Muldenhütten – Erste Erfahrungen mit der A7r

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Da es im Winter naturgemäß etwas schwierig ist, farbenfrohe Motive zu finden, habe ich nach etwas anderem gesucht um die Sony A7r mal so richtig „auszuführen“. Meine Erfahrungen mit dem Gerät sind nach wie vor eher beschränkt und ich brannte darauf, dies so schnell wie möglich zu ändern.

Der Zufall führte mich in ein älteres heimatliches Industriegebiet. Dieses Gebiet – genannt „Muldenhütten“ – blickt auf 700 Jahre Metallurgie zurück. Es liegt etwas abseits von Freiberg in einem kleinen Tal. Im entsprechenden Wikipedia-Eintrag findet sich der Hinweis, dass Muldenhütten der älteste, noch in Betrieb befindliche Hüttenstandort Deutschlands ist.

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Heutzutage stehen dort viele verschiedene Betriebe mit teilweise „frischer“ Bausubstanz. Trotzdem finden sich dazwischen immer wieder wunderschöne alte Industriebauten aus DDR-Zeiten (und früher), die teilweise hervorragend erhalten sind. Schaut man durch die Fenster, erblickt man herrliche Ostblock-Austattungen, alte Lagerstätten, Werkbänke, Stühle, Möbel. Manchmal sieht es so aus, als wären die Arbeiter gerade gegangen.

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Ich habe mich dem Ort fotografisch so angenähert, wie er mir aus der Kindheit in Erinnerung geblieben war. Bei den Sonntagsspaziergängen mit meinem Vater folgten wir gelegentlich dem „Bächlein das so riecht“ (Freiberger Mulde) bis hin zur „Fabrik die so brummt“ (Muldenhütten).

Muldenhütten 1Die Schornsteine von Muldenhütten. Nur zwei sind übrig, zu DDR-Zeiten waren es mehr. Wenn der Wind ungünstig stand, nebelten sie ihre gelben Ausdünstungen in die Stadt. Hinterher konnte man Fenster putzen.

Angefangen von der stinkenden Freiberger Mulde (Umweltschutz hat damals keinen interessiert) bis hin zu den grauen, mächtigen Gebäuden der Fabriken hat mich dieser Ort also schon als kleiner Junge fasziniert. So, wie ich diese Stätte vor meinem kindlichen Auge immer sah – groß, dunkel, mächtig, abweisend – habe ich die Bilder auch umgesetzt und bearbeitet. Wer diese Bilder anschaut sieht somit meine Interpretation zu diesem Teil der Wirklichkeit.

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Kommen wir aber nun zur Kamera.

Mein Objektiv der Wahl war das Zeiss 35mm F2.8. Ich muss sagen, auch wenn ich Anfangs etwas skeptisch bezüglich dieser Brennweite war, habe ich mich doch zum Fan entwickelt. Das Teil ist wirklich rattenscharf bis in die Ecken und nahezu verzeichnungsfrei. Für meine Art der Fotografie wäre ein 28mm vielleicht noch etwas vorteilhafter – andererseits ist das auch wieder mehr Raum, den man ausfüllen muss.

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Meine Einstellung zur A7r hat sich zwischenzeitlich etwas geändert. Nachdem ich mit Lightroom die Bilder in aller Ruhe „auseinandergenommen“ habe, tendiere ich eher dazu, dass die Farbdarstellung/Charakteristik anders als die der Nikon (D600) ist, aber nicht notwendigerweise schlechter. Die größte Überraschung war, dass mich die Sony stark an die Leica M8/9 erinnert. Teilweise verwechselte ich die Bilder der beiden Kameras sogar (ich hatte die Leica zu Vergleichszwecken mit einem 50er dabei). Die Leica hat manchmal eine eigenartige Interpretation von Farben/Weißabgleich. Dies führt mitunter zu der Situation, dass ich ein Bild zehn mal anschaue und jedes mal einen anderen Farbstich darinnen wahrzunehmen glaube. Das ist aber gleichzeitig eine der Charakteristiken des Gerätes; eine eigene Farbsignatur die unter Umständen zu interessanteren Bildern führen kann.

Muldenhütten 33Die Farben sind definitiv anders und etwas zurückhaltender als bei Nikon, sie ähneln eher der Leica M8/9. Nikon liefert sehr klare und kräftige Grün/Blau-Töne. Manche sagen dazu auch Bonbonfarben.

Die Sony ist hier sehr ähnlich. In meinem Testbericht hatte ich ihr technisch perfekte, aber etwas seelenlose Bilder bescheinigt. Das sehe ich mittlerweile anders. Man muss sich mit den RAWs etwas auseinandersetzen. Sie bringen definitiv etwas eigenes mit, einen eigenen Charakter. Definieren kann ich es nicht aber darin ähneln sie denen der Leica – ich manipuliere die Sony-Bilder inzwischen auf ähnliche Art und Weise im Lightroom und erhalte vergleichbare Ergebnisse. (Offen bleibt dabei natürlich, welchen Anteil hierbei das Objektiv hat).

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Schärfe und Details sind perfekt und während die Nikon D600 bei der Konvertierung in Monochrom immer etwas flach und flau blieb (wir meckern auf ganz hohem Niveau!!) zeigt die A7r an dieser Stelle eine Menge Charakter. Man hat einfach unheimlich viele Details, Abstufungen und Headroom für die RAW-Bearbeitung. Einige meiner liebsten Schwarzweiss-Bilder hatte ich letztes Jahr mit der M8 gemacht. Die war darin einfach unschlagbar. Die Sony erwächst sich hier zur echten Konkurrenz.

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Um ein kleines Resümee zu ziehen; die A7r ist eine Knipsmaschine allererster Güte. Sie liefert einfach nur ab, und das spielend leicht. Mit dem Klappdisplay konnte ich Perspektiven (z.B. oberhalb oder unterhalb meiner Augenhöhe) perfekt und unverzerrt einfangen. Durch die hervorragende Lichtstärke (bis rein in die 3000er-ISO-Bereiche sieht man nahezu kein Rauschen) konnte ich die Verschlusszeiten immer hoch genug halten dass der 36-MP-Sensor seine Schärfe auch wirklich ausspielen konnte. (Es ist ein Ammenmärchen, dass man das Gerät wegen der hohen Auflösung nur mit Stativ optimal nutzen kann. Ein Stativ macht die Sache sicherlich nicht schlechter, aber es ist keine unbedingte Notwendigkeit!)

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Insgesamt fühlt sich das Arbeiten mit dem Gerät etwas „unwirklich“ an. Man hantiert mit dieser kleinen, unscheinbaren „Knipse“, schaut noch nicht mal durch den Sucher – alles geht so schnell, unkompliziert und handlich. Trotzdem bekommt man hintenraus Ergebnisse die alles andere als „klein“ und „unscheinbar“ sind.

Vor allem wird man definitiv nicht als „Fotograf“ erkannt.

Bleibt abzuwarten, ob Sony jetzt wirklich in der Lage ist, der Kamera mit Objektiven in ausreichender Quantität und Qualität gerecht zu werden. Vom bereits erschienenen 55mm F1.8 hört man ähnlich positive Berichte wie vom 35mm F2.8. Spannend wird für mich vor allem das 24-70 F4 als Universalzoom. Es bleibt interessant.

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Hat der Artikel Spaß gemacht? Hier geht es zu einem ausführlichen Sony A7r-Testbericht und hier zu einem Bericht über das Zeiss 35mm 2.8 FE.

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