wäre dieses eingestellte Original-Objektiv angesetzt. Sie nimmt interne Korrekturen vor und rechnet insbesondere Farbverschiebungen und Vignettierungen (selbst aus dem RAW) heraus. Das macht durchaus bei allen Brennweiten Sinn.

Wenn man (wie ich) vergesslich ist, kann man das Objektiv auch mit einem Permanent-Marker markieren um dem Gerät das entsprechende Leica-Glas vorzugaukeln (und nicht jedesmal die Menüeinstellung machen zu müssen). Schablonen dafür gibt es hier im Netz, zusammen mit einer Tabelle, aus der gleich noch ersichtlich ist, welchem Leica-Objektiv das genutzte Dritt-Objektiv ungefähr entspricht.

m8_test_m8_frontM8 mit Voigtländer Nokton Classic 1.4/35mm – ein kleines feines Glas mit ähnlichem Charakter wie die älteren Summiluxe (pre-asph)

Möchte man sich auf die Jagd nach günstigen Drittobjektiven begeben, empfiehlt sich eine ausgiebige Suche bei Ebay und Co. Eine gute Anlaufstelle sind selbstverständlich auch das Leica-User-Forum, das DSLR-Forum (mit eigenem Marktplatz) oder Leica-Stores mit Gebrauchtmarkt, wie z.B. Meister Camera. Im Raum Dresden kann ich QF-Foto empfehlen.

Zu beachten ist in jedem Falle, dass das Objektiv einen M-Anschluss (keinen Schraubanschluss) hat und möglichst auch mit dem Messsucher gekoppelt ist.

Voigtländer Nokton 1.2/35mm Asph II – bezahlbare Konkurrenz zu den Noctilux-Gläsern aus dem Hause Leica

Natürlich kann man auch seine eigenen alten Schätzchen von Nikon oder Canon mittels entsprechender Adapter weiter nutzen (bitte nicht den billigsten EBAY-Adapter auf ein Gerät in dieser Preisklasse schrauben!). Allerdings sind diese Optiken dann natürlich nicht mit dem Messsucher gekoppelt und lassen sich nur mit Hilfe des Live-View (oder dem optionalen elektronischen Sucher) manuell fokussieren. Daher macht das auch nur an der M (Typ 240) wirklich Sinn, denn die Vorgänger haben bekanntlich keinen Live-View. Bei DSLR-Gläsern braucht man sich aber wenigstens keine Sorgen bei der Verwendung von Superweitwinkel-Optiken machen – das klappt in diesem Falle bauartbedingt gut.

Auch für die Besitzer älterer Leica-R-Gläser (aus Leicas „altem“ Spiegelreflexsystem) bietet sich die neue M nun wieder an. Leica verkauft dazu einen speziellen Adapter. Leider hat das zwischenzeitlich dazu geführt, dass einige interessante R-Gläser mittlerweile im Gebrauchtpreis wieder gestiegen sind.

Die aktuell produzierten Leica-Gläser liegen meist in der gehobenen Preisklasse. Wie überall gilt auch hier: je lichtstärker, desto teurer. Leica verwendet ein Namens-Schema, um die Lichtstärke der Gläser deutlich zu machen.

So bieten die Summiluxe eine Lichtstärke von F1.4 und erzeugen bei der Nennung des Preises meist Schnappatmung. Die Summicrone stellen die mittlere Preisklasse dar und überzeugen immer noch mit Lichtstärke F2.0. Von dieser Produktlinie verwende ich das aktuelle Summicron 35mm – hier findet sich der Testbericht dazu. Mit Lichtstärke F2.4 bilden die Summarite eine verhältnismäßig günstige Einstiegslinie ohne dass man dabei auf die Leica-Qualität verzichten muss. Ich selbst verwende das fabelhafte Summarit 90mm sehr gern und kann auch dazu einen Testbericht anbieten.

LeicaSummilux-M_35_silver_frontDas Summilux-M 1.4/35mm Asph mit floating element gilt als eins der besten 35mm die man für Geld kaufen kann.

Weitere Produktlinien sind die Elmarite (Lichtstärke F2.8) – ein prominentes Beispiel ist das günstige, beliebte und kleine Elmarit-M 2.8/28mm Asph. Bei einigen wenigen Weitwinkeloptiken findet man die Bezeichnung Super-Elmar für Lichtstärken zwischen F3.4 und F3.8. Das von mir verwendete Super-Elmar-M 3.8/18mm Asph ist so ein Exemplar. Wer im Weitwinkelbereich hauptsächlich mit Stativ arbeitet, sollte hier fündig werden, den Lichtstärke ist dann nicht unbedingt der ausschlaggebende Faktor.

APO-Summicron-M50mmf2Das Apo-Summicron-M 2.0/50mm Asph – wie der Name schon sagt ein Apochromat mit legendärer Abbildungsleistung

Zwischendrinnen spuken noch ein paar Sonderformen wie das legendäre Elmar-M 50mm in verschiedenen Bauweisen herum, aber auch ein Tri-Elmar-M 4.0/16-18-21, eine Art Weitwinkel-Zoom welches man auf die Brennweiten 16mm, 18mm oder 21mm umschalten kann (kein Zoom).

Eine Sonderstellung nimmt das Noctilux ein. Diese 50mm-Konstruktion zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Lichtstärke von bis zu F0.95 (je nach Epoche) aus. Zusammen mit den Apochromaten, zu denen ich gleich komme, bildet das Noctilux die konstruktive Sperrspitze im Objektivbau.

Apochromate sind Objektive, bei denen Farbfehler besonders aufwändig auskorrigiert sind. Bei Leica tragen Objektive dieser Bauart die Präposition APO im Namen (z.B. Apo-Summicron 2.0/50). Sie erzeugen ganz besonders scharfe und detailreiche Bilder. Während die APOs also außergewöhnlich gute Bildqualität bieten, liefert das Noctilux außergewöhnlich hohe Lichtstärke.

LeicaNoctilux-M_silver_frontDas Noctilux – ein Name wie ein Donnerhall. Lichtstärke F0.95 – trotzdem gestochen scharf, 50mm Brennweite

Diese kleine Übersicht erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Geschichte von Leica-M-Objektiven geht Jahrzehnte zurück und somit hat sich mit der Zeit ein ganzes Universum von Versionen und Varianten gebildet. In Fankreisen sorgt dieses Thema für schier unerschöpfliche Diskussionen und Erörterungen. An dieser Stelle möchte ich Erwin Puts und seine Bücher empfehlen. Eine ältere Version seines Leica-Lens-Compendiums kann man über diesen Link kostenlos herunterladen. Dort wird die Leica-Objektivwelt auch aus technischer Sicht in epischer Breite besprochen.

Welche Brennweiten würde ich für die Leica M (Typ240) empfehlen?

Für den Anfang, je nach persönlichem Geschmack, entweder ein 50mm oder ein 35mm. Abhängig von der finanziellen Ausstattung kann man hier auf Drittanbieter (Voigtländer, Zeiss) oder eben Leica zurückgreifen. Soll es trotz schmalerem Budget etwas von Leica sein, kann ich die Summarite wärmstens empfehlen. Auf dem Gebrauchtmarkt sind aber auch die Summicrone in allen Varianten relativ günstig erhältlich. Die aktuellen Versionen erkennt man meist am Namenszusatz Asph.

LeicaSummarit-M_90_silver_frontFeines, leichtes 90mm-Objektiv für Normalsterbliche: das Summarit-M 2.4/90mm.

Nach oben würde ich später mit einem 90er Summarit abrunden (preiswert und gut), nach unten, je nach Geschmack, mit einem Super-Elmar-M 18 oder Super-Elmar-M 21. Einen zweiten Blick ist auch das kleine Elmarit-M 2.8/28mm wert.

Auf die sehr teuren Gläser mit den hohen Lichtstärken lege ich seit der M (Typ240) mit ihrer besseren Low-Light-Fähigkeit keinen gesteigerten Wert mehr. Wenn es denn unbedingt ein Summilux sein muss, dann am ehesten noch das 50mm – weil es von allen Summiluxen das günstigste, eine sehr universelle Brennweite – und vor allem ein absoluter Klassiker ist.

LeicaSummarit-M_50_black_frontKompaktes und handliches Paket an der M (Typ240): das Summarit-M 2.4/50mm.

Zubehör

An dieser Stelle ein kurzer Hinweis in eigener Sache: in der Szene haben sich englische Begriffe wie Halfcase oder Strap eingebürgert und ich verwende diese auch im folgenden Text. Ein Halfcase ist eine halboffene Bereitschaftstasche für die Kamera, man könnte auch Protektor sagen. Ein Strap ist schlicht ein Kameragurt.

Man darf die digitale Leica M-Serie durchaus als Erfolgsprodukt mit einer gewissen Beständigkeit bezeichnen und wie immer hat sich daher im Laufe der Zeit ein kleines Ökosystem an Zubehör verschiedenster Art und Weise gebildet.

Es gibt alles zu kaufen, was das Herz begehrt – von technischen/optischen Erweiterungen bis hin zu einer unübersehbaren Anzahl von Taschen und modischen Accessoires. Die Leica wird gern von Individualisten gekauft und diese Individualität scheinen manche auch dem Gerät selbst angedeihen zu lassen. Ein Teilaspekt des künstlerischen Ausdrucks sozusagen.

Das für mich wesentlichste Zubehörteil ist der elektronische Sucher EVF-2. Er ist baugleich mit dem Olympus VF-2 und doppelt so teuer. Angeblich kann man den Olympus ebenso verwenden, gelegentlich soll das aber zu kleinen Aussetzern führen. Der EVF-2 ist schwenkbar. Seine Auflösung ist mittlerweile etwas niedriger als der übrige Standard, das Bild ist aber trotzdem hell, klar und hat ganz allgemein eine hervorragende Anmutung. Über den Nutzen des Sucher habe ich mich ja schon im Laufe dieses Textes immer wieder geäußert. Ich nutze ihn vor allem in Verbindung mit Drittobjektiven, meinem Super-Elmar-M 18mm oder wenn ich außergewöhnliche Blickwinkel benötige. Deswegen habe ich ihn auch fast immer in der Hosentasche dabei.

Ein weiteres interessantes Teil von Leica ist der Multifunktionshandgriff M. Er verbessert nicht nur die Ergonomie (vor allem in Verbindung mit schweren Objektiven), sondern er beinhaltet ebenfalls ein GPS, einen SCA-Blitzanschluss und einen USB-Port (mit dessen Hilfe man die Kamera zwecks Übertragung von Bildern während des Shootings mit einem Computer koppeln kann).

Daneben existiert auch noch ein simpler Handgriff ohne technische Features, der einfach nur die Handhabung etwas verbessert.

Beide Handgriffe können zudem optional mit Fingerschlaufen in verschiedenen Größen ausgestattet werden. Wie ich aus dem Leica-Forum erfahren habe, können sich diese Schlaufen allerdings möglicherweise bei Gebrauch lösen. Für ein Produkt in dieser Preisklasse ist das natürlich etwas peinlich.

Für alle Besitzer alter R-Objektive von Interesse: der R-Adapter. Er überträgt sogar den Typ des angesetzten R-Objektivs an die Kamera (für Korrekturen und Exif-Daten). In Verbindung mit dem elektronischen Sucher ist das eine sehr schöne Lösung, um z.B. die sehr guten R-Zooms auch einmal an der M zu nutzen.

MR70-180handgripEVFKomplettpaket: Handgriff mit Fingerschlaufe und GPS, R-Objektivadapter, elektronischer Sucher, Quelle: Leica Camera

Darüberhinaus bietet Leica natürlich eine ganze Reihe von optischen Aufstecksuchern an (individuell zu den Weitwinkelobjektiven), Kabelauslöser, Blitze verschiedener Leistungsstufen, hochwertige Stative und sogar relativ schicke Halfcases (Protektoren) oder Bereitschaftstaschen.

Leicatravellertripod_Ballhead38Gerade beim Thema Halfcases und Taschen existiert aber auch ein sehr großer Markt von Drittherstellern, die für jeden Geschmack etwas anbieten. Besonders hervorzuheben ist hier z.B. Leicatime (nicht von der Webseite abschrecken lassen). Luigi von Leicatime bietet selbst ausgefallene Dinge wie modifizierte Bodenklappen (zum direkten Wechseln der SD-Karte) in Verbindung mit passenden, unten offenen Halfcases an.

Eine ähnlich gute Adresse ist die Webseite von Angelo Pelle. Er bietet zusätzlich zu den obligatorischen Straps und Halfcases auch noch Kamerataschen an.

Artisan & Artist sind ebenso zu nennen wie Gariz – nicht nur für Leica-Geräte. Einen bequemen, sicheren Einkauf und einen netten Service bietet der deutsche Versand Designstraps. Die Mädels von Designstraps haben sogar Kamerataschen für Frauen im Angebot – das habe ich so auch noch nie gesehen.

Dies ist nur eine kleine Auswahl, eine ausführliche Aufzählung würde hier sämtliche Rahmen sprengen.

In der Leica-Welt sind die sogenannten „Soft-Release-Buttons“ sehr beliebt. Das sind zusätzliche kleine, farbige oder mit Bildern versehene Buttons, die über das Fernauslöser-Gewinde auf den Auslöser geschraubt werden. Angeblich soll damit das Auslösen besser und leichter gehen. Dennoch will sich mir der praktische Nutzen nicht so recht erschließen – in meinen Augen ist es eher eine kleine, modische Individualisierung. Einige nutzen sie wie Finger- oder Ohrringe und schrauben je nach Stimmung oder Outfit andere, passende Buttons auf. Man muss es halt mögen.

Soft-Release-Buttons findet man z.B. bei HQ-Cameras unter M-System / Zubehör / Diverses.

Der japanische Designer Jay Tsujimura fertigt sogar richtigen Schmuck für die Leica an – allerdings auch in der entsprechenden Preiskategorie. Wer den Gipfel an Individualisierung für seine Kamera will, sollte seiner Seite einen Besuch abstatten.

Neue Belederung gefällig? Selbst das ist möglich und man kann sich seine Leica mit allen möglichen und unmöglichen Ledersorten beziehen lassen, farbig oder auch nicht. CameraLeather.com oder AV Camera sind gute Adressen für solche Vorhaben. Neben einigen schicken Exemplaren, die ein gewisses Understatement wahren, können gelegentlich auch einige besondere Customs gesichtet werden, die infolge der Dekadenz ihrer Besitzer die gültigen Geschmacksgrenzen längst verlassen haben. Das man aus Tierschutzgründen auf das eine oder andere spezielle Leder auch mal verzichten könnte, ist leider noch nicht bei allen angekommen.

Möchte man seine Leica mit Gravuren verzieren lassen, kann man sich unter anderem direkt an Leica wenden oder eine Anfrage über den Händler stellen. Leica macht, z.B. im Rahmen einer kostenpflichtigen Wartung, auch gern die eine oder andere individuelle Kleinigkeit möglich – solange sich die Wünsche im Rahmen halten. Natürlich kann man sich nicht nachträglich etwas aufgravieren lassen, was das Produkt wie eine existierende limitierte Sonder-Edition aussehen ließe. Ein Schelm, der arges dabei denkt…

Sollte man mit der Ergonomie der Kamera nicht so richtig glücklich sein, kann ein sogenannter Thumb-Grip oder Thumbs-Up helfen. Das sind kleine Metallgriffe, die – am Gehäuse angeklebt oder in den Blitzschuh eingesteckt – den Aufzugshebel der mechanischen Leicas simulieren. Das wiederum soll helfen, die Kamera stabiler und sicherer in der Hand zu halten, weil der Daumen der rechten Hand das Gerät besser abstützt. Wer sich davon ein Bild machen möchte, findet bei Meister Camera oder im LFI-Store entsprechende Angebote.

Ich persönlich habe so einen Thumbs Up ausprobiert und fand es gewöhnungsbedürftig. Mehr Ergonomie liefert mir stattdessen mein Halfcase von Luigi, weil das vorn rechts eine Verdickung in Form eines Handgriffes hat. Damit halte ich die Leica eher wie eine DSLR und habe den rechten Daumen zum Bedienen des Vier-Wege-Schalters frei. Ähnlich dürfte sich übrigens auch der optionale Handgriff von Leica anfühlen.

Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen, all diese kleinen „Ergänzungen“ nicht einfach blind zu kaufen, sondern vorher auszuprobieren. Nicht selten erwirbt man das Zeug in der ersten Begeisterung zeitnah zur neuen Leica, nur um dann festzustellen, dass es doch nicht die erhoffte wesentliche Verbesserung darstellt.

Für mich persönlich sind ein gutes Halfcase und ein angenehmer Strap wichtig. Von schwarzen oder abgeklebten Leica-Punkten halte ich nicht viel – generell würde ich am Gehäuse so wenig wie möglich abkleben, ankleben oder gar basteln und schrauben. Auf keinen Fall sollte man versuchen, den Messsucher selber zu justieren oder Gehäusedeckel und Bodenplatte zu tauschen um z.B. die Farbe zu wechseln – außer, man weiss wirklich was man tut. Achtung! Zu denken, man kann alles, bedeutet nicht notwendigerweise, dass man weiss, was man tut.

Eine Kleinigkeit habe ich mir noch gegönnt. Auf Ebay findet man gelegentlich alte Sonnenblenden aus Metall vom Typ 12 504 oder 12 585H – je nach verwendetem Objektiv. Die sehen meist etwas verlebt aus, meine ist z.B. eingedellt und zerkratzt. Ich mag aber den Look, den die Kamera mit dieser Blende und ihrem Lederhalfcase erhält – so als hätte man sie direkt aus den dreißiger Jahren in die Gegenwart gebeamt. Zudem ist es ein guter Schutz, wenn man gelegentlich mal mit der Kamera irgendwo anschlägt. Nicht zu vergessen auch ein Schutz vor Dieben, denn wirklich jeder denkt, dass es sich bei dem Gerät um eine alte, verramschte Filmkamera vom Flohmarkt handelt.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte? Ich hätte gern eine M in Stealth-Optik, in ähnlicher Bauform wie die M9 Titanium, aber komplett mattschwarz lackiert. Das wäre ziemlich cool.

Hinweis: Leica bietet das Programm „A La Carte“ leider derzeit nur für die analogen M-Modelle an. Bei A La Carte kann man sein Neugerät in individuellem Design (Bedienelemente, Farben, Belederung, Gravuren) ordern.   

Fazit

Zeit für ein Fazit. Für mich persönlich stellt die M (Typ240) das derzeit gelungenste Statement zum Thema Messsucher im 21. Jahrhundert dar. Noch mehr als die M9 verkörpert die M (Typ240) die Rückbesinnung auf die jahrzehntelange Messsucher-Tradition und verknüpft diese mit modernster Technik und auch gewissen optional nutzbaren Bequemlichkeiten. Die M (Typ240) ist eine gelungene Synthese aus allem, was mir an einer Kamera wichtig ist. Sie bietet eine kompromisslos einfache, klassische Bedienung und ihre Technik steht mir nicht im Weg und lenkt mich nicht ab, sondern unterstützt mich bei Bedarf.

Neben traditioneller Messsucher-Fotografie mit 35 oder 50mm Brennweite ermöglicht sie mir bei Einsatz von Live-View (und elektronischem Sucher) die bequeme Verwendung von Stativ, Weitwinkelobjektiven oder Drittobjektiven und ersetzt mir in diesem Anwendungsfeld nun auch die DSLR, die dort bisher noch mehr Bequemlichkeit bot.

In Punkto Bildqualität und Low-Light-Fähigkeit reiht sie sich in den aktuellen Stand der Technik und in die Riege moderner Profi-Geräte ein. Für mich bedeutet das in erster Linie, dass ich nun bildtechnisch noch mehr Reserven habe und dass das Gerät im Allgemeinen einfach universeller zu handhaben ist.

L1000062.jpg1/60s, F5.6, ISO400

Fotografieren ist nicht länger „Bilder schießen“, sondern passiert wie früher; langsamer und bewusster. Doch die Kamera entschleunigt mich nicht nur dabei, sie nimmt mich auch ein Stück weit aus diesem technologischen Hamsterrad heraus, da die Produktzyklen bei Leica viel länger sind und der Werterhalt generell wesentlich höher ist.

Wie alle Geräte, die mehr auf manuelles Arbeiten denn Automatismen basieren, macht die Leica beim Fotografieren einfach Spaß. Sie ermöglicht Kontrolle und man kann ihre Funktionsweise begreifen und verinnerlichen. Irgendwann ist sie wie ein alter Hausschuh, in dem man sich wohl fühlt.

Im Bereich der Automobile wäre die Leica vielleicht ein minimalistischer Roadster. Mit dem macht das Autofahren auch wesentlich mehr Spaß als mit einem technologisch fortgeschrittenen Fahrzeug, obwohl er schwieriger zu handhaben ist, weniger Sicherheit bietet und auch manchmal ein wenig Komfort vermissen lässt.

Der Preis ist in diesem Falle verhältnismäßig sekundär. Es gibt genau zwei Arten von Menschen. Den einen läßt das Gesamtkonzept Leica M völlig kalt. Das hat nichts mit dessen fotografischen Qualitäten zu tun, es ist eher eine Frage des persönlichen Geschmacks, der Präferenzen und der Einstellung. Dieser Fotograf wird trotzdem mit den tollen Geräten von Nikon, Sony oder Canon ganz fantastische Bilder machen.

Andere finden das Thema Leica einfach reizvoll und können – einmal angefixt – davon nicht mehr lassen. Diese Personen werden sich früher oder später wahrscheinlich solch ein Gerät so oder so kaufen.

L1000496.jpg1/90s, F3.4, ISO250

Eine letzte interessante Frage: was soll der M9-Besitzer tun? Soll er upgraden oder die M9 behalten? Nun, das kommt wiederum auf jeden persönlich an. Wer mit der M9 vollkommen zufrieden ist, nichts vermisst (was ich gut verstehen kann) und das Gerät vornehmlich mit klassischen Brennweiten nutzt, der soll auch bei der M9 bleiben. Zwar würde auch ihm die M (Typ240) hier und da etwas mehr bieten, das ist aber irrelevant angesichts der Tatsache, dass er mit der Situation ja schließlich zufrieden ist!

Wer wie ich gern auch mit ND-Filter und Stativ im Superweitwinkel unterwegs ist, vielleicht noch R-Objektive oder andere Schätzchen besitzt, gern viel aus den Bildern herauskitzelt (Stichwort Dynamik) und an ihnen herumschraubt, viel im Low-Light-Bereich arbeitet, gern in Schwarzweiss konvertiert und wer heimlich neben der M9 noch eine weitere Kamera besitzt („nur für alle Fälle„), der sollte die Anschaffung der M (Typ240) durchaus ins Auge fassen (dann aber auch die Zweitkamera konsequent abschaffen).

Ganz allgemein werden Menschen, die eher die analogen Typen sind, mehr zur M9/M-E tendieren. Die anderen, digital angehauchten, fühlen sich wahrscheinlich mehr zur M (Typ240) hingezogen. Ich denke, bei Leica hat man das erkannt und bietet die M9 deshalb weiterhin in Form der M-E an.

L1000353.jpg1/90s, F2.4, ISO3200

Für Leica ist es sicherlich nicht einfach, auf diesem Drahtseil zu balancieren. Einerseits das Erbe zu bewahren, andererseits zukunftsfähig und attraktiv zu bleiben – und dabei allen gerecht zu werden. Ich empfinde die M (Typ240) als ausgewogen und durchdacht. Sie vermittelt mir einerseits die Verbindung zurück in die Historie, ist aber andererseits ein modernes, stylisches Hightech-Werkzeug. Diese Dualität drückt sich sowohl in Form als auch in Funktion aus. Die Leica ist nicht nur ein Fotoapparat, sie ist auch ein Statement. Eine Leica trägt man nicht, um damit wichtig und professionell auszusehen. Wer eine Leica besitzt, tut das im Grunde nicht um der Leica willen, sondern aus Liebe und Begeisterung für die Fotografie.

Die ewige Preisdiskussion

In den letzten Jahren wird Leica zunehmend als Luxus-Artikel-Hersteller gesehen. Die Firma pflegt diesen Ruf auch ein wenig, bringt immer mal wieder teure Special-Editions verschiedener Kameramodelle heraus und findet ganz allgemein auch dank „Made in Germany“ in reichen Amerikanern, Russen oder Asiaten immer wieder dankbare Kunden. Vor allem bei den Promis ist die Marke irgendwie „hip“ und Leica nutzt das marketingtechnisch recht geschickt aus.

Andererseits ist die M auch einfach eine solide, qualitativ sehr hochwertige Arbeitskamera für jeden begeisterten Fotografen. Die Art und Weise der Produktion in Deutschland, die Materialien, die Robustheit und hohe Wertbeständigkeit – das alles schlägt sich natürlich im Preis nieder. Die M ist kein Massenprodukt. Von Stückzahlen einer Nikon D600 oder Canon 5DM3 ist sie meilenweit entfernt. In erster Linie diktiert diese Tatsache den hohen Preis. Am Stammtisch heißt es ja gern, dass die Geräte für reale 100 EUR vom Band „fallen“ und dann mit einem Luxusaufschlag von mehreren Tausend verkauft werden. Das ist allerdings, sowohl bezogen auf Produktion als auch auf Preisfindung, vollkommen falsch.

Gerade in Deutschland hat sich dort in den letzten Jahren eine verzogene Wahrnehmung entwickelt, eine selektive Geiz-Mentalität. Während für Immobilen, Premium-Automobile, Uhren oder Bekleidung ohne mit der Wimper zu zucken exorbitant hohe Preise gezahlt werden, kriegt man Schnappatmung, wenn ein elektronisches Produkt mehr als 1000 EUR kostet. Kommt ja eh alles nur aus China.

Jeder, der gerade einen mittleren fünfstelligen Betrag oder (viel) mehr für das neueste Produkt nach Stuttgart, Ingolstadt, München oder gar Zuffenhausen überwiesen hat, sollte vielleicht mal darüber nachdenken, warum er bei der Firma in Wetzlar mit anderen Maßstäben misst.

L1000338.jpg1/90s, F9.5, ISO1250

Man kann es auf einen Punkt bringen. Erfolgreiche und aufwändige Produkte, Made in Germany, haben ihren Preis – und das gilt nicht nur für Automobile. Das fernöstliche Massenprodukt ist eben nicht das Gleiche für weniger Geld. Wäre dieses Argument gültig, würden alle deutschen Premiumhersteller umgehend Konkurs anmelden. Da muss also mehr dran sein als nur der Preis und die Features – nämlich verwendete Materialien, Verarbeitung, Haptik, Design, Usability, Haltbarkeit und Werterhalt.

Zum Schluss noch etwas zum Nachdenken: als mein Vater in den achtziger Jahren zu DDR-Zeiten seine erste Spiegelreflexkamera kaufte, bezahlte er locker das doppelte eines Monatsgehaltes – das Objektiv noch nicht mitgerechnet. Der Farbfernseher war sogar noch teurer. Dennoch war es zu dieser Zeit verhältnismäßig normal, solche Produkte zu besitzen, vor allem hatte es nichts mit Reichtum zu tun. Man sparte einige Zeit dafür und nutzte das Produkt dann entsprechend lange. Dafür hatte man aber auch das Gefühl für den Wert einer Sache.

Solche Gedanken dürften unserer Wegwerfgesellschaft heutzutage wohl meist fremd sein. Stattdessen wird der Besitz der Mitmenschen nicht selten mit Neid und Mißgunst betrachtet.

Leica M-P vs M (Typ 240)

2014 hat Leica die M-P (Typ 240) vorgestellt. Man folgt dabei dem mit der M9 etablierten Schema, zum jeweiligen Hauptmodell – ungefähr in der Halbzeit des Produktionszyklus – das sogenannte P-Modell (für „Professional“) einzuführen. Während die Änderungen von der M9 zur M9P damals nur kosmetischer Natur waren, hat Leica diesmal ein klein wenig mehr getan.

Wie üblich wurde das Gehäuse vorn von jedweden Schriftzügen und dem roten Leica-Punkt befreit. Der Firmenname findet sich nun in geschwungenen Lettern auf dem Gehäusedeckel wieder. Das Gorilla-Glas des Displays ist wieder dem unkaputtbaren Saphir-Glas gewichen. Damit übersteht die Leica nun auch den Eintritt in die Erdatmosphäre problemlos.

Beim schwarzen Modell sind alle hinteren Bedienelemente (4-Wege-Schalter und Drehrad) jetzt ebenfalls schwarz und nicht mehr silber.

Überraschenderweise ist der Bildfeldwähler zurückgekehrt – damit kann man die unterschiedlichen Bildrahmen manuell im Sucher umschalten ohne dafür das Objektiv zu wechseln. Sinn sollte sein, zu entscheiden, ob für die gegebene Situation ein anderes Objektiv passender wäre. Ich selbst habe den Hebel nie benutzt und begrüßte die glattere, cleanere Front der M (Typ240) – das erinnerte mich an die M9 Titanium.

Die wohl bedeutendste Änderung ist die Verdoppelung des internen Pufferspeichers auf 2GB. Damit kann der Fotograf länger in schneller Folge fotografieren ohne das er irgendwann von der Kamera (zwecks Verarbeitung der Bilddaten) eingebremst wird. Da ich eher gemächlich unterwegs bin, ist das für mich persönlich nicht besonders relevant.

Das Wichtigste: die Bildqualität und das Handling sind absolut gleich geblieben. Insofern gilt mein Testbericht uneingeschränkt für beide Modelle.

Ich habe in Erfahrung gebracht, dass Leica wie üblich für M (Typ240)-Besitzer ein Upgrade auf die M-P (Typ240) anbieten wird. Das schließt wohl nicht die Verdoppelung des Pufferspeichers und den Bildfeldwähler mit ein, jedoch werden sowohl der Deckel als auch die Bodenklappe wie bei der M-P in den unbeschrifteten „Stealth“-Modus versetzt.

LeicaM-P_blackLeica M-P (Typ240) im Stealth-Mode, Quelle: Leica Camera

LeicaM-P_black_backBeim schwarzen Modell gibt es nun auch auf der Rückseite keine silbernen Bedienelemente mehr. Quelle: Leica Camera

LeicaM-P_silver_frontWieder mit dabei: der Bildfeldwähler. Quelle: Leica Camera

Leica_M-P_Close-Up_1Schriftzug auf dem Deckel, Quelle: Leica Camera

Linksammlung

Testberichte und Reviews (eigene)

Summicron-M 2.0/35mm Asph

Summarit-M 2.5/90mm

Voigtländer 1.2/35mm Asph II

Voigtländer 4.0/21mm Color Skopar (an M9/M Typ240 nicht zu empfehlen)

Leica M8 mit Voigtländer Nokton Classic 1.4/35mm

Testberichte und Reviews (fremde)

www.lichtknoten.com – Erfahrungsbericht Leica M Teil 1

www.lichtknoten.com – Erfahrungsbericht Leica M Teil 2

www.stillephotographie.at – Testbericht Leica M

norbertwindecker.blogspot.de – Erfahrungsbericht Leica M

www.stevehuffphoto.com – Review Leica M

www.overgaard.dk – Longtime Review Leica M

blog.mingthein.com – Review Leica M

www.thephoblographer.com – Review Leica M

kristiandowling.com – Review Leica M

www.dr-claus-sassenberg.de – Allgemeines zur M-Reihe

Homepage von Erwin Puts – Allgemeines zu Leica

Technische Informationen

Leica – Das M-System

Erklärung des Messsuchers (Video)

Superweitwinkel von Drittherstellern, Tipps

Codierung von Fremdobjektiven, Tabelle und Schablone

Leica-Kompendium von Erwin Puts, kostenlose Webversion

Kommerzielles (Kamera und Objektive)

Leica-Stores (Händlersuche)

Meister Camera

Voigtländer

Zeiss ZM-Objektive

Kommerzielles (Zubehör)

LFI Online Shop

Designstraps

Leicatime

Angelo Pelle

Artisan & Artist

Gariz

HQ-Camera

Jay Tsujimura

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